VON ALFRED P. HERBERT

1992 lancierte der US-amerikanische Gross-Spekulant mit ungarischen Wurzeln George Soros den Coup seines Lebens. Als einsamer Wolf zwang er die britische Regierung in die Knie. Er verkaufte das britische Pfund leer. Über Nacht bombardierte er den Stützungswall der Engländer mit Milliarden von Pfund. Die Bank of England kapitulierte, die britische Regierung streckte die Beine. George Soros verdiente mit diesem Geniestreich über eine Milliarde Dollar (das sind coole eintausend Millionen). Und das legal und erst noch grösstenteils steuerfrei. Seither ist die Börse nur noch sein Hobby, das er für sich und seine Freunde beackert.

So viel Börsengeschichte von gestern. Nun ist George Soros wieder in den Dschungel der Währungen eingetaucht; diesmal soll mit noch grösserer Kelle angerührt werden. Diese Woche traf sich in einem Konferenzzimmer eines Hedge Funds an der Wall Street die Crème de la Crème der «Hedgers». Diskret und verschwiegen wie immer.

Mit dabei und eine der treibenden Kräfte: George Soros. Der alte Fuchs hatte das Terrain gut vorbereitet. Zuerst teilte er – wohl als Alibi für spätere Taten – der Öffentlichkeit verklausuliert mit, was er beabsichtige. Seine Aussage in einer viel beachteten Rede unter Bankern am letzten Wochenende liess keine Zweifel offen: «Der Euro kann auseinanderfallen» (O-Ton: «The Euro may fall apart»). Nicht schwächeln, sondern zerbröckeln.

Wie immer in solchen Fällen stiess er vorerst auf viel Unverständnis. Was ihn nicht hindert, seine Ideen mit seinen Gesellen in die Tat umzusetzen. Schon seit dem 4. Dezember hatten Profis gemeldet, dass der Euro von verschiedenen Seiten unter Dauerbeschuss sei. Da notierte der Euro gegen den Dollar zu 1.51. Heute ist er schon auf 1.36 abgesackt.

Am letztwöchigen Treffen haben die Grossen der Hedge Funds beschlossen, «den Euro nunmehr energisch in die Hand zu nehmen». In den verschiedenen Szenarien, die aufgezeigt wurden, erzeugt der «Worst Case» Angst und Grauen in mir. «Der Euro könnte – im Gefolge von der durch Griechenland ausgelösten Währungskrise und dem zu erwartenden Kaskadeneffekt – bis gegen Parität absacken.» Im Börsendeutsch heisst das: Der Euro könnte noch auf einen Dollar sinken.

Hedge-Fund-Manager sind die ausgepufftesten Spekulanten. Hedgen heisst absichern. Sie gehen keine Position ein, ohne eine Gegenposition aufzubauen. Dazwischen pressen sie ihren Gewinn heraus. Da sie jeweils das X-Fache ihres Kapitals einsetzen, können sie mit wenig Geld viel bewegen.

Bei Währungsspekulationen ist meistens eine zweite Währung die Gegenseite. Beim Euro kann das der Dollar sein. Doch dessen Probleme sind nicht minder gross. Die chinesische Währung wäre ideal, nur lässt Peking niemanden an die «Spielwiese» ran. Einladend wirkt der Schweizer Franken. Aber erstens ist er als Währung zu klein, und zweitens verteidigt ihn die Nationalbank bis auf die Zähne.

Unter diesen erschwerten Bedingungen haben die Schlitzohren-Hedgies eine Teillösung gefunden: Sie benützen den Franken indirekt. Die Schweizer Börse offenbart das Vorgehen der smarten Amis. Sie kaufen Schweizer Aktien zuhauf. «Made in Switzerland hat für uns einen sympathischen Klang», flüstert mir maliziös einer dieser Spekulanten ins Ohr.

Das deckt sich mit den Aussagen meiner Zürcher Händlerfreunde, die seit Wochen einen steten Strom von ausländischen Kaufaufträgen wachsenden Kalibers beobachten und auch ausführen. Und Analysten stellen befriedigt fest, dass ihre Analysen zu Schweizer Aktien im Ausland begehrter Lesestoff sind.

Bei der schieren Grösse der Käufe müssen die Hedge Funds sich zwangsmässig auf die liquiden Börsenwerte konzentrieren. Das sind die mit der grössten Börsenkapitalisierung. Wobei, so wird mir präzisiert, die Banken vorerst ausgeklammert werden. Nestlé, ABB, Pharma- und Versicherungswerte stechen klar hervor. Auch ich werde mich dieser Strategie anschliessen.

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