Magdalena Martullo-Blocher, Chefin der Ems-Chemie: +9,9% in der Wochenhitparade! Keine Sorge, ich bin weder SVP-Mitglied noch Ems-Chemie-Aktionär, trotzdem verdient sie hier meine uneingeschränkte Bewunderung – und dies nicht erst seit heute. +295,53% für die Investoren über eine fünfjährige Periode ist wirklich stark. Erstmals bin ich nicht mehr so euphorisch wie einst im Sommer 2012, als ich aus Mauritius zu einer Lobeshymne ansetzte: Damals war der Titel unter 200 Franken (aktuell: 391.25 Franken). Erst für das Jahr 2016 sehe ich eine signifikante Gewinnsteigerung gegenüber 2014. Daher empfehle ich Ihnen vorderhand die Angsthasenstrategie mit einem gedeckten Call, Basis 420 Franken auf den April-2015-Termin.

> Einsam an der Front stand ich im Kampf gegen die weltweiten Investment-Titanen in Sachen ABB. Höhepunkt der Börsenschlacht war eine unmissverständliche Verkaufsempfehlung einer weltumspannenden Investmentbank – einen Tag vor der Bekanntgabe des Jahresergebnisses. Und Sie kennen den Sieger, meine Leser: + 6,83% innerhalb von Wochenfrist. Jetzt heisst es nur noch durchzuhalten und den Gewinn mit der Angsthasenstrategie einzukassieren. (Geniessen)

> Happy bin ich für diejenigen meiner Leser, die sich Sorge um ihr Investment bei Great Wall Motors (2333 HK) machten: +41,69% innerhalb Jahresfrist, und das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht. Der chinesische Automobilkonzern vermeldet ein Umsatzwachstum auf Jahresbasis von sage und schreibe 26,5%. Nächster Fixpunkt ist der 23. März 2015 – die Bekanntgabe des Jahresergebnisses 2014. (Halten)

> Kurz nach unten gedrückt wurden die Aktien der Austriamicrosystems am Tag der Bekanntgabe des Rekordjahres 2014. Ein schaler Nachgeschmack bleibt, denn schon einmal kam es zu äusserst merkwürdigen Kursbewegungen im Vorfeld der Bekanntgabe der Jahreszahlen. Zufall oder nicht: «Erfinder» dieser offensichtlichen besserwisserischen Kursmanipulation war eine weltumspannende Investmentbank. Und wie in 99,9% aller Fälle hat sich auch über dieses Dossier eine dicke Staubschicht gelegt. Für meine Austriamicrosystems-Jünger hat sich die Sache mehr als gelohnt: +328,45% über die letzten drei Jahre. Das Motto in diesem Fall, frei nach Medienpionier Roger Schawinski: «Who cares about Kurs(manipulation)?»

> Cosmo Pharmaceuticals ist in alter Frische zurück: +7,97% nach einem viel versprechenden «R&D Day». Offen gesagt, der italienische Börsenhengst hatte bis vor kurzem leichte Verdauungsprobleme, weil auch von meiner Seite die Erwartungen ein bisschen zu hoch gesteckt waren. Dies ist auch mehr als verständlich, nachdem der Titel im Galopp innerhalb von fünf Jahren um 652% zugelegt hatte. Die Verdauungsprobleme hängen mit einer Biotech-Aktie in den USA zusammen. In diesem Milliardengame spielt auch «You & US» eine tragende Rolle. Um die Katze aus dem Sack zu lassen: Die mutige Kaufempfehlung von «You & US» sorgte innerhalb Monatsfrist für milliardenschwere Bewertungsgewinne!

> Motto Fleisch am Knochen. Jetzt hat die Bundesanwaltschaft den Mut bewiesen, die Angelegenheit Holcim/Lafarge näher zu verfolgen und konkrete Anhaltspunkte eines unsittlichen Verhaltens zu finden («NZZ am Sonntag», 1. Februar 2015). Vor mehr als zehn Monaten wurden in der «Schweiz am Sonntag» verdächtige Transaktionen erörtert. Wenn nun Aktientransaktionen untersucht werden, ist dies ein richtiger Schritt, doch der grosse Reibach wurde auf Optionsscheinen gemacht, die kurz vor dem Ereignis gekauft wurden. Die damals wertlosen Produkte wurden im grossen Stil gekauft und verzehnfachten ihren Wert über Nacht. Hier wurde meines Wissens nicht gestochert: Es handelt sich um Transaktionen, die nur ausgekochte Finanzprofis durchführen können. Denn es braucht profundes Investmentwissen, um den Jackpot als Besserwisser ohne Risiko abzuholen. (Finanzverbrecher dürfen nicht geschützt werden)

Unser Experte hat sich verpflichtet, in keinem der besprochenen Titel aktiv zu sein. Wer die Börsentipps aus dieser Kolumne umsetzt, tut dies auf eigenes Risiko. Die «Schweiz am Sonntag» übernimmt keine Verantwortung.
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