VON ALFRED P. HERBERT

Im Oktober hatte ich drei Wochen lang Korea, China und Hongkong durchpflügt. Die Erkenntnisse lasen Sie im Jahresausblick 2010 im «Sonntag». Die neu aufkeimende Dynamik veranlasste mich, nach meiner Rückkehr nur gerade Hemd und Hose zu wechseln und gleich nach Austral-Asien aufzubrechen. Neuseeland, die Insel Tasmanien und der australische Kontinent wollten – bereits zum x-ten Male – durchforstet werden.

Und wieder eine aufschlussreiche Reise! Sie zeigte klar, dass die asiatischen Wirtschaften mit denjenigen des übrigen Pazifikraums (Nord- und Südamerika, Australien) immer mehr verbunden und teilweise schon verzahnt sind. War früher Europa der Haupthandelspartner dieser Länder, so verschiebt sich dieses Gewicht immer mehr nach Asien.

Frappant die Geschwindigkeit, wie sich dieses Umpolen abwickelt. Eines ist für den aufmerksamen Beobachter evident: Die Chinesen sind da. Und sie graben sich überall ein mit der klaren Absicht, hier für Generationen zu bleiben und sich auszubreiten. In Neuseeland kaufen sie Fischereiunternehmen zuhauf auf, nisten sich in Grossfarmen ein (der Fleischkonsum der Chinesen hat sich in fünf Jahren verdreifacht) und lachen sich die ersten Weinberge an. Und schon knabbern sie an Touristikunternehmungen. Denn schliesslich wollen schon 100 Millionen Chinesen das weite Ausland erforschen, und da zahlt es sich aus, in der ganzen Tourismuskette mitzumischen.

Das eindrücklichste Beispiel chinesischen Wirtschaftsdenkens erlebte ich auf der Insel Tasmanien. Ein altes Minenbergwerk – nur noch Schrott für die Augen – stand zum Verkauf. Die früheren Besitzer hatten die Mine ausgebeutet, es jedoch unterlassen, Investitionen zu tätigen. «Der Schrott liess sich nicht mehr als Mine verkaufen», jammerte mir ein Bezirksbeamter vor. Die Chinesen kamen, kauften das ganze Bergwerk zum Erinnerungsfranken und versprachen, eine neue Anlage zu bauen. Die alte wird abgewrackt, «und der Schrott nach China verschifft». «Das gibt schon mal ordentliches Kapital», lässt mich ein Chinese augenzwinkernd wissen.

Abends lässt er sich die Zunge lockern: «Viele dieser alten Bergwerke haben Claims (Schürfrechte), die auf ewige Zeiten vergeben wurden. Manchmal aber auch nur auf einige Jahrzehnte. Es sind diese Minenrechte, die uns interessieren. Wir bauen eine neue Mine auf, bringen alles schlüsselfertig aus China mitsamt 300 Kulis, die sich hier abschuften.

Dazu versprechen wir den Einheimischen noch Arbeit.» Er vergisst nicht zu sagen: «Und wir werden schürfen auf Teufel komm raus!» Sagts und eilt zur nächsten Schrott-Minenversteigerung! In Westaustralien findet die nächste Minenschlacht statt. In Perth geben sich die internationalen Minen-Profis die Hand, das dortige Hyatt-Hotel ist ein entsprechend summender Bienenstock. Hier gehen die Chinesen behutsamer vor, denn es geht ja um die ganz grossen Brocken. Und die Australier sind empfindlich gegenüber der «gelben Gefahr». Also werdenwestliche Finanz- und Minenexperten vorgeschoben. Inzwischen sind auch die anonymen Holdings auf den Cayman-Inseln, den Bahamas, Bermudas und den Channel Islands geschaffen worden. Die Absicht ist klar und wird mir von Chinesen auch bestätigt: «Wir wollen uns Rohstoffe auf Jahrzehnte hinaus sichern.» Und dabei ist ihnen (fast) jedes Mittel recht.

Für mich ist die Erkenntnis klar: Minen- und Rohstoffwerte haben einen festen Platz in langfristigen Anlageportefeuilles. Für den Durchschnittsanleger ist es aber am besten, sich an einem gut gemanagten Minen- und Rohstoff-Fonds zu beteiligen. Denn direkt den Überblick zu halten, dürfte schwierig sein. Jede grössere Bank verfügt über einen solchen Fonds. Die Qualität des Managements entscheidet.

In den kommenden Wochen werde ich mich an dieser Stelle den Schweizer Börsen und ihren Unternehmen widmen und die allgemeine Börsenentwicklung kommentieren. Es stehen uns spannende Zeiten bevor, noch nie war so viel los und noch nie lauerten so viele Unbekannte auf die Anleger. Wir werden dabei sein!

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