Bald totale Sonnenfinsternis in Thun? Trotz sehr wohlwollenden Analystenberichten geht es weiterhin ruckartig nach unten beim Solarproduzenten Meyer Burger. Der einstige Vorzeigemanager Peter Pauli hat sich beim Kauf der ostdeutschen Branchenkonkurrenten Roth & Rau «überlupft», wie hier schon oft bemängelt wurde. Peinlicher ist hingegen, wie die Aktie im Vorfeld des Take-overs von Geisterhand nach oben gestossen wurde. Ein Abbruch der Verhandlungen wäre die einzige und richtige Konsequenz gewesen (bald unter 10 Franken, einst bei 44 Franken).

Der Alpenlandexpress ist nicht zu toppen: +166,4% beträgt das atemberaubende Jahresplus unseres Börsenfavoriten Austriamicrosystems, Zulieferer der Lichtsensoren für das Apple iPhone V. Am 22. Oktober 2012 findet der nächste D-Day statt: die Bekanntgabe der dritten Quartalszahlen. Ich gehe von einem überproportionalen Wachstum der Gewinnzahlen aus, während die Umsatzzahlen zum Vorquartal um knapp 9% zunehmen werden (servus Austria – deine schönste Braut heisst AMS!).

Nichts zu lachen bei Nobel Biocare: «Es chunnt nanig guet» – trotz Staranwalt Rolf Watter als Verwaltungsratspräsident. Die Bezüge der Geschäftsleitung im Verhältnis zu den gesamten Personalkosten sind schlichtweg ausserhalb jeglicher Proportion. Ein erster Lichtblick ist der Zuzug vom hoch respektierten Finanzchef Oliver Walker, doch speziell das Verkaufsmanagement liegt noch im Argen, wie Firmeninsider zu berichten wissen. Auch wenn die Fünftagesshow im MGM Grand Hotel zu Las Vegas anno 2005 mit der Ex-Chefin Heliane Canepa mehr zu einer Personality Show als zu einer Verkaufsdemo ausartete: Das Fussvolk war damals noch motiviert. Heute muss zuerst der Verkaufsprozess richtig aufgegleist werden, bevor man sich wieder ambitiöse Umsatzziele gibt. Auch die letzten personellen Bereinigungen im Verwaltungsrat sollten positiv sein: Die Grabenkämpfe zwischen der Schweizer und der Schwedenfraktion gehören nun der Vergangenheit an (hoffen auf Watter & Walker, noch nicht zukaufen).

Management top, Aussichten Flop: Monika Ribar-Baumann ist als Chefin von Panalpina nicht zu beneiden. Die Aussichten sind mehr als eingetrübt und die Konkurrenz aus dem arabischen Raum macht mit Kampfpreisen jeglichen Zweckoptimismus zunichte. Ich würde weiterhin abwarten, hier gibt es keine Börsenlorbeeren zu holen.

Ausstieg im obersten Stockwerk: +9,62% innert vier Wochen beim Häuslebauer Implenia. Nun gilt es den virtuellen Fluchtweg an der Börse einzuschlagen, es ging alles viel zu rasant nach oben (verkaufen – es handelt sich hier nicht um ein Liebhaberobjekt).

EMSig über 200 Franken: Nicht zu halten sind die EMS-Chemie-Valoren. Sorry, dass ich im Rückblick zu früh das Verkaufssignal gegeben habe. Bei einer Rendite von 32,29% seit dem 1. Januar 2012 darf man mit gutem Gewissen die Gewinne ins Trockene bringen. Die letzten Quartalszahlen waren übermässig gut in der vertieften Analyse. Fazit: Magdalena Martullo Blocher ist eine Erfolgsmanagerin und hat noch manche Überraschungen im Köcher, die sich wohltuend für die Aktionärsseele auswirken werden (too early, sell – Gewinn ist Gewinn).

Aufzugsaktie mit gutem Ausstiegspotenzial: Mehr als ein Jahr mussten meine Leser warten, bis sich nun eine gute Möglichkeit ergibt, beim Liftkonzern Schindler auszusteigen. Mit einer Jahresrendite von +18,64% ist das Ausstiegsszenario bestens gewählt (verkaufen).

Vive le dividende: Wieder über die 500-Franken-Marke gestossen ist die Waadtländer Dividendenkönigin Banque Cantonale Vaudoise. Hier liegt der Fokus einzig auf der Ausschüttung von über 6% pro Jahr, Kursgewinne sind ein nettes «Bhaltis», mehr aber nicht (halten).

Letzte Börsenzuckungen für Precious Woods? –51,01% innert vier Wochen für den südamerikanischen Holzproduzenten. Auch die Beamtenversicherungskasse des Kanton Zürichs war voll mit dabei, einst mit 3,9% des Aktienkapitals. Klumpenrisiko war in diesem Fall wohl ein Fremdwort, das jedem Bankstift schon im ersten Lehrjahr eingehämmert wird.

Sämtliche Leserfragen werden beantwortet. Schreiben Sie Geldberater François Bloch ein E-Mail an: geld@sonntagonline.ch.

Wer die Börsentipps aus dieser Kolumne umsetzt, tut dies auf eigenes Risiko. Der «Sonntag» übernimmt keine Verantwortung. Unser Experte hat sich verpflichtet, in keinem der besprochenen Titel aktiv zu sein.


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