Lautlos hat der Baselbieter Biotech-Gigant Actelion die neuralgische Kursgrenze von 30 Franken durchbrochen. Wie gut kann ich mich an die vielzähligen Zuschriften der Leserschaft erinnern, dass die Aktie locker 70 Franken wert sei. Sie können getrost an der Seitenlinie abwarten. Kursziel: 26 Franken auf Zusehen hin. Ein Nachfolger für den Umsatzspitzenreiter Traceler ist noch nicht an die Startbahn gerollt, doch bis ins Jahre 2015 muss es so weit sein, sonst wir die Aktie Richtung 20 Franken abtauchen.

Der Leidensdruck für die Aktionäre an der Schweizer Börse hat sich auch in dieser Woche nochmals akzentuiert: Unsere Hände-weg-Kandidaten haben neue Tiefststände getestet. Bald kann ich auch dem liebenswürdigen Professor das Startzeichen geben, Aktien zu posten – im Hinblick für einen langfristigen Vermögensaufbau. Eines ist sicher: Das Warten hat sich insofern gelohnt.

Dennoch gibt es Produkte, die überzeugen. So etwa der Multi Convertible (Valor: 13636302) ABB, Swatch und «Zürich», der rund 12% auf ein Jahr abwirft – und dies mit einer supertiefen Barriere von 49%. Matchentscheidender Vorteil: Die Fixierung der Aktien findet am 4. Oktober 2011 statt, also nachdem im Deutschen Bundestag das nächste Griechenland-Hilfspaket verabschiedet wird. Wichtig: Reverse Convertible haben nur eine bedingte Kapitalgarantie. Unterschreitet eine der Aktie die Barriere von 49% innerhalb des Jahres, erlischt die bedingte Kapitalgarantie (kaufen).

Ganze Arbeit haben die Hedge Funds in Sachen Nobel Biocare geleistet: Die Kursmarke von 8 Franken nach unten ist durchbrochen. Und der Dental-Implantate-Hersteller bleibt fundamental überteuert. Der Kurswechsel an der Spitze hat den Kurssturz von über 54% seit Jahresanfang nicht aufhalten können. Halten Sie sich bereit: Kurz vor den Quartalszahlen im November 2011 könnte mit einer gedeckten Optionsstrategie rassig Geld verdient werden (weiterhin verkaufen).

Der diese Woche publik gewordene Fall Liechtensteinische Landesbank, der ein Kreditportfolio betrifft, ist nur die Spitze des Eisberges: Mit sinkenden Börsenmärkten werden Lombardgeschäfte, die es Kunden ermöglichen, auf den bestehenden Wertschriftenbestand zusätzlich Aktien zu erwerben, zu einem Bumerang. Die Kreditabteilungen der Banken werden am Montag nochmals viele Margin Calls (Einfordern von Nachschusspflichten oder sonstige Zwangsexekution von Positionen) auslösen. Das wird wehtun. Eines ist sicher: Die Kreditpolitik der Banken wird nochmals verschärft, und nach dem Fall UBS werden in den Handelsabteilungen die Risikopositionen nochmals zurückgestuft.

Weiterhin im Sinkflug befindet sich unser Dauerkandidat auf der Must-sell- Liste: Logitech. Schon im Januar 2011 war ich sehr negativ auf den Mäuseproduzenten eingestimmt. Hier wird auf einen Befreiungsschlag gewartet, doch aufgepasst: Die Konkurrenz sorgt weiterhin für sinkende Betriebsmargen.

Nun hat die von mir prognostizierte Börsenfinsternis beim Thuner Solarproduzenten Meyer Burger eingesetzt: –12,9% in dieser Woche. Eigentlich schade, doch die weltweite Schuldenkrise verhindert in immer mehr Ländern die staatlich finanzierte Förderung von Solaranlagen (verkaufen. Kursziel: 21 Franken).

Zum besten Börsenbarometer entwickelt sich die fundamental unterbewertete Swisslife. Solange der Lebensversicherer vom Mythenquai nicht mit mehr als 100 Franken pro Aktie bewertet ist, sieht es zappenduster für die Börsen aus. Auch hier: Hände weg.

Schneller als angenommen hat die Börsenabwärtsspirale Straumann erfasst: –8,13%. Fundamental bleibt die Aktie überteuert. Wenigstens hat der erstarkte Euro für ein leichtes Aufschnaufen in der Finanzabteilung gesorgt (weiterhin verkaufen. Kursziel: 125 Franken).

Nun wächst der Druck auf die in der Schweiz ansässigen Banken, die MIFID-Reglementierung durch die Hintertür umzusetzen: Damit wird der Kunde erstmals in der Lage sein zu ersehen, welche Gestehungskosten hinter der eigentlichen Transaktion (Produkte und Fonds) stecken. Dies ist ein weiterer Schritt zum gläsernen Bankkunden.


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Wer die Börsentipps aus dieser Kolumne umsetzt, tut dies auf eigenes Risiko. Der «Sonntag» übernimmt keine Verantwortung. Unser Experte hat sich verpflichtet, in keinem der besprochenen Titel aktiv zu sein.


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