Kurz vor der Zielgeraden beim rund 10,2 Milliarden Franken schweren Steuer-Abgeltungsdeal mit unserem nördlichen Nachbarn hat die deutsche Kavallerie das Tempo nochmals verschärft: Nicht nur der Anlagestand Ende 2010 wird zum Stichtag, sondern auch jener der Vergangenheit, wobei der Bemessungszeitraum noch nicht definiert ist. Damit fallen auch diejenigen Kundengelder an, die schon vorher Richtung Singapur oder zurück nach Deutschland transferiert wurden.

Noch wehrt sich die Schweizer Verhandlungsdelegation, doch dieser neuste Keulenschlag könnte für die Schweizer Banken zu einer zusätzlich sehr kostspieligen Angelegenheit werden. Dabei stellt sich die monetäre Frage, wie die Schweizer Banken Regress auf diese Kundengruppe nehmen können, nachdem diese schon ausser Landes sind? Wie aus topinformierten Kreisen weiter zu erfahren ist, beträgt der Richtsatz 21,5%.

Daher gilt für den «Sonntag»-Leser: No go für Julius Bär und die Vontobel Bank, obwohl ich Bären-Boss Boris Collardi als sehr smart ansehe (Angaben: sehr gut informiert Kreise).

«Verdienen Sie mit am Eurocrash», hiess es am 26. Juni 2011 – und das spekulative Wave-Zertifikat (DE000DE3VRP2) hat seinen Zweck mehr als erfüllt: plus 28% für den «Sonntag»-Leser innert dreier Wochen. Das Produkt hat notabene seit der Emission Ende November 2010 rund 573% hinzugewonnen. Am Freitagmorgen hat nun die Schweizer Nationalbank auf dem Währungsverlust-o-meter die 15-Milliarden-Franken-Mauer durchbrochen.

Voll aufgegangen ist die Währungsspekulation auf den US-Dollar: Der Währungs-Tsunami ist schneller eingetroffen als gedacht: 0.8150 lautet der Stand des Schweizer Frankens gegenüber dem US-Dollar. Bleiben Sie dran – die schier unmögliche scheinende Marke von 0.80 ist in Reichweite gerückt. Trifft dies ein, wird das Eigenkapital der SNB unter die 10%-Marke fallen!

Richtiggehend versenkt wurden auch diese Woche meine beiden Topkandidaten für die No-go-Liste aus der Westschweiz: Logitech –6,42% und Kudelski –11,21%. Gerade bei Logitech gilt es den 27. Juli 2011 abzuwarten, anderseits sorgen in der Zwischenzeit die amerikanischen Grossanleger weiterhin für Sperrfeuer und verkaufen paketweise ihre Aktienbestände.

Wir verzichten gerne auf eine weitere Karikatur betreffend Lifewatch, um nicht der PR/IR-Firma des in Steinhausen am Rheinfall ansässigen Unternehmens zu einem zusätzlichen Auftrag zu verhelfen. Fakt ist das Resultat der diesjährigen Börsenwoche: –5,08%. Seit ein US-Grossaktionär ein schönes Paket auf den Markt geworfen hat, fällt der kleinkapitalisierte Wert weiter (no go).

Das beachtenswerte Mea culpa der Bank am Bellevue diese Woche verdient meine Hochachtung. Trotzdem wird weiterhin auf diese Aktie eingedroschen: –10,28%. Trotz einem Kursverlust von 47,37% seit dem 1.1.2011 wird der Sinkflug weitergehen. Für mich ist das Wertpapier weiterhin fundamental überteuert, und ein Kursstand von 15 Franken würde mich nicht überraschen (aktuell: 17 Franken, weiterhin no go).

Steigen Sie weiterhin aus bei Precious Woods: –7,87% in dieser Woche. Das Konzept stimmt, doch leider laufen die Kosten aus dem Ruder und eine Erholungstendenz ist nicht in Sicht (no go).

Negativ gestimmt bin ich auf Panalpina, obwohl Firmenchefin Monika Ribar Baumann mehr als überzeugt. Die erstarkte Konkurrenz sorgt für gedrückte Margen, und stark fallende Frachtmargen im transatlantischen Schiffsverkehr werden den Aktienkurs erstmals seit langem unter die 100-Franken-Marke drücken (Kursziel unter 90 Franken).

In eigener Sache: Mit Freude hatte ich diese Woche das E-Mail von Leser OW erhalten: «In den letzten Wochen wurden mir drei BRC (Barrier Reverse Convertible) voll zurückbezahlt, die Sie letztes Jahr im ‹Sonntag› empfohlen haben. Besten Dank. In letzter Zeit haben sie keine solchen Produkte empfohlen. Ich denke, die Konditionen sind zu wenig gut.» Recht haben Sie: Noch haben meine quantitativen Modelle keine neuen «must buys» in diesem Anlagesektor gefunden.

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Sämtliche Leserfragen werden beantwortet. Schreiben Sie Geldberater Boris Feldmann ein E-Mail an:
geld@sonntagonline.ch.

Wer die Börsentipps aus dieser Kolumne umsetzt, tut dies auf eigenes Risiko.
Der «Sonntag» übernimmt keine Verantwortung. Unser Experte hat sich verpflichtet, in keinem der besprochenen Titel aktiv zu sein.


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