VON BORIS FELDMANN

Die SNB mutierte in den vergangenen Tagen zur «Swiss European National Bank», denn im Kampf gegen eine übermässige Aufwertung des Frankens kaufte sie Milliarden von Euro auf. Doch die Marktkräfte waren stärker. Das zeigte sich mit aller Brutalität am Donnerstagnachmittag, als der Eurokurs abstürzte. Berechnungen Ihres Kolumnisten zeigen, dass die Schlappe der Nationalbank zu einer Bewertungskorrektur von bis zu 1,5 Milliarden Franken auf ihren Konten führen wird. Das ist eine teure Abwehrschlacht!

Als wir vor zwei Wochen an dieser Stelle die Prognose eines Dollar-Wechselkurses von 1.0920 bei einem Stand von 1.0650 verkündeten, hatten selbst ernannte Devisenexperten nur Spott übrig. Doch was geschah inzwischen? Der Kurs liegt inzwischen sogar bei über 1.112. Wer unseren Tipp befolgte, hat einen hübschen Gewinn eingefahren. Wir lehnen uns nun zurück und sagen: Maschinen halt! Verkaufen Sie Ihre Dollar-Positionen.

Während die Telefonlinien in allen europäischen Hauptstädten glühen, um den technischen K.o. der europäischen Leitwährung Euro zu verhindern, treten reiche griechische Staatsbürger als grosse Käufer auf dem Londoner Immobilienmarkt auf: 6% aller Transaktionen in der Preisklasse über drei Millionen Franken landen in den Händen der Hellenen! Diese Zahl stellt eine Verdoppelung gegenüber einem Jahr dar, wie mir ein Topimmobilienspezialist aus London versichert hat. Es geht also nicht allen Griechen schlecht.

Nachdem die chinesische Zentralbank den Mindestreservesatz für Banken auf 17% hochschraubte, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis es zu einer Aufwertung der chinesischen Leitwährung «Renminbi» kommen wird. Wenn man nicht total auf «va banque» spielen möchte, ist der Einsatz eines läppischen Betrages im Discount Put (Symbol: CNYAE) mit Fälligkeit 25. März 2011 ein interessantes wie auch spekulatives Engagement.

Der rasante Kurszerfall an den Aktienmärkten eröffnet ungeahnte Möglichkeiten, um einige Schmuckstücke zu Tiefstpreisen einzukaufen: Dabei empfehle ich Ihnen den 18. Mai 2010 dick in Ihrem Kalender anzustreichen. Kaufen Sie dann den BB Biotech, welcher einen aktuellen Bewertungsabschlag von satten 26% auf den inneren Wert hat. Weshalb dieses Datum? Am 17. Mai 2010 präsentiert Actelion die Studienresultate eines möglichen Nachfolgeproduktes des Kassenschlagers Tracleer am Kongress der American Thoracic Society. Rund 21% der Anlagegelder sind in die Aktien des einstigen Überfliegers an der Schweizer Börse investiert. Falls die Testresultate schlecht ausfallen, wird die Allschwiler Firma eine nette Kursspitzkehre machen.

Keine Freude an diesen Zeilen werden die PR-Abteilungen der Schweizer Grossbanken haben: Ich male nämlich ein recht düsteres Bild der US-Bankenlandschaft und dabei richtet sich mein Augenmerk auf eine Studie des «Congressional Panel Oversight». In den nächsten vier Jahre werden rund 1,5 Billionen Franken an Gewerbe-Immobilienhypotheken zur Zahlung fällig. Diese Immobilien sind momentan rund 35% unter Wasser. Obwohl dies niemand zugeben möchte, wird diese Tatsache nachhaltigen Auswirkungen auf das von der UBS freundlichst an die SNB überlassene Paket von Hypotheken made in America haben. Darüber hinaus stehen rund 450 Banken vor einem technischen K.o. Durch eine Neuklassifizierung der Kredite, bei der nicht mehr der Immobilienwert entscheidend, sondern nur eine pünktliche Kreditzahlung ausschlaggebend ist, konnte das Schlimmste bis anhin verhindert werden.

Eine fast aberwitzig hohe Dividende liefert die Bank Vontobel mit 4.92% ab. Trotzdem leuchtet bei uns die Kaufampel noch nicht auf Grün. 70% des Gewinns des Hauses Vontobel stammen aus dem Investmentbanking. Ein Kurs unter 25 Franken (aktuell rund 28 Franken) sollte zum Einstieg genutzt werden. Auch auf unserer Kaufliste ist Nobel Biocare, welche weiterhin unter einer nicht endend wollenden kursmässigen Wurzelbehandlung steht. Wir setzen unseren Kaufkurs nochmals hinunter auf 21 Franken.

Haben Sie Fragen? Unser Geldberater beantwortet sämtliche Leserfragen. Schreiben Sie Boris Feldmann an: geld@sonntagonline.ch.

Redaktioneller Hinweis: Die Kolumne gibt die Meinung des Experten wieder. Wer die Börsentipps aus dieser Kolumne umsetzt, tut dies auf eigenes Risiko. Der «Sonntag» übernimmt keine Verantwortung für allfällige Verluste. Unser Experte hat sich verpflichtet, in keinem der besprochenen Titel aktiv zu sein.


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