Keine Überraschung in Sachen Credit Suisse. «Noch ist der Börsentaucher nicht zu Ende: Ein Kursstand von 18 Franken ist diese Woche nicht mehr auszuschliessen (abwarten, verkaufen)», hiess es vor zwei Wochen an dieser Stelle. Aktueller Stand ist nun Fr. 17.70. Schon vor Monaten warnte ich wiederholt, dass die Gangart betreffend Kapitalaufstockung mit Stichdatum 2019 zu langsam vorangeht. Nun wurde der Schweizer Bankenplatz aus dem Dornröschenschlaf wachgeküsst, und der nächste Keulenschlag ist in Vorbereitung: Eine doppelte Herabstufung der UBS und CS durch die US-Ratingagentur Moodys ist nur noch eine Frage von Wochen.

Der grosse Glaubwürdigkeitstest für CS-Chef Brady Dougan steht noch an: das Resultat des zweiten Quartals seines Investmentbankings. Wird die im Quervergleich gigantische Ausschüttungsquote (Einnahmen/Ausgaben bis zu 97% in gewissen Abteilungen) seiner Starbanker weiterhin aufrechterhalten oder wird für einmal in Bescheidenheit gemacht? Jetzt ist der Verwaltungsrat gefordert, um den Lohnexzessen der Vergangenheit Paroli zu bieten. Eines ist klar: Die Credit Suisse muss schnellstmöglich wieder «ahead of the curve» (Ausspruch von Brady Dougan) und nicht wie aktuell «behind the curve» sein.

Good news: Diejenigen Anleger, die standhaft beim weltweit grössten Lachshersteller, der norwegischen Marine Harvest blieben, können eine bisherige Jahresrendite von umwerfenden +47% verbuchen. Jetzt gilt es, auf dem Bestand einen gedeckten Call mit Ausübungspreis bei 3.50 NOK auf die nächsten zwei Monate zu schreiben («Liebe geht durch den (Börsen-)Magen»).

Bad news: Die Orascom-Development-Aktie kommt nicht von Fleck: –7,7% in dieser Woche (wiederholt verkaufen).

Nicht für mich: Tolles Management und innovative Produkte sind das Markenzeichen des WC-Herstellers Geberit. Doch die Aktie wird nochmals tauchen, da fundamental überteuert (verkaufen).

Einen Schock erhielt ich, als die «Basler Zeitung» vor kurzem die nochmals gesteigerten Bezüge des Verwaltungsrates des südamerikanischen Holzverarbeiters Precious Woods mit Kotierung an der SWX publizierte. Sie kennen meine negative Haltung zu diesem Titel, das Verdikt der Börse ist folgerichtig: –40,7% seit Jahresanfang (weiterhin verkaufen).

Was kommt als Nächstes? Leid kann einem der Thurgauer Vorzeigeunternehmer Peter Spuhler tun, wenn man den aktuellen Aktienkurs der Maschinenfabrik Rieter betrachtet: Der Pfeil zeigt stetig nach unten, und ein klarer Aufwärtstrend ist nicht in Sicht. Die Kursuntergrenze von 125 Franken ist in akuter Gefahr (aktuell: 131 Franken).

Unter 20 Franken: Wer im Glauben ist, nur Grossbanken hätten ein nettes Mitarbeiterprogramm, kann sich täuschen. Angestellte der Bank Vontobel erhalten ab dem dritten Jahr ihrer Betriebszugehö-
rigkeit Anrecht, zu verbilligtem Kurs Aktien zu beziehen. Trotzdem würde ich zum jetzigen Zeitpunkt keine Aktie zum aktuellen Discountpreis von Fr. 19.25 erwerben. Der Bankgewinn ist zu stark vom volatilen Investmentbanking abhängig (weiterhin nicht kaufen).

Start your engines, please: Der Oerlikon-Höhenflug gerät langsam in Turbulenzen. Jetzt heisst es abwarten, bevor die Motoren nochmals auf höhere Touren gebracht werden. Meine Dauerempfehlung lautet: Verschreiben Sie Call auf sechsmonatiger Basis. Die nächsten guten Nachrichten sind erst Ende Jahr zu erwarten (halten, verschreiben).

Unter 50 Franken: Nun ist der Bauzulieferer Holcim ins Visier der Hedge Funds geraten, die den Titel unter die psychologisch wichtige Marke von 50 Franken gestossen haben. Jetzt wird der Titel wie eine amerikanische Büffelherde Richtung Abgrund getrieben. Eigentlich schade um eine solche Firma (wiederholt verkaufen).

Zeit, sich zu verabschieden: Der Parkettleger Forbo hat die Bodenhaftung an der Börse verloren: +22,98% seit dem 1.Januar 2012. Hier können Sie sich mit guten Gewissen verabschieden, ohne ein Insider zu sein (verkaufen).

Sämtliche Leserfragen werden beantwortet. Schreiben Sie Geldberater François Bloch ein E-Mail an: geld@sonntagonline.ch.

Wer die Börsentipps aus dieser Kolumne umsetzt, tut dies auf eigenes Risiko. «Der Sonntag» übernimmt keine Verantwortung. Unser Experte hat sich verpflichtet, in keinem der besprochenen Titel aktiv zu sein.


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