VON ALFRED P. HERBERT

«Die Krediter (Credit Suisse) sind uns um zwei Jahre vorausgesegelt», gesteht mir ein UBS-Direktor im privaten Gespräch. «Statt dass wir die Distanz verkürzen, ergeht es uns wie Alinghi: Wir sehen den Gegner nur von hinten, und er wird am Horizont immer kleiner.» Ein mürrischer und eher kleinlauter Steuermann Oswald Grübel erklärte denn auch an der Pressekonferenz, dass seine Sorgen noch keinesfalls ausgestanden sind: «Wir werden noch einige Zeit Kundengelder verlieren, und der Margenschwund plagt uns sehr.»

Es ist ein Teufelskreis: Dem Abfluss von Kundengeldern will man durch das Engagement neuer Kundenberater mit grossen Kundendepots entgegenwirken. Das verteuert die Kostenseite, schmälert aber gleichzeitig die Margen. Ein Konkurrent sieht es nüchtern: «Sie kaufen so zweitklassige Leute und zahlen erstklassige Entschädigungen. Statt Boni gibts höhere Einstiegslöhne, verdeckte Handgelder und andere Privilegien.» Die Neugelder werden so zu sauren Äpfeln auf der Hurde. Erst kürzlich hat mich ein Banker in Hongkong mit grosser chinesischer Kundschaft trocken gefragt: «Welcher ehrgeizige Banker will denn jetzt zur UBS?»

Die Zürcher Kantonalbank rechnet in einer ausführlichen UBS-Studie fürs Jahr 2010 bestenfalls mit einer Dividende von 15 Rappen pro Aktie. Auf heutiger Kursbasis entspräche dies einer Rendite von einem mickrigen Prozent. Aber auch für 2011 sieht die ZKB realistisch nur eine Dividende von 20 Rappen. Das gäbe dann in zwei Jahren eine Rendite von 1,5 Prozent. Gleichzeitig lässt sich heute schon auf der Credit-Suisse-Aktie eine dreifach höhere Direktrendite von 4,5 Prozent (2 Franken Dividende pro Aktie) erzielen. Tendenz steigend!

Es gibt Fonds, Pensionskassenreglemente und Vorgaben bei Institutionellen, die den SMI- und SPI-Index nachbilden. Sie sind gezwungen, jederzeit einen entsprechend gewichteten Anteil an Bankaktien zu halten. «Da muss ich – schon aus Alibigründen – einige UBSAktien ins Depot legen. Aber nunmehr ist auch für mich klar: Ich muss auf Credit Suisse und andere Schweizer Bankvaloren ausweichen», klagt mir ein Fondsmanager. Auf meine Nachfrage gesteht er, dass er begonnen hat, auch Privatbank-Aktien zu kaufen. Hier scheinen die Vontobel-Papiere klar an der Spitze zu liegen.

«Doch gibts noch mehr Verdriesslichkeiten!», lässt Wilhelm Busch grüssen. Kaum ist die grosse Finanzkrise abgeklungen (aber noch nicht gemeistert), droht bereits die nächste Katastrophenwelle. «Der Euro ist ganz klar angeknackst», meldet mir ein besorgter Finanzbeobachter aus Brüssel. Das Währungschaos droht auszuufern, auch wenn uns Politiker aller Couleurs versichern, dass es sich bei Griechenland nur um einen Ausrutscher handle.

Dabei tickt auch hier die Bombe für unsere Finanz- und Börsenplätze und unser gesamtes Wirtschaftsgefüge. Italien, Irland, Portugal und Spanien stehen schon notgedrungen ungeduldig in der Sanierungswarteschlange. «Das Schlimme bei der Lösungssuche: In Brüssel regieren Politiker und keine Finanzfachleute», spottet ein Wirtschaftsanalyst.

Ich befürchte, dass sich mit der griechischen Tragödie ein schwarzes Loch auftut. Nach den neusten Zahlen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) stehen die Griechen alleine bei Schweizer Banken mit beängstigenden 63 Milliarden Dollar in der Kreide. Aufgrund der neuen Bewertungskriterien drohen unseren Banken möglicherweise schon beim ersten Quartalsabschluss 2010 Rückstellungen und Abschreibungen von 10 bis 20 Prozent! Das wären dann 6 bis 12 Milliarden, die zusätzlich in einem ohnehin schon garstigen Umfeld verkraftet werden müssten.

Eines ist sicher: Das Währungschaos wird sich in den nächsten Monaten ausweiten. Für mich ist klar: Wankt der Euro, schwankt Europa! Die Welt flüchtet panikartig wieder in den Dollar.

Dabei sind dessen Probleme noch um einiges grösser, nur können damit die Amerikaner die Zündschnur nochmals verlängern. Auf unsere Kosten, wohlverstanden.

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