> Halten Sie das Pulver trocken, geschätzte Geschäftsleitung der Cembra Money Bank (Börsensymbol: CMBN SW). Bitte ver(sch)wenden Sie das Überschusskapital in der Höhe von 80 Millionen Franken nicht für den Aufkauf von Kreditportfolios! Aufgerüttelt wurde ich durch die Schlagzeile am Freitagmorgen auf der Website der «Finanz und Wirtschaft»: Cembra-CEO: «Wir sprechen täglich über Akquisitionen.» Jetzt die Flucht nach vorne anzutreten, wäre in meinen Augen ein strategischer Fehler, der das beeindruckende Erfolgsmodell der Cembra Money Bank infrage stellen würde. Bislang wuchs das Unternehmen aus eigener Kraft und entwickelte sich zu einem Börsenboliden par excellence: +36,2% innerhalb eines Jahres inklusive Dividendenausschüttung. Sorry, geschätzte Geschäftsleitung, unter dem Motto «small is beautiful» käme es hier nicht zu einer Verkaufsempfehlung, denn das Kapitalpolster war einer der Gründe meiner damaligen Kaufempfehlung, nebst der fundamental tiefen Bewertung. Dabei spekulierte ich auch auf die Ausschüttung einer Sonderdividende. (Anlageempfehlung: Verkaufen, small is beautiful)

> Angst und bange wird mir nun bei den Kursausschlägen beim Winterthurer Automobilzulieferer Autoneum (Börsensymbol: AUTN SW): +37,85% seit dem 1. 1. 2016. Bislang zeichnete sich die Nebenwertperle durch ein stabiles Aktionariat aus, das dem Unternehmen über Jahre die Stange hielt und einen grossen finanziellen Reibach erzielte. Doch nun ist die Meute der Hedgefonds mit im Rennen, die mit kurzfristigen Positionsveränderungen Katz und Maus mit dem Titel spielt. Eigentlich schade, aber ich würde mich an Ihrer Stelle kurzfristig verabschieden und mit einem dicken Kapitalgewinn den Reigen aus der Ferne betrachten. (Anlageempfehlung: Time to say good bye)

> Nun gibt es eine letzte Warnung für Molecular Partners (Börsensymbol: MOLN SW): –32,29% seit dem 1. 1. 2016, denn die Marktkapitalisierung ist unter 500 Millionen Franken gefallen. Mit Pauken und Trompeten wurde für dieses IPO an der Schweizer Börse Stimmung gemacht. Doch gibt es eine entscheidende Fragestellung, falls Sie an einem IPO an der Schweizer Börse mitmachen wollen: Erzielt die Firma schon heute Gewinn oder erst in paar Jahren, wenn die kühnsten Planspiele in die Realität umgesetzt werden? Ein Beispiel, dass es auch anders geht: die VAT Group (Börsensymbol: VACN SW). Hier kam es zu einer Win-win-Situation für alle. (Anlageempfehlung: Last exit für Molecular Partners)

> Nehmen Sie die Gewinne mit beim Geflügelzüchter Tyson Foods (Börsensymbol: TSN US). Nach der vertieften Analyse von mehr als 80 Seiten Dokumente beginne ich erste Zweifel zu hegen, ob dieses Erfolgsmodell auch in den kommenden Jahren Bestand hat. Dabei spielt eine neue Konkurrenzsituation mit, ebenso das Ansinnen der Geschäftsleitung, nochmals eine Akquisition in der Höhe von bis zu 8 Milliarden US-Dollar zu stemmen. Die 12-Monats-Performance liegt bei +68,75%, rund sechsmal so hoch wie der S&P 500 Index im gleichen Zeitraum. Seit dem Jahresanfang liegt dieser Faktor sogar bei 8. Haben Sie Verständnis, dass ich jetzt auf die Bremse stehe und den Sieg auskoste. (Anlageempfehlung: Time to say good bye)

> Ausserhalb meiner eigentlichen Berichterstattung möchte ich auf die Glarner Kantonalbank hinweisen, die mit ihrer Digitalstrategie Riesenerfolg hat: +19,22% seit dem 1. 1. 2016 lautet das Resultat an der Börse. Auch diese Bank sollte aufpassen, dass sie nicht zu stark mit ihrer Kreditvergabe expandiert. Der Ausflug über die engen Bergtäler mag ja nett sein, aber ausreizen würde ich das nicht, denn sonst kommt der Hammer und würde die wirklich beeindruckende Erfolgsgeschichte zum Erliegen bringen. Hochachtung vor der Glarner Kantonalbank. (Keine Anlageempfehlung wegen zu tiefer Marktkapitalisierung)

> Eine generelle Warnung: Gehen Sie nicht zu aggressiv in die Märkte hinein, sprich in Call-Warrants und ungedeckte Call-Optionen. Die Börse kann sich nicht immer auf die Zentralbanken verlassen, die noch mehr Geld in die Märkte hineinpumpen – siehe etwa die SNB.

Unser Experte hat sich verpflichtet, in keinem der besprochenen Titel aktiv zu sein. Wer die Börsentipps aus dieser Kolumne umsetzt, tut dies auf eigenes Risiko. Die «Schweiz am Sonntag» übernimmt keine Verantwortung.
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