VON BORIS FELDMANN

Die Bergfahrt der Rieter-Aktie ist gestoppt worden – so wie die pannenanfällige Sesselbahn im Schweizer Pavillon an der Weltausstellung in Schanghai. Und die Probleme von Rieter, dem Industriekonzern mit Hauptsitz in Winterthur, liegen zu einem schönen Teil ebenfalls in China. Denn das Riesenreich vermeldet sinkende Produktionszahlen der einheimischen Automobilproduktion im Juni und Juli. Meine Verkaufsempfehlung auf Rieter bei 330 Franken war berechtigt – inzwischen liegt der Titel bei 300 Franken. (Wiederholter Verkauf)

Weiterhin auf Tauchstation befindet sich HBM Bioventures, die Beteiligungsfirma des ehemaligen genialen Finanzchefs der Roche, Henri B. Meier. Um den weiteren Verfall des Börsenwertes abzudämpfen, kauft die Firma Aktien auf der zweiten Handelslinie zurück. Doch das löst die Probleme nicht. (Erstmaliger Verkauf)

Doch auch im jetzigen Umfeld gibt es interessante Produkte. Das Bonus-Zertifikat (WKN:TB8R45) der HSBC-Gruppe auf die französische Grossbank Credit Agricole verspricht Wohlgenuss, sofern die Aktie nicht bis zum 16. Juli 2011 um mehr als 40.94% taucht. Dann ist eine Rendite von 16.87% in Euro fällig, sonst ist ein netter Verlust angesagt. (Kauf)

Auf dem Devisenmarkt herrscht weiterhin Nervosität an allen Fronten. Nationalbank-Chef Philipp Hildebrand verfügt über die «Platin-Membership-Karte»: Er diskutiert dieses Wochenende auf gleicher Augenhöhe mit den Finanzministern der weltweiten Supermächte am Kaminfeuer in Jackson Hole. Gäbe es doch nur die üblichen «Reisespesen»! Der Stapel von Dollarnoten im Besitz der Nationalbank, welcher im sprichwörtlichen Sinn die Höhe der Freiheitsstatue in New York überragt, führt zu einem vorderhand einstelligen Milliardenverlust. Bleibt abzuwarten, was die mächtigen Herren am Kaminfeuer beschliessen, um den Sinkflug der angeschlagenen US-Währung zu stoppen.

Apropos Politik: Immer mehr wird nun klar, dass den Grossbanken in der Schweiz nur sehr bescheidene Einschränkungen bevorstehen. Das «Too big to fail»-Problem wird ganz im Sinn von UBS und CS gelöst werden. Hilfreich ist in diesem Zusammenhang zweifellos auch der gute Draht, den der Solothurner CVP-Nationalrat Pirmin Bischof zu Wirtschaftsministerin und Bundespräsidentin Doris Leuthard pflegt...

Zurück zur Börse. Nicht überzeugend bleibt für mich Von Roll: Mit geschickter Zahlenakrobatik wird der Anlegerschaft ein zu positives Bild vermittelt und der wirtschaftliche Abschwung kommt im falschen Moment für das Management um den ehemaligen OC-Oerlikon-Chef Thomas Limberger. (Verkauf)

Momentan sind es amerikanische Hedge Funds, welche die beiden Technologie-Innovatoren Synthes und Sonova (ex Phonak) ins Fadenkreuz nehmen. Insbesondere Sonova bei unter 118 Franken (Aktuell: 128 Franken) ist ein Schmuckstück.

Voll auf einem Höhenflug befindet sich Forbo und erscheint mit einem Jahresgewinn von fast 60% auf den vordersten Plätzen der Schweizer Börsenhitparade. Mit einem P/E von sehr tiefen 8,85 ist die Partystimmung noch nicht ausgereizt, trotzdem muss mit strengen Limiten nach unten gearbeitet werden. (Kauf mit Limiten)

Neue Jahrestiefststände testet Orascom Development Holding, trotz einer moderaten Bewertung ist die Kursgrenze von 50 Franken in Sicht. Mit dem Aufschwung der Tourismuseinnahmen im ersten Quartal 2010 in Ägypten von 24% ist wieder Zuversicht zurückgekehrt, nachdem der Tourismus infolge der weltweiten Finanzkrise im Jahre 2009 einen argen Dämpfer erhielt. (Kauf erst nach der Ergebniskonferenz vom 17. November 2010).

Eine Topposition beim Bankengiganten Royal Bank of Scotland hat der Schweizer Beat von Gunten ergattert: Chef der weltweiten Verkaufsmannschaften im Bereich Aktien und Aktienderivate. Rund 600 Leute hören auf sein Kommando und ehemalige Mitstreiter sind begeistert von seinem Job, welchen er vor kurzem angetreten hat.

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Wer die Börsentipps aus dieser Kolumne umsetzt, tut dies auf eigenes Risiko. Der «Sonntag» übernimmt keine Verantwortung. Unser Experte hat sich verpflichtet, in keinem der besprochenen Titel aktiv zu sein.


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