Von den Goliaths hochgejubelt», hiess es hier am 1. Juni 2014. Seither ist das Online-Reiseportal Bravofly Rumbo satte 50% in die Tiefe gerauscht. Und ein Ende ist für die (un-) freiwilligen Aktionäre nicht in Sicht. Trotz einem gelinde gesagt nicht berauschenden Ausblick rückt die UBS-Analystin Catriona O’Grady nicht von ihrer Kaufempfehlung ab. Nur ist sie vom einst utopischen Kursziel von 52 Franken abgewichen – heute liegt der Zielkurs auf 12 Monate bei 36 Franken, notabene bei einem aktuellen Marktpreis von 21.90 Franken.

Zunehmend interessanter wird die Rolle der UBS in dieser Angelegenheit, die auch als Emissionsbank tätig war und den vermeintlichen Wonneproppen für die Altaktionäre zu 48 Franken am 15. April 2014 erfolgreich an die Schweizer Börse brachte.

Gemäss Bloomberg-Angaben vom 1. August 2014 hat die UBS am 30. Mai 2014 (Filing date) nochmals zusätzliche 16 880 Aktien erworben, was 0,22% des ausgegebenen Aktienkapitals entspricht. Warum ist diese Zahl interessant? Weil im Swiss Performance Index (Ex-Swiss-Leaders-Index, also ohne die Schwergewichte Novartis, Roche und Konsorten) der Tessiner Tiefflieger ein Indexgewicht von nur 0,0907% ausmacht. Eine Übergewichtung mit dem Faktor 2,44!

Die UBS hat in diesem Spiel drei Hüte auf: a) Sie brachte Bravofly Rumbo an die Börse. b) Sie hat einen ausstehenden Kredit gegenüber Bravofly Rumbo c.) Und zu guter Letzt wurde der Bestand an Bravofly Rumbo nochmals erhöht. Die letzte Tranche steht mit –50% zu Buche! Eigentlich sollte die UBS von der Vergangenheit gewarnt sein: Im UBS-Wealth Management Private Clients London lagern mehrere Millionen von Aktien der afrikanischen Easyjet-Kopie Fastjet. Hier lautet die Erfolgsbilanz seit dem Jahreswechsel: –55,96% oder –84,59% über die letzten zwölf Monate.

Und wenn Sie glauben, der grösste Schweizer Bank-Aktionär sei die UBS, muss ich Sie enttäuschen – Nr. 1 ist die edle Genfer Privatbank Pictet über ihre Fonds mit 0,96% Anteil. Jetzt verstehen Sie meine Einleitung mit «(un-) freiwilligen» Aktionären! Und wie Sie mich kennen, mache ich auch nicht vor Milliardären in die Hose. Mein Kursziel nach unten bleibt standhaft bei 20 Franken.

> Fast «Atemlos» wie Helene Fischer (Deutschlands Musikstar Nr. 1) in den Charts sind die Aktien meines Börsenlieblings Austriamicrosytems in die Höhe gerauscht und haben das Kursziel vom 162 Franken vom 1. Juni 2014 durchbrochen. Wichtig für meine Leser: Seit der Kursempfehlung (strong buy) hat ein Split in der Höhe von 5:1 stattgefunden. Also, aktueller Kurs 32.60 × 5 = 163 Franken. Fazit: 12-Monats-Performance +152,59%. Eine Börsen-Musik, noch harmonischer als die letzte Helene-Fischer-CD. (Verkaufen)

> Volltreffer beim Betonmischer Holcim: Auf weiter Flur stand ich allein, als ich den Hosenlupf wagte und ein Kursziel nach unten von 73.25 Franken am 19. Juli 2014 im Hinblick auf die Quartalszahlen herausgab. Siehe da, wir stehen nun bei 72.90 Franken, und diejenigen Leser, welche auf dieses von vielen nicht für möglich gehaltene Ereignis gesetzt haben, können nun den Jackpot direkt abholen. (Volltreffer mit Verkaufsempfehlung)

> Kennen Sie den Bankmanager 2014? Ich verrate es Ihnen schon heute vor dem Jahresende. Es ist der Bündner Bankentorero Pierin Vincenz, seines Zeichens Chef der Raiffeisen-Gruppe. Der Beteiligungsverkauf, sprich die Scheidung von der Bank Vontobel, spült ihm einen Gewinn von 40 Millionen Franken in die Kasse. Zusätzlich ist das Paket, das er bei Leonteq erworben hat, im Wert um 251 Millionen Franken angestiegen. Macht summa summarum 291 Millionen Franken. Wenn nun der Bündner Torero das Gaspedal im Eigenhandel zurücknimmt und bei der Kreditvergabe im Hypogeschäft restriktiver wird, kann ihm auch der grösste Neider nicht mehr ans Bein pinkeln.

> Weiterhin auf Sinkflug eingestellt ist der Autopilot in Sachen Grossbank-Aktien wie UBS und Credit Suisse. Der charmante Erbauer der neuen UBS, Sergio «Fabuloso» Ermotti, muss notgedrungen die Personalaxt schwingen: 60 087 Angestellte (30. 6. 2014) sind bei der vorliegenden Cost-Income-Ratio zu viel. Jetzt reicht es nicht mehr zu witzeln mit der Reuters-Journalistin, ob die Schätzungen des «Schweiz am Sonntag»-Kolumnisten nun beim Personalabbau bei 5300 oder 5400 liegen. Speziell seit Asien erstmals ganz starke Zahlen beim Net New Money aufweist, wird der Leidensdruck in der Schweiz immer stärker. (Verkaufen UBS und Credit Suisse zum x-ten Mal)

Unser Experte hat sich verpflichtet, in keinem der besprochenen Titel aktiv zu sein. Wer die Börsentipps aus dieser Kolumne umsetzt, tut dies auf eigenes Risiko. Die «Schweiz am Sonntag» übernimmt keine Verantwortung.

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