Ihr Geld-Kolumnist ist ein ganz böser Junge! Ich wagte den Hosenlupf mit der versammelten Analysten-Weltelite in Sachen Bravofly Rumbo, dem Internet-Reiseportal, das Mitte April 2014 an die Schweizer Börse ging. Alle jubelten die Aktie hoch, doch es kam, wie an dieser Stelle vorhergesagt. Unsere Prognose von 20 Franken wurde am Freitag mit 19.40 Franken (Schlusskurs) sogar unterboten.

Das vom Bankenquartett Credit Suisse, Mediobanca, Morgan Stanley und UBS an die Börse gebrachte Tessiner Unternehmen hat seit dem Börsengang vor vier Monaten satte 59,6% verloren. Der Kursverfall war enorm nach dem Ablauf der einmonatigen Boxenphase, wo die Gesellschaft mit vermeintlichen «Stützungskäufen» (alles ganz legal) den Kursverlauf «with a little help of my friend» in die richtige Richtung zu biegen versucht hat. Und auch das Pushen von Mitarbeiteraktien zur Kursstützung half nichts.

Wenn Sie nun glauben, ich fände das Reise-Portal schlecht, so irren Sie sich. Es hat ganz gute Preise! Wir haben einen Feldtest gemacht. Zürich–Rhodos (21. August 2014/28. August 2014) – Kosten mit Bravofly Rumbo: 322.465 Franken, Direktbuchung über Edelweiss Air: 409 Franken.

Zur Aktien-Beurteilung von Bravofly Rumbo habe ich verschiedenste Korrespondenzen geführt. Etwa mit Leuten aus den Investor-Relations (sehr professionell), aus dem Verwaltungsrat (meinte, man könne nach dem Kurssturz eine Aufholjagd starten wie Facebook mit +200%) und mit der Analystin der UBS. Nachdem die Credit Suisse die Preisschätzung am vergangenen Mittwoch um fast die Hälfte heruntergenommen hatte, fragte ich bei der zuständigen UBS-Analystin nach: «Are you still maintaining your buy rating?» Am 7. August kam folgende Antwort: «Yes, we continue to have a buy rating on bravofly.» Die UBS empfiehlt die Aktie also weiterhin zum Kauf – ihr Kursziel: 36 Franken auf 12 Monate. Der nächste Zahlenkranz kommt am 16. September 2014. Die Analysten sollten an das Rhodos-Beispiel denken: Die Firma kann kein Geld verdienen, wenn sie in diesem Masse die Flugpreise «subventioniert».

Wenn ich schon nicht zur Bravofly-Aktie raten kann, so doch ein Tipp für unsere Leser, die Sensations-Flugpreise erhalten wollen: Gehen Sie auf die Metasuchmaschine www.skyscanner.ch, unter 12 Anbietern ist Bravofly meistens der billigste. Dies unter dem Motto: Gut für die Ferienhungrigen, schlecht für die Anleger.

> Morgen wird das Quartalsergebnis des Warenvermittlers DKSH publiziert, dessen Aktien seit März 2012 an der Schweizer Börse gehandelt werden. Zeit, um Revue passieren zu lassen. Der Kursverlauf über die letzten zwölf Monate ist trotz aller Versuche des Zurechtbiegens im Hintergrund nicht gerade überwältigend: –19,57%. Speziell zu berücksichtigen ist das Informationsbild der sogenannten Insidertransaktionen über die letzten 365 Tage: nur Verkäufe, wobei derjenige von 644 000 Anteilen durch einen Teilnehmer am 20. März 2014 ins Auge sticht.

Unsere Warnung vor spekulativen Warrants auf steigende Kurse erwies sich als richtig. Bei den Optionen ist es ruhig geworden: Der indizierte Optionskurs auf den August-Termin 2014 mit Ausübungspreis (Call) 64 Franken hat sich vom Donnerstag auf den Freitag laut Bloomberg fast halbiert. Da kennen wir aus der Vergangenheit ganz andere Kursverläufe kurz vor der Bekanntgabe der Zahlen, die wir in der Schublade «Börsenwunder» ablegen.

Unser Experte hat sich verpflichtet, in keinem der besprochenen Titel aktiv zu sein. Wer die Börsentipps aus dieser Kolumne umsetzt, tut dies auf eigenes Risiko. Die «Schweiz am Sonntag» übernimmt keine Verantwortung.

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