Eine grosse Schweizer Bank möchte der Finanzierung von Wohneigentum in Schweizer Franken für deutsche Werktätige einen Riegel schieben: Der Höhenflug des Frankens sorgt für eine massive Unterdeckung der Hypothekenfinanzierung. Nun fordert die grosse Bank von den Kunden schnellstmöglich eine Nachdeckung, denn sonst wird aus dem deutschen Eigenheimtraum mit vermeintlich billiger Zinsfinanzierung ein wahrlicher kostspieliger Albtraum. Wild am Rechnen sind auch die Banker in Österreich: Bis zu 65% der Fremdwährungshypotheken sind in Schweizer Franken. Hier sprechen wir von einer Summe, die mehr als 50 Milliarden Franken beträgt.

Das aggressive Kursziel von 1.2082 Euro/Schweizer Franken vom 29. Mai 2011 wurde am 10. Juni 2011 mit 1.2052 (Angabe: www.cash.ch) unterschritten. Nun können Sie mit einem dicken Gewinn das Feld räumen. Die griechische Schuldenspartakiade geht in die nächste Runde. Aber solange der teuerste Goalie der Schweizer Super League, Franco Costanzo (Lohnsumme: zirka 1,423 Millionen Franken für die Saison 2010/2011), einen Dreijahresvertrag in Griechenland erhält, ist es ja nicht so schlecht um Hellas bestellt. Ich würde weiterhin den Euro abstossen: Bei verschiedensten Banken werden momentan Krisenszenarien durchgespielt, die den Euro-Schweizer-Franken- Kurs bei 1.15 sehen.

Schon in der ersten Runde wurden jene Zocker im Börsenring angezählt, die mit spekulativen Instrumenten auf die Auferstehung von Logitech gesetzt haben: –7,98% ist die Wochenbilanz (Short-Put-Strategie). Der Westschweizer Mäuseproduzent ist unter die wichtige Marke von 10 Franken gefallen, und die institutionellen Investoren entledigen sich auch auf diesem gedrückten Kursniveau im grossen Stil ihrer Anteile (Status: no go).

Weiterhin im Börsensturzflug befindet sich die Orascom Development Holding: –8,72% allein in dieser Woche. Nun ist das Wertpapier erstmals unter die wichtige Marke von 30 Franken gefallen, eine Erholungstendenz ist nicht in Sicht. Zu stark lastet die politische Situation in Nahost auf dem Kurswert (Status: no go).

Lange fühlte ich mich als einziger Mahner in der Wüste betreffend Meyer Burger: Das kostspielige Ringen um den deutschen Solarhersteller Roth&Rau sorgt für gedrückte Kurse beim Thuner Solarkönig. Im Vergleich zur chinesischen Konkurrenz ist die Aktie fundamental überteuert und sollte abgestossen werden. Damit bitte ich meine Leser, die das Papier bei 36 Franken gekauft haben, dieses zu verkaufen (Status: verkaufen).

Weiter unter einer Börsenverstimmung leiden die Aktien des Bordverpflegungskönigs Gategroup: –25,71% seit dem Jahresanfang. Nicht einmal eine schon fast explizite Kaufempfehlung der UBS kann die Aktie der ehemaligen Swissair-Tochter vor dem Börsenluftloch retten. UBS-VR Rainer Marc Frey hat fast auf dem Kurshöchststand seine Anteile abgestossen und seinen Spitznamen Goldhändchen eindrücklich unter Beweis gestellt (Status: weiterhin no go).

Der Boris-Collardi-Börsenexpress ist auf den Prellbock aufgefahren: –21,28% seit dem 1.1.2011. Der smarte Banker und Chef der Bank Julius Bär kämpft mit teuren Anlageberatern und sinkenden Margen. Die erfolgreiche Expansion im Heimmarkt Schweiz wird von der Konkurrenz mit Argusaugen beobachtet. Sieger ist der umkämpfte Kunde, der einen sensationellen Service geniesst (Status: no go).

Der Automobilzulieferer Autoneum fährt schon fast im Wochentakt nach unten: –5,03%. Grosse institutionelle Anleger sind weiterhin aktiv am Verkaufen. Allein auf weiter Flur befindet sich hingegen der Ami-Broker Goldman Sachs: Kursziel 241 Franken (aktuell: Fr.90.90; Kaufkurs neu: 81 Franken anstelle von 89 Franken).

In eigener Sache: «Erst kürzlich ist meine eigene Ausdauer belohnt worden. Denn Ihr damals kritisierter zu hoher Discount wurde offenbar reduziert» (Leser-E-Mail vom 6.Juni2011 um 14.06 Uhr). Eine Rendite von +45,89% innert eines Jahres auf die Beteiligungsfirma Private Equity ist das Spitzenresultat. Damit sollte die Polemik um meine Empfehlung abgeschlossen sein. Nun können Sie, lieber Leser ES, das Papier abstossen, obwohl der Discount immer noch recht hoch ist (Verkauf mit grossem Gewinn).

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Sämtliche Leserfragen werden beantwortet. Schreiben Sie Geldberater Boris Feldmann ein E-Mail an:
geld@sonntagonline.ch.

Wer die Börsentipps aus dieser Kolumne umsetzt, tut dies auf eigenes Risiko. Der «Sonntag» übernimmt keine Verantwortung. Unser Experte hat sich verpflichtet, in keinem der besprochenen Titel aktiv zu sein.


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