Nobel, Autoneum, Actelion, Panalpina – für alle gilt nur ein Motto: Verkaufen.
Generell: Hände weg von Börsenkäufen! Kommende Woche werden die Pensionskassen-Manager gezwungen sein, massive Positionen auf den Markt zu werfen, damit die Deckungsreserve nicht noch mehr in Mitleidenschaft gezogen wird.

Nicht einmal der neue Erfolgsmanager Richard Laube (Ex-Nestlé) konnte bei Nobel Biocare den Fall unter die wichtige Marke von 10 Franken verhindern. Die Börsenzeichen stehen weiterhin auf Verkauf. Die Aktie ist trotz eines Kurszerfalls von 44,78% seit dem 1. Januar 2011 fundamental überteuert (weiterhin verkaufen).

Im Börsentiefdruckgebiet befindet sich ein weiterer Hoffnungsträger: der Autozulieferer Autoneum mit –38,12% über die letzten vier Wochen. Die tiefe Betriebsrendite und ein überaus kompetitives Umfeld sorgen für stetigen Abgabedruck bei einem eigentlich sehr innovativen Unternehmen mit guter Produktpalette (weiterhin verkaufen).

Erstmals ist die Orascom Development Holding unter die wichtige Marke einer Börsenkapitalisierung von 500 Millionen Franken gefallen. Trotz ermutigenden Zahlen der neu entwickelten Ferienressorts ausserhalb Ägyptens geht die Schlittenfahrt auch im Sommer nach unten weiter: –28,95% innert vier Wochen. Warten Sie bis im November 2011 mit einem Engagement ab – bis die nächsten Ergebnisse einen Aufwärtstrend bestätigt haben (abwarten).

Endlos auf dem Sinkflug befindet sich das Baselbieter Biotech-Unternehmen Actelion seit dem Kampf auf Biegen und Brechen mit Grossaktionär Elliott Advisors. Die Bilanz der letzten vier Wochen: –25,49%. Ich bleibe weiterhin bei meiner Verkaufsempfehlung. Langsam, aber sicher muss der Hedge Fund kalte Füsse bekommen und seine sorgfältig aufgebauten Positionen in seinem sinkenden Markt abtreten (weiterhin verkaufen).

Nicht aus dem Abwärtsstrudel heraus kommt der Basler Transportgigant Panalpina Welttransport AG: –23.69% innert vier Wochen. Auch auf diesem gedrückten Kursniveau bleibt die Aktie fundamental überteuert (weiterhin verkaufen).

Die UBS-Aktie wird in der kommenden Woche erstmals die wichtige Marke von 10 Franken verteidigen müssen. Als Hemmschuh wirkt das Investmentbanking. Hier wird erstmals davon ausgegangen, dass im dritten Quartal ein Verlust erzielt wird – was nicht überraschen würde. Abwarten würde ich auch in Sachen Credit Suisse: Ein Fall unter die Marke von 20 Franken ist nicht mehr auszuschliessen (abwarten).

Angst und bange wird mir, wenn ich die neueste Zinsrendite auf zweijährige griechische Staatsanleihen sehe: 37% (!). Die Renditen sind explodiert. Ein Zahlungsausfall könnte verheerende Folgen haben – er würde einen Dominoeffekt auf Europas Wirtschaft nach sich ziehen. Als Gedankenstütze: Die Rendite der zehnjährigen Schweizer Bundesobligation beträgt aktuell 0,93%. Auch unsere Nationalbank ist stolze Besitzerin griechischer Anleihen, aber nur mit sehr kleiner Gewichtung .

Unerklärlich tief gefallen sind die Aktien von Forbo, die ich vor längerer Zeit empfohlen habe. Leider kann sich der innovative Bodenleger aus dem Tessin dem generellen Umfeld nicht entziehen: Ein Nachkaufen lohnt sich zu diesem Zeitpunkt nicht.

Was ist los mit Swiss Life? Der Buchwert von 226 Franken und ein aktueller Aktienkurs von unter 100 Franken? Eigentlich ein «must buy», doch irgendwie wird mir bei der ganzen Sache mulmig. Mit gedeckten Calloptionen kann der höhere Einkaufspreis abgetragen werden, doch diese Operation wird längere Zeit dauern, bis sie den Einkaufspreis erreicht haben.

Leser OW schrieb: «Mit Ihrer heutigen Beschreibung der ‹Verwundeten› treffen Sie nicht nur die einzelnen Titel, sondern auch die allgemeine Stimmung.» Auch ich würde gerne meine Berichterstattung mit «must buys» schmücken, doch im aktuellen Kontext sind solche Empfehlungen aus professionellen und ethischen Überlegungen nicht zu vertreten: Zu viele unbekannte Grössen tauchen auf, und ein echter Reformwille ist bei den Parlamentariern nicht zu erkennen. Mit einer Finanzmarktsteuer können die Budgetdefizite nicht gedeckt werden.

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Wer die Börsentipps aus dieser Kolumne umsetzt, tut dies auf eigenes Risiko. Der «Sonntag» übernimmt keine Verantwortung. Unser Experte hat sich verpflichtet, in keinem der besprochenen Titel aktiv zu sein.


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