Die schlagzeilenträchtige Dollar-Währungstransaktion von Kashya Hildebrand, Ehegattin von Nationalbankchef Philipp Hildebrand, im Hauptberuf Galeristin und temporäre Devisenhändlerin mit ausgesprochenem Marktinstinkt, ist geradezu niedlich gegenüber folgenden Fakten.

Nicht nur das dreiköpfige Direktorium der Schweizer Nationalbank, sondern eine wohl dutzendstarke Equipe der SNB (Interview Hildebrand mit «NZZ am Sonntag» vom 6. November 2011) war damit beauftragt, schon einige Wochen (laut Insidern vier Wochen) vor dem 6. September 2011 (Kursfestlegung 1.20) mit Massnahmen und Vorschlägen beschäftigt, den Mindestkurs des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro zu erhöhen. Was folgerichtig den US-Dollar gleichzeitig explodieren liess.

Diese Bemerkung ist insofern von grosser Bedeutung, weil sie einen MiniFuture (Valor: 11407950) der UBS, der am 23. August 2011, also rund zwei Wochen vor der Intervention, herausgegeben wurde, als sehr verdächtig erscheinen lässt. Diese Art von Produkten wird aufgrund der Hebelkraft nur in denjenigen Fällen gekauft, wo der Käufer sich absolut sicher ist, dass ein Kursereignis nach seinem Gusto eintrifft. Weshalb diese so dezidierte Meinung?

Der von der UBS herausgegebene Minifuture auf den USD/CHF-Wechselkurs hat einen Hebel von 11.50, was ein absolutes Höchstrisiko darstellt. Am Ausgabetag war das Kursverhältnis des USD/Schweizer Franken bei 0.7880 – und ein Kursabfall auf 0.7236 hätte den Totalverlust des Produktes bedeutet. Der Käufer dieses Produkts machte keinen Wank, also keine Verkaufsanstrengungen, obwohl es ursprünglich bei 0.68 Franken am 23. August 2011 emittiert und schon am 29. August 2011 bei 1Franken kotiert wurde. Der famose Trader hätte hochgerechnet einen annualisierten Gewinn von über 2823% erzielt. (Angaben: www.swissquote.com – nachvollziehbar durch Eingabe der Valorennummer). Die Zeit verstrich und der aggressive Spekulant erwartete den 6. September 2011, weil das UBS-Konstrukt eine endlose Laufzeit aufweist, ausser die Barriere von 0.7236 (Totalverlust) wird durchbrochen.

Um den 16. Dezember 2011 kam es gemäss der Website von Swissquote zu einer ersten Verkaufstransaktion um den Kursstand von 2.23 Franken. Damit erzielt der Verkäufer und mögliche Erstzeichner des Produktes aufgrund eines möglichen Informationssprunges eine Anlagerendite von 227,94% innert weniger als vier Monaten. Dagegen sieht der Kursgewinn der Ad-interim-Deviseninvestorin Kashya Hildebrand von 14% innert zwei Monaten richtig schwach aus.

Zwei weitere gleich gelagerte Produkte erblickten am gleichen Tag das Licht der Börsenwelt: Valor 11407951 und Valor 11407952. Schon am 29. 7. 2011, also vor der Einsetzung der SNB-Arbeitsgruppe, rollte Valor 11407591 an die Börse. Eines ist klar: Der Käufer war sich des Totalverlust-Risikos bewusst und hat nicht beim ersten Gewinnsprung verkauft, der schon damals gigantisch war, und musste von seiner Sache total überzeugt sein.

Die UBS hat dieses Produkt meiner Meinung nach auf Kundenwunsch hergestellt, denn ein normaler Privatbanking-Kunde kauft kein Knock-out-Produkt mit Risikoklasse 5 – ausser, er hat nett ausgedrückt einen Informationsvorsprung. Ich kann mir sogar sehr gut vorstellen, dass die UBS die Optionskomponente extern eingekauft hat, da mit den neuen Eigenkapitalerfordernissen solche Produkte in der Gestaltung sehr teuer werden.

Schlusspunkt: Wenn drei gleich gelagerte Produkte am selben Tag, dem 23. August 2011, über die UBS herausgegeben wurden, dann muss man, ohne die UBS in die Verantwortung zu ziehen, salopp sagen: Es stinkt zum Himmel. Sicherlich haben auch andere Banken zum gleichen Zeitpunkt gleich gelagerte Produkte erstellt.

Und damit ist der Kreis der schamlosen Profiteure der historischen Kursuntergrenze weit grösser, als wir uns nur denken können. Damit nimmt der Skandal eine historische Dimension an. Wir reden nicht von möglichen 75 000 Franken Gewinn der Familie Hildebrand, sondern von potenziell
einigen Milliarden Franken.

Sämtliche Leserfragen werden beantwortet. Schreiben Sie Geldberater Boris Feldmann ein E-Mail an: geld@sonntagonline.ch.

Wer die Börsentipps aus dieser Kolumne umsetzt, tut dies auf eigenes Risiko. «Der Sonntag» übernimmt keine Verantwortung. Unser Experte hat sich verpflichtet, in keinem der besprochenen Titel aktiv zu sein.


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