Hinter den Kulissen hat Thomas Jordan, Chef der Schweizerischen Nationalbank (SNB), einen grossen Sieg an der Währungsfront erzielt: Knapp zweistellige Milliardenbeträge (Ausübungswert) mittels stark gehebelten Währungsoptionen wurden auf den Fall der ominösen 1.20 Euro/Franken am letzten Wochenende verwettet. Die Ankündigung einer möglichen Einführung von Negativzinsen wurde als erfolgreiche Drohgebärde verwendet, um die internationalen Hedgefonds in die Flucht zu schlagen.

Fakt ist, das vor kurzem gerüchteweise Gespräche in einem Kanton stattgefunden haben, an dessen Flaniermeile auch Palmen zu sehen sind. Dabei wurden Szenarien eruiert und Kosten für das Schweizer Bankwesen debattiert, welche die heimische Zunft treffen würde. Erste Mutmassungen aus dem Ausland liegen bei 325 bis 400 Millionen Franken pro Jahr bei der Einführung von Negativzinsen. Noch ist alles pure Spekulation, doch schon vor mehr als drei Jahren, kurz vor der Anhebung der Mindestgrenze des Kurses Euro/Franken, haben sich per Zufall ausgewählte Währungsfonds aus dem Spiel verabschiedet. Ob dieses Mal die Quellenlage auch so gut ist wie vor drei Jahren?

> Würde die Schweizer Nationalbank heute Kassenschluss fürs Jahr 2014 machen, würden Sie überrascht sein. Einst schüttelte die halbe Investmentwelt den Kopf, als die SNB sich lang laufende Bonds aus Frankreich und Deutschland anlachte. Heute ist «Silenzio Stampa» (Pressesperre). Warum wohl? Der Wagemut von Thomas Jordan wird mit allen Buchgewinnen seit Beginn der Operation einen zweistelligen Milliardengewinn in die Kasse der SNB bringen. Warum gibt es keine positive Story über den SNB-Chef? Das kann ich Ihnen unter vier Augen erklären!

> In Top-Form ist der AMG-Substanzwert Schweiz A (Valor: 1959753), der in diesem Jahr mit einem Zugewinn von +21,7% den Swiss Market Index (SMI) um mehr als das Dreifache übertrumpfen konnte. Sie werden sich fragen, wie dies möglich sei: durch die verstärkte Konzentration auf Titel, die auch in unserer Gunst hoch stehen und damit als Performance-Booster gelten, wie etwa IVF Hartmann oder Cosmo Pharmaceuticals. Sicher ist die Konzentration auf einige Spitzenwerte für den herkömmlichen Fondsanleger riskanter, doch wie heisst es so schön? Der Zweck heiligt die Mittel. (Kaufen)

> Vor einem Jahr hiess es bei der Konkurrenz lapidar: Mit Aktien der Zürich- Versicherung lässt sich kein Geld verdienen. Und wie immer gibt es die Antwort auf dem Platz: +27,90% innerhalb Jahresfrist. Von nun an müssen Sie kleinere Brötchen backen: +9,2% inklusive Dividenden sehe ich für die kommenden zwölf Monate voraus. Die gegenwärtigen 6% Dividendenrendite sind in Gefahr in diesem Tiefzinsumfeld. 5,9% für 2015 bei aktuell 6,05% wäre eine echte Sensation. Den Investoren, die mit einem grösseren Geldbeutel, sprich mit 100 000 Franken oder mehr, in Zürich-Versicherungs-Papieren investiert sind, empfehle ich das Verschreiben von gedeckten Calls. Dadurch sollte die Rendite einen Boost von zusätzlichen 2,4% erhalten.

> Der Tiefflug der Berner Regionalbank Valiant geht in die nächste Runde. Schon zur Wochenmitte konnte die psychologisch wichtige Marke von 80 Franken nicht gehalten werden. Am 31. März 2010 erreichte der Titel den stolzen Wert von 205.50 Franken. Jetzt, wo die Berner Kantonalbank als Platzhirsch nochmals die Schlagzahl erhöht hatte, wurde der Konkurrenzkampf zusätzlich angeheizt. Trotz der satten Dividendenrendite von 4,08% ist der Titel ein No-go. (Zum wiederholten Mal: Hände weg)

> Mit grosser Sorge beobachte ich den Börsengang von Rocket Internet, der am 9. Oktober 2014 stattfinden soll. Der hochgerechnete Wert beträgt fast 9 Milliarden Franken. Das Firmengestrüpp, bestehend aus einer Vielzahl von Kleinfirmen, die meist in den roten Zahlen stecken, entspricht nicht meinem Gusto. Wie man weiss, ist auch die Credit Suisse mit von der Partie. Meiner Meinung nach gilt hier die Devise, «ab durch die Mitte». Alibaba, das chinesische Internet-Verkaufsportal, das mit einem Katapultstart an die Börse ging (+32% in den ersten Handelsstunden), ist schon wieder im Rückwärtsgang. Hier konnte man die China-Story den Anlegern noch schmackhaft machen. Europa ist im Falle von Rocket Internet wirklich weit weniger sexy. (Sorry, Credit Suisse)

Unser Experte hat sich verpflichtet, in keinem der besprochenen Titel aktiv zu sein. Wer die Börsentipps aus dieser Kolumne umsetzt, tut dies auf eigenes Risiko. Die «Schweiz am Sonntag» übernimmt keine Verantwortung.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper