VON BORIS FELDMANN

Laut Insidern befinden sich annähernd 36 Milliarden Franken Schwarzgeld griechischen Ursprungs auf Schweizer Bankkonten. Auf dieses Geld wird die griechische Regierung, die verzweifelt jeden Cent zusammenkratzt, zunehmend «heiss». Nie hätte sie das illegal in der Schweiz liegende Geld beziehungsweise dessen Steuerertrag, besser gebrauchen können als jetzt. Wann kommt der Angriff aus Athen auf den Bankenplatz Schweiz? Wie Ihr Kolumnist zudem erfahren konnte, wird sich die Schweizerische Nationalbank am griechischen Rettungspaket mit bis zu 1 Milliarde Franken beteiligen. Leider kann ich mich nicht mit diesem Vorhaben anfreunden. Die Euro-Positionen der Nationalbank sind mir schon heute des Guten zu viel – die Stützungsaktionen zugunsten des Frankens hinterlassen ihre Spuren.

Die UBS nimmt wieder mehr Risiko und wagt sich in Bereiche des Investmentbankings, die ihr vor Jahren die epochalen Milliardenverluste beschert haben. Sie stellt in New York Händler für exotische Aktienderivate an – und die Bank sucht eine Hundertschaft, die kreditfinanzierte Übernahmen tätigen soll. Wechsel lohnen sich auch innerhalb der Bank: Direktoren, die ins Investmentbanking wechseln, werden mit einem Grundgehalt von satten 300000 Franken gelockt. Noch nicht sicher ist, ob die UBS auch im Geschäft mit dem physischen Metallhandel ein Comeback feiern wird.

Seit kurzem gibt es in Pfäffikon SZ ein zweites Casino. Es hat werktags von 9.00 bis 17.30 Uhr offen. Die Rede ist vom Zocker-Titel OC Oerlikon (Nebenwert), dessen Firmensitz an den oberen Zürichsee verlegt wurde. Auf eine gedeckte Calloption mit Ausübungspreis von 50 Franken kann auf den Juniverfall eine Optionsvolatilität von satten 140% eingeheimst werden – ein neuer Schweizer Rekord (Durchschnitt der SMI-Titel: 25%). Für Oerlikon-Optimisten bietet die Basler Kantonalbank ein Capped-Outperformance-Zertifikat (CH0000816824) an: Hier werden im besten Fall aus 30% Kursgewinn rund 60% Rendite erzielt. (Finger weg!)

Wieder einmal brilliert die Struki-Abteilung der Clariden Leu mit einem Produkt der «Extraklasse»: 10% Coupon mit einer abgrundtiefen Barriere von 50%. Mit Credit Suisse, Swiss Re, UBS und Swatch (Va-lor: 11245018) sollte nichts anbrennen. Da kann man nur sagen: must buy.

«Die Hoffnung stirbt zuletzt», unter diesem Motto muss die Regentschaft von Domenico Scala als CEO von Nobel Biocare betrachtet werden. Nun wird der Dentalhersteller an der Börse brutal abgestraft und die Bewertungsprämie von 33% gegenüber den SMI-Titeln schmilzt wie der Schnee auf dem Titlis in der prallen Frühlingssonne. Trotzdem glauben wir an einen Turnaround: Greifen Sie bei einem Kaufpreis von unter 23 Franken zu (aktuell: 23.86).

Zum Geschäft des Jahres entwickelt sich für verschiedene Investmentbanken die Causa Transocean, unterstützt mit einem publizistischen Begleitkonzert, das nur freundlichste Töne über diesen Börsenkoloss mit neuem Hauptsitz in der Schweiz übrig hat. In weiser Voraussicht haben wir uns an dieser Stelle nicht vor diesen Karren spannen lassen. Auf die angebliche Superaktie wurden strukturierte Produkte mit Barrieren von 80% konstruiert. Doch der Knock-out kam schneller, als das Produkt überhaupt aufgelegt wurde. Nun haben die Kunden die Bescherung: Ein Minus von 20% fuhr ein, wer am ersten Handelstag zugelangt hat. Unser Tipp: Abwarten, die Aktien werden nochmals billiger.

Zu einem Sprung nach oben haben die Absicherungsprämien auf die Anleihen der EFG Eurobank Ergasias S.A. innert Monatsfrist angesetzt: Die so genannte CDS-Prämie stieg um satte 339 Punkte an (Stand: 29. April 2010). Zum Vergleich: Venezuelas Prämie auf 5 Jahre beträgt 887 Punkte, diejenige von EFG Eurobank Ergasias SA satte 808 Punkte.

Lateinamerika-Fans aufgepasst: Bis zum 4. Mai 2010 lohnt es sich, Kurs auf die Website der Lufthansa (www.lufthansa.de) zu nehmen. Mittelamerika und Südamerikaflüge sind zurzeit bis zu 50% herabgesetzt! Einziger Nachteil: Der Hinflug muss zwischen 10. Januar 2011 und 28. Februar 2011 stattfinden. Frankfurt–Caracas hin und zurück gibts beispielsweise für 572 Franken. Ein Flug im Mai dieses Jahres kostet für die gleiche Destination mit der Lufthansa aktuell satte 1062 Franken.

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Redaktioneller Hinweis: Die Kolumne gibt die Meinung des Experten wieder. Wer die Börsentipps aus dieser Kolumne umsetzt, tut dies auf eigenes Risiko. Der «Sonntag» übernimmt keine Verantwortung für allfällige Verluste. Unser Experte hat sich verpflichtet, in keinem der besprochenen Titel aktiv zu sein.