Galenica hat Potenzial nach oben. – Hedge Funds planen Attacke gegen Dollar. – Ascom, Lonza und Swiss Re verkauft man jetzt besser.
VON BORIS FELDMANN

Der Berner Pharmazie- und Logistikfirma Galenica geht die Puste nicht so schnell aus. Trotz Boom im Börsenjahr 2010 (Wertzuwachs von 53,49%) ist das Kurspotenzial noch nicht ausgereizt (erstmaliger Kauf).

Hingegen warten wir nach wie vor vergebens auf den Höhenflug der Novartis-Aktien, die 2010 vor sich hin dümpelten. Der Pharmagigant vom Rheinknie wird auch 2011 kaum für eine positive Börsenüberraschung sorgen.

Konkurrent Roche seinerseits (Kurs sank 2010 um ein Fünftel) muss nun mit dem schwachen Dollar kämpfen und wird aufgrund auslaufender Medikamentenpatente in den kommenden drei Jahren unter Druck kommen. Wenigstens wird die hohe Dividende von mehr als 4% pro Jahr über die lange Durststrecke hinwegtrösten.

Weiter im Schwitzkasten befindet sich der amerikanische Dollar und mit ihm auch unsere Schweizerische Nationalbank, die eine kostspielige Niederlage gegen die Hedge Funds einfängt. Diese Niederlage ist mittlerweile tiefrot.

Doch es wird noch viel schlimmer kommen im Jahre 2011: Grosse europäische Hedge Funds planen eine Generalattacke in den ersten Januar-Wochen – und niemand wird dem US-Greenback zu Hilfe eilen.

Auch das Verhältnis des Wechselkurses zwischen dem Euro und dem Schweizer Franken sorgt für Spannung. Internationale Währungsspekulanten setzen die Schmerzgrenze bei 1.08 an, jedenfalls wird auf diesem Kurspegel die Situation für unsere Nationalbank recht ungemütlich. Im Schlepptau dieser Spieler kommen auch grosse Banken dem vor kurzem aberwitzigen Kursziel von 1.10 dem Spekulantenwert immer näher.

Nach dem Kursgewinn von 16% in den letzten vier Wochen bei den Berner Technologievorreitern von Ascom sollte der Abgang geplant werden. Der Titel ist nun auf diesem Preisniveau nicht mehr fundamental günstig (erstmaliger Verkauf).

Die Aktien von Lonza können sich dem negativen Trend der letzten Wochen nicht entziehen. Und sorgfältig gestreute Gerüchte über allfällige Gewinnwarnungen sorgen für Katzenjammer am Basler Hauptsitz (Verkauf).

Auf Erfolgskurs bleibt die Genfer Softwareschmiede Temenos, die nun ins Blickfeld internationaler Investoren rückt und auf eine feindliche Übernahme setzen (halten).

Einer meiner Kursfavoriten für das Börsenjahr 2011 bleibt Sulzer. Das Management setzt erfolgreich auf die Osterweiterung des Kundenstamms. Der russische Grossaktionär Viktor Vekselberg setzt seine Kontakte zum Kreml bestens ein (halten).

Trotz ermutigenden Zahlen aus dem vergangenen Weihnachtsgeschäft verharren die Valoren des Westschweizer Mäuseproduzenten Logitech auf Ausverkaufsniveau. Leider sind die Kursaussichten für die nächsten drei Monate stark eingetrübt.
Ins gleiche Fahrwasser ist ein weiterer Technologiekonzern aus der Westschweiz geraten: Kudelski. Die 20-Franken-Marke konnte mit Händen und Füssen verteidigt werden (Hände weg).

Nun ist die Luft beim Rückversicherer Swiss Re draussen. Bedauerlicherweise sorgen erhöhte Bondrenditen im Jahr 2011 für ein geschmälertes Anlageergebnis. Erschwerend wirkt der sich abzeichnende Preiskampf mit dem ewigen Konkurrenten aus Deutschland, Munich Re aus (verkaufen).

Nach den phänomenalen Kursgewinnen in den Jahren 2009 und 2010 befinden sich die im Luxussegment tätigen Richemont und die Swatch-Gruppe bei den institutionellen Investoren erstmals nicht mehr auf der «must buy»-Liste von Anfang Januar (Hände weg, zu teuer).

Völlige Ernüchterung herrscht bei den ungarischen Eigenheimbesitzern, die zum Jahreswechsel eine Schreckensbilanz ihrer Schweizer-Franken-Kredite zur Kenntnis nehmen müssen. Mit einem Währungsverlust von 22% wird der Traum der billigen Finanzierung zum regelrechten Albtraum. Und für das Jahr 2011 sind die Aussichten nicht besser: Währungsspekulanten werden zum finalen K.-o.-Schlag ansetzen.


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