Aus der Politik und Wirtschaft kennen Sie das Blocher-Prinzip. Noch lukrativer ist hingegen das Ebner-Prinzip an der Börse. Einmal mehr hat Martin Ebner im richtigen Moment zugekauft: Am 30. Juli 2015 hat die Patinex, das Beteiligungsvehikel von Ebner und seiner Gemahlin, zusätzliche Aktien des Genfer Bankensoftwarehauses Temenos gekauft. Während der Swiss Market Index seit diesem Zeitpunkt rund 6% an Wert verlor, stieg die ebnersche Beteiligung um 5,8% Prozent an.

Doch viel spannender ist für mich die «Doppeldeckerstrategie», die der erfolgreichste Schweizer Anleger des Jahres 2015 anwendet. Der Anfang ist herkömmlich und kann unter dem Aspekt sehr gute Analyse zusammengefasst werden. Im herkömmlichen Stil werden ausgewählte Papiere gekauft. Und nun kommt der ebnersche Turbo ins Spiel. Man ersteht sogenannte «deep into to the money warrants». Im Gegensatz zum Aktienkauf, wo man normalerweise den vollen Geldbetrag investiert, wird nur ein Teilbetrag fällig. Aktie X liegt bei 1000 Franken.

Jetzt kauft Martin Ebner einen Warrant mit Ausübungspreis 800 Franken. Der Vorteil dabei ist, dass er anstelle von 1000 Franken pro Aktie nur 200 Franken aufwirft, resultierend aus der Differenz zwischen den 1000 Franken und dem Ausübungspreis von 800 Franken. Dazu fügt man noch den Zeitwert des Warrants und eine Volatilitätsprämie zu, was einen Aufschlag von 50 Franken bedeutet. Summa summarum ist die Aktie 1050 Franken wert, aber der Geldbetrag ist nicht 1000 Franken, sondern 250 Franken pro Aktie.

Dann steigt die Aktie auf 1500 Franken an. Würde Ebner allein nur mit der Aktie hantieren, würde dies einen Gewinn von 50% aufs eingesetzte Kapital ausmachen. Der Warrant würde hingegen eine Rendite von 100% erreichen, da er nun aufgrund des inneren Wertes einen Wert von 500 Franken aufweist. Im Fall des Berner Pharmaunternehmens Galenica wurde dies perfekt umgesetzt mit der Kombination aus Aktien und Optionen. Und um den Bezug zur Realität zu schaffen: Galenica +54,49% innerhalb von zwölf Monaten. Börsengerüchte behaupten, dass der Valser Hotelkönig Remo Stoffel genau diese Strategie im Sog von Investmentguru Martin Ebner bei der Galenica vollzogen und zig Millionen abgeholt hat.

> 8,67% beträgt der Wochenverlust des aufstrebenden schweizerischen Telekom-Softwarehauses Myriad Group. Damit fällt die Aktie unter die Marktkapitalisierung von 500 Millionen Franken, was gleichzeitig den Sudden Death in unserer Berichterstattung (Mindestkapitalanforderungen) zur Folge hat. Ich hatte es gewagt, eine explizite Verkaufsempfehlung auszusprechen – anders als prominente Investoren, die noch immer auf steigende Kurse gesetzt haben.

> Nicht k. o., sondern mehr als o. k. ist der Zuger Spezialist für alternative Finanzanlagen, die Partners Group. Hier sind die Börsenampeln weiterhin auf Grün gestellt.

> Das gilt auch für die Vontobel Group, die nur einen Drittel der Marktkapitalisierung aufweist und sich im verstärkten Mass auf quantitative Finanzanlagen konzentriert: Kaufen Sie diese Papiere hinzu. Vontobel wird einer der ganz grossen Profiteure der Negativzinspolitik der Schweizer Nationalbank sein. Das Papier ist massiv unterbewertet. (Kaufen)

> Entgegen dem Markttrend wurden die Aktien der Burkhalter-Gruppe, dem Elektroinstallationsunternehmen, gezielt gekauft. Am Montag um 9.15 Uhr findet anlässlich einer Telefonkonferenz der Ausblick des Halbjahresergebnisses statt. Sorry, aber das Timing ist schlecht, mitten im Börsenhandel. Bitte vorverschieben, damit alle die gleichen Startvoraussetzungen haben. Und wenn die Zahlen besser sind als erwartet, dann weiss auch Hinz und Kunz, dass unsere Besserwisser wieder am Werk waren. In jedem Fall sind unsere Leser in diesem Titel längst schon legale Besserverdiener: +23,34% beträgt die bisherige Jahresbilanz 2015 – Chapeau! (Dauerkaufkandidat mit Performance-Starkstrom)

Unser Experte hat sich verpflichtet, in keinem der besprochenen Titel aktiv zu sein. Wer die Börsentipps aus dieser Kolumne umsetzt, tut dies auf eigenes Risiko. Die «Schweiz am Sonntag» übernimmt keine Verantwortung.
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