Gut habe ich den Exit-Knopf bei Richemont gedrückt. Der einstige SWX-Überflieger hat Platz im Fahrstuhl nach unten genommen. Auch ein chinesischer Millionär kann nicht an jedem Handgelenk zwei schmucke Schweizer Luxusuhren tragen – und damit schwächt sich der phänomenale Absatzerfolg in Asien langsam, aber sicher ab (neues Einstiegsniveau abwarten, fundamental zu teuer).

Kommen Sie von nun an zehn Minuten früher auf den Zürcher Flughafen: Der Navyboot-Shop auf dem Geschoss der Abflugebene bietet erlesene Qualitätsware mit einem Abschlag von bis zu 70% an. Dies ist ein Geheimtyp, bevor der Laden wirklich leergefegt wird. Aktuell sind Rabatte von rund 30% das höchste aller Gefühle im Konkurrenzumfeld in der wohl weltweit schönsten Flughafenladenpassage. Damit hat der Kloten-Flyers-Neo-Besitzer Philippe Gaydoul der Konkurrenz einen Bandencheck verpasst und die umliegenden Geschäfte frühzeitig in die Kabinen geschickt (Philippe G. lässt es nun auch im Flughafen krachen, must buy Navyboot).

Sorry für Josef Felder, Ex-Flughafenchef Zürich und VR-Mitglied von HTC: Seine teuerste Flugstunde aller Zeiten im sprichwörtlichen Sinne geht in die nächste Runde. Der taiwanesische Handygigant HTC fliegt schon fast ungespitzt in den Börsenboden. Das einst fast mehr als 30 Milliarden Franken Marktkapitalisierung aufweisende Top-Unternehmen verliert im Wochentakt heftig an Terrain. Der nächste Kurshalt liegt laut meinen Modellen bei tiefen 269 Taiwan-Dollar (aktuell: 294 TWD). Zudem werden zu wirklich überbezahlten Preisen stetig neue Put-Optionsscheine erworben, die zwangsläufig nochmals Druck auf die Aktie machen werden. Mein Fazit: Hände weg (erstmals negativ, bei weit über 1000 TWD).

Bitterbös war das E-Mail, das ich kurz vor dem Jahreswechsel 2011/12 erhielt, als ich mich kritisch über die Gewinnaussichten des Genfer Bankensoftwarehauses Temenos äusserte. Seit diesem Freitag, nach der Gewinnwarnung, habe ich für den Analysten, der mich mit diesem E-Mail beglückte, von der Bank mit einem rührseligen Schweizer Flugpionier als VR-Mitglied nur noch ein müdes Lächeln übrig. Aus folgendem Grund: –30,52% lautet die Performance von Temenos seit dem 1. 1. 2012. Das Papier bleibt ein No-Go für mich. Auf die Mea culpas des Analysten werde ich wohl ewig warten müssen.

Der Börsenschmerz für die Jünger von Nobel Biocare hat wohl eine neue Dimension erreicht: Das Kursziel von 9 Franken wurde locker nach unten durchbrochen. Kaufen Sie nicht zu – eine Gewinnrevision nach unten blüht. Jetzt ist der brillante Jurist und VR-Mitglied Rolf Watter mit innovativen Lösungsansätzen gefordert, um dem Kurszerfall Einhalt zu gebieten. Einst wurde das schmucke Papier zu mehr als 90 Franken feilgeboten (Hoffnung auf Professor Watter).

Weiterhin unter Druck steht Von Roll: Nun hat der Kursrutsch kurzfristig bei optisch tiefen 1.80 Franken haltgemacht. Warten Sie weiterhin ab – ich sehe noch nicht den Silberstreifen am Horizont, der für Aufhellung und Zufriedenheit in der aktuell geschundenen Aktionärsseele sorgen könnte (abwarten, wird nochmals billiger).

Kursziel von 80 Franken erreicht bei der Basler Panalpina. Unter normalen wirtschaftlichen Umständen ein klarer Kauf, doch unter der aktuellen Prämissen der Weltkonjunktur ein klares No-Go. Ich halte weiterhin sehr viel von Firmenchefin Monika Ribar Baumann, aber gegen Windmühlen kann die smarte Managerin auch nicht ankämpfen (Aussetzen der Kaufempfehlung, nächstes Kursziel nach unten: 75.85 Franken).

Bei der Liechtensteinischen Landesbank geht es weiterhin nicht rund: –53,35% über die letzten zwölf Monate. Doch ich kann mich immer noch nicht für eine Kaufempfehlung entschliessen. Fundamental billig, aber weiter unter dem Sperrfeuer der Amis – das kostet normalerweise eine rechte Stange Geld. Wichtig: Die Marktkapitalisierung fällt bald unter die 1-Milliarden-Franken-Grenze, und dann blasen die institutionellen Anleger zum Börsen-Halali (fundamental billig , aber weiterhin No-Go).

Sämtliche Leserfragen werden beantwortet. Schreiben Sie Geldberater François Bloch ein E-Mail an: geld@sonntagonline.ch.

Wer die Börsentipps aus dieser Kolumne umsetzt, tut dies auf eigenes Risiko. Der «Sonntag» übernimmt keine Verantwortung. Unser Experte hat sich verpflichtet, in keinem der besprochenen Titel aktiv zu sein.


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