Kurz vor der Bekanntgabe der Quartalszahlen der Schweizerischen Nationalbank, die sensationell waren, habe ich zu einer Lobeshymne auf Thomas Jordan angesetzt. Es verging kein Tag, ohne dass ich nicht mit bitterbösen Kommentaren zugeschüttet wurde. Der Mann «hätte nie in der Bankenwelt gearbeitet» und «entstammt dem akademischen Elfenbeinturm». Alles recht.

Doch eines kann ich Ihnen im Vertrauen sagen: Ohne die zupackende Art von Thomas Jordan würde heute der Bankenplatz Schweiz ganz anders aussehen. Der von Thomas Jordan geforderte und durchgesetzte antizyklische Kapitalpuffer für Immobiliengeschäfte, der per 1. September 2013 in Kraft gesetzt wird, ist nicht mehr genügend. Auf Jahresende 2013 sollte dieser Puffer nochmals um 0,25% erhöht werden, sonst laufen wir in eine kleinere Korrektur im Immobilienbereich hinein. Als Praxistest empfehle ich Ihnen eine Tramfahrt mit dem Zürcher Tram Nr. 7 von der Endstation Wollishofen bis zur Bahnhofstrasse: Sie wären überrascht, wie viele Büroflächen und Wohnungen zu vermieten sind. Liebe Bundesräte, vertrauen Sie Thomas Jordan. Bei der vertieften Analyse des neusten Berichts der SNB ist eine versteckte Warnung verpackt. Wussten Sie, dass die amerikanischen Regulatoren den US-Grossbanken neues, zusätzliches Kapital abverlangen?

Die Finma hat die Zeichen der Zeit erkannt und den Startvorteil der beiden Schweizer Grossbanken merklich reduziert. Trotzdem kämpfen noch nicht alle mit gleich langen Spiessen. Der Schweizer Immobilienmarkt ist gekippt: Das Vorzeigeprojekt Guggach der UBS-Pensionskasse wäre unter normalen Marktgegebenheiten innert einer Stunde nach Verkaufsstart vollständig veräussert worden. Jetzt können Sie lange nach dem Verkaufsstart Ihre Wohnung noch frei auswählen.

> Millimetergenaue Punktladung in Sachen Basler Kantonalbank: Bei 74 Franken endete am Freitagnachmittag die unendliche Talfahrt. Nichts zu lachen haben der Kanton Baselstadt als grösster Teilhaber und die Partizipationsschein-Besitzer, wenn sie den aktuellen Kursverlauf 2013 von –25,5% betrachten. In dieser Krisenlage ist nun Guy Lachapelle als CEO gefordert. Ein freiwilliger Verzicht auf den Jahresbonus 2013 ist nun mehr als wünschenswert. Die BKB hat einen sehr hohen Preis für die vergangenen Eskapaden der Zürcher Niederlassung bezahlt. Der Neuanfang ist zwar glaubwürdig, trotzdem werden die Gewinne in Zukunft um einiges tiefer ausfallen, bis wieder alles eingerenkt ist. Meine vorzeitige Verkaufsempfehlung an die Partizipationsschein-Besitzer war mehr als goldrichtig – und trotz publizistischem Gegensteuer habe ich an meiner Einschätzung festgehalten. Nützen Sie die Gunst der Stunde, unter 65 Franken ist die BKB ein klarer Kauf.

> Als Revolverblatt wurde die «Schweiz am Sonntag» auf Investmentforen bezeichnet, als ich mich negativ über die Berner Solarkönige von Meyer Burger geäussert habe. Nun ist mit einer Jahresbilanz von –46% meine Trefferquote wohl mehr als makellos. Verspätet tritt auch die Credit Suisse in meine Fussstapfen und präsentiert der Kundschaft eine fast schon vernichtende Analyse: Kursziel
5 Franken.

> Meine These des leicht schwächelnden Immobilienmarkts wird durch den Kursverlauf der PSP Swiss Property untermauert: –6,5% im Jahr 2013. Stellen Sie sich vor, die Banken würden alle Liegenschaften mit einem Abschlag von 6,5% bewerten und einzig diejenigen Anleger bitten, ihrer Nachschusspflicht zu entsprechen, die ihre Hypothek zu 80% oder höher belehnt haben. Der Immobilienmarkt würde aufgrund dieser kleinen Verwerfung verrückt spielen.

> Höchste Eisenbahn, Hypotheken abzuschliessen: Landauf, landab hiess es vor nicht langer Zeit, ja nicht auf langfristige Hypotheken zu setzen, sondern vorzugsweise auf Libor-Finanzierungen oder variable Hypotheken. Nun kann ich meine Leser beruhigen: Diejenigen, welche die 10-Jahres-Hypothek zu 1,60% oder tiefer auf meine Empfehlung hin abgeschlossen haben, können sich glücklich schätzen. Die neue Masszahl beträgt gemäss der «Finanz und Wirtschaft» vom vorletzten Samstag 2,5% für die entsprechende Laufzeit. Noch Fragen?

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Sämtliche Leserfragen werden beantwortet. Schreiben Sie Geldberater François Bloch ein E-Mail an:
geld@schweizamsonntag.ch.

Wer die Börsentipps aus dieser Kolumne umsetzt, tut dies auf eigenes Risiko. Die «Schweiz am Sonntag» übernimmt keine Verantwortung. Unser Experte hat sich verpflichtet, in keinem der besprochenen Titel aktiv zu sein.


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