Lufthansa wird zum BörsenAlbatros. – Geadelte SGS.
Am 7. März 2000 schrieb «onlinereports.ch» aus Basel: «Mit aggressiver Vermarktung will Thomas Ebeling den schleichenden Pharma-Verkauf über den Marktdurchschnitt hieven». So wei,t so gut, doch der Weg an die Novartis-Spitze blieb ihm trotz Topergebnissen verwehrt: Der ehemalige US-College-Spitzenschwimmer Joseph Jimenez machte das Rennen und Ebeling wechselte fast gezwungenermassen in die Medienbranche – zu ProSiebenSat1, und dies mit durchschlagendem Börsenerfolg. Seit Beginn seiner Tätigkeit bei ProSiebenSat1 im März 2009 stieg die Aktie pro Jahr um gigantische 113,9% an, während Novartis auf schlappe 19,4% im gleichen Zeitraum kommt (Berechnung in Euro). Mein Tipp: heiss gelaufener Take-over-Kandidat, spekulativer Kauf. Ebeling ist halt ein begnadetes Verkaufstalent, ob nun in der Chemie oder im Mediengeschäft.

> In aller Munde ist mein geliebter Nebenwert Kardex, der diese Woche mit einem Kursplus von 5,3% brillierte. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die LB Swiss Fondsgesellschaft, eine Tochter der Frankfurter Bankgesellschaft, fast 5% des gesamten Aktienkapitals hält. Nun spekuliert auch eine sehr grosse Schweizer Bank, die sich in einer Transformationsphase zum weltweit grössten Vermögensverwalter befindet, auf sensationelle Quartalszahlen am 22. August 2013. Problem für die zukünftige Nr. 1: Die Marktkapitalisierung ist mit 284 Millionen Franken eigentlich zu klein, um seine Liebe zur Substanzperle öffentlich bekannt zu geben. Mit dem Bewertungsspeck, der durch den möglichen Teilverkauf eines Unternehmensteils zusätzlich Fett ansetzt, kriechen die Börsenmäuse aus allen Löchern und möchten mit von der Party sein. Also dranbleiben (Kurspotenzial: 41 Franken). Wichtig: Die Weltelite des Investmentbankings spielt mit diesem Titel. Also aufgepasst!

> Das Trumpfass in der Hand der UBS ist der deutsch-schweizerische Doppelbürger Ulrich Körner. Mit Akribie sucht er nach Schwachstellen oder böse gesagt nach Optimierungsmöglichkeiten – Personalabbau also. Mit rund 25 000 Unterstellten ist er ein Schwergewicht im UBS-Konzern. Einziger bisheriger taktischer Fehler des Ex-CS-Mannes: Hätte er die temporäre CEO-Ernennung nach dem Abgang der ostdeutschen Trägerrakete Ossi Grübel akzeptiert, würde er nun anstelle des Tessiners Sergio Ermotti, der Nr. 1 der UBS, sitzen, wie top informierte Quellen zu berichten wissen. Das entscheidende Meeting fand in Singapur statt und Villiger, damaliger Verwaltungsratspräsident der UBS, wollte «ums Verrecken Ermotti». Einen sympathischen Vorteil neben seinem Gewinner-Gen und den Fachkenntnissen hat Sergio Ermotti auf jeden Fall: Dank ihm wissen wir jedenfalls bei jeder Präsentation, was der neueste Modetrend ist. (Halten)

> Christoph Franz, ehemaliger Swiss-Boss und jetziger Superchef des Lufthansa-Konzerns, wird nicht mehr spöttisch das U-Boot der Kranich-Flieger genannt, der einst die Swiss übernahm, sondern hat sich nun zum Aktien-Albatros hinaufgeschwungen. Während der DAX-Index über ein Jahr rund 23,2% hinzugewann, stiegen die Papiere der Lufthansa um satte 53,2% an. Wie schrieb Klaus Stöhlker schon am 11. November 2009 (sic!): «Einmal traute sich bei uns niemand mehr zu, die Swiss erfolgreich zu machen; zweitens war unseren bürgerlichen Politikern in Bern (Kaspar Villiger!) das Risiko zu gross, erhebliche Verluste für die Bundeskasse einzufliegen. Die Deutschen mussten uns zeigen, wie es funktioniert.» Oder andersrum gesagt: Villigers Milliardengeschenk nach Deutschland. Denn zuerst wurde die Swiss mit Bundesmilliarden alimentiert, bevor sie billigst nach Deutschland verscherbelt wurde. (Kaufen)

> Die deutsche Adelsfamilie von Fink hat eine zweigeteilte Erfolgsbilanz in der Schweiz. Während mit den Aktien der von Roll weiterhin kein Staat zu machen ist, schreibt die Genfer Prüfgesellschaft SGS eine tolle Erfolgsgeschichte: +10,8% pro Jahr über die letzten fünf Jahre. Bei von Roll entstand im gleichen Zeitraum eine derbe Einbusse: –33,5% pro Jahr. Als grösste Aktionärin beim Genfer Unternehmen SGS hat die Adelsfamilie ein goldenes Näschen gehabt. Mein Vorschlag: Kaufen Sie SGS-Aktien, und die allfälligen Dividenden können Sie beim familieneigenen Degussa-Goldhandel anlegen. Eine Filiale befindet sich in an guter Lage in Zürich. (Buy SGS, sell von Roll)

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Wer die Börsentipps aus dieser Kolumne umsetzt, tut dies auf eigenes Risiko. Die «Schweiz am Sonntag» übernimmt keine Verantwortung. Unser Experte hat sich verpflichtet, in keinem der besprochenen Titel aktiv zu sein.


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