Express rast unaufhaltsam weiter. Brüsk gebremst wurde hingegen der Dollar.
VON BORIS FELDMANN

Die goldenen Zeiten im Private Banking sind nun endgültig vorbei: Mit dem Fall der auf Sand gebauten Oase Dubai werden die ambitiösen Businesspläne der Heerscharen von mutierten Consultants zu Bankdirektoren reine Makulatur.
Auch im Inland wird seit neustem mit sehr harten Bandagen kämpft,oft jenseits rationaler wirtschaftlicher Logik.

Beispiel: Einem Kunden mit dreistelligem Millionenbetrag wurde ein Rundumpackage angeboten für alle Depot- und Transaktionsgebühren – für lumpige 20 Basispunkte, nur damit er die Bank nicht verlässt. Somit sind die schönen Folien der UBS mit Inhalten wie «Wir möchten eine Bruttomarge von 110 Basispunkten erzielen» reines Wunschdenken.

Ossi Grübels «Back to the future»-Bank muss laut Insidern weitere Abflüsse an Kundengelder gewärtigen. In der gegenwärtigen Börsenbaisse sollte die Anzahl der «Assets under Management» trotz zeitweilig starken Wertschriftenmärkten unter den Bestand des Jahresanfangs fallen. Damit wird auch in diesem Spartenbereich das Kässeli geringer ausfallen, als ursprünglich angenommen wurde.

Grösser als angenommen ist der Abfluss von Kundenberatern, welche die «Back to the future»-Bank verlassen haben. Jedenfalls möchte man für die besten Cracks im Anlagebereich mehr Bonus ausbezahlen, um sie weiter an Bord zu haben und mit goldenen Bonusfesseln anzubinden.

Die Aktien als Bonuskomponente entwickeln sich zum Bonusmalus. Auch die Anrechte des Singapore-Deals werden zu einer erneuten Verwässerung des UBS-Aktienkapitals beitragen. Jedenfalls bereiten verschiedene internationale Hedge Funds ein kleines Rodeo auf die UBS vor. Kursziel: Fr. 13.50 (Verkauf).

Die magische Barriere von einem Franken gegenüber dem Dollar wurde wie Butter geknackt. Und unsere Prophezeiung als einsamer Rufer in der Börsenwüste bestätigt. Die nächste Station in diesem Kasino wird die Marke von 97 Rappen für einen Dollar darstellen. Die Nationalbank versucht dies zu verhindern.

Hier stellt sich aber die Frage, ob es Sinn und Zweck der Nationalbank ist, sich als milliardenschwerer Retter des Greenbacks zu gebärden. Für die Leser des «Sonntags», die unserer Empfehlung gefolgt sind, brechen goldene Zeiten an. Und wir sagen im Stile von Anita Weyermann, «grin ache und dranne bliebe».

Die Niedrigzinspolitik der USA hält den Dollar in einem permanenten Tiefdruckgebiet. Das grosse Problem, das nun auf die Nationalbank zurollt, ist der Euro, der im permanenten Wettstreit mit dem Schweizer Franken steht – der die stärkste Währung ist. Unser Inline-Währungsoptionsschein der Sal Oppenheimer entwickelt sich prächtig.

Die visionären Goldprodukte der ZKB, die wir schon des Öftern empfohlen haben, entwickeln sich zum Goldesel par excellence. Nicht nur erhält die ZKB tonnenweise neues Gold, sondern auch die Kommissionseinnahmen sprudeln fröhlich und zwingen die Zürcher Kantonalbank, extern neue Lagerräumlichkeiten anzumieten. Im Schlepptau des Gold-Rushs wächst auch der physische Goldfund der Julius-Bär-Gruppe an.

Nun gilt es Abschied zu nehmen von den Valoren der Swiss-Re-Gruppe (Verkauf). Unsere kühnsten Kursträume (über 50 Fr.) werden sich nicht erfüllen, und wir nehmen liebend gerne den Gewinn mit.

Die strukturierten Produkte bleiben ein «no go», obwohl die neueste Serie aus dem Hause Goldman Sachs bessere Konditionen aufweist. Es muss aber eine Barriere von 60% oder tiefer vorhanden sein.

Hier noch eine Warnung: In der schlechten aktuellen Börsenverfassung werden verschiedenste strukturierte Produkte ihre Barriere touchieren und für eine zusätzliche Abwärtsspirale sorgen. Damit sind die rosigen Aussagen der Analysten mit SMI-Kursziel 7100 reine Makulatur. Zudem wird es zu keiner Jahresendrally kommen. Darum: Nehmen Sie Ihre Gewinne mit und warten Sie auf ein günstiges Einstiegsniveau.

Der Boris-Collardi-Express (Bank Bär) ist trotz aktueller Börsenbaisse nicht aufzuhalten. Und schon taucht ein neues Objekt der Begierde auf, welches optimal zu Collardi passen würde: die Privatbank-Aktivität der KBL in der Schweiz. Es läge finanziell in den Möglichkeiten der Kriegskasse und eine optimale Ergänzung zu den kürzlich einverleibten Aktivitäten der ING. Verkaufen Sie zwischenzeitlich Julius-Bär-Aktien – ein tieferes Einstiegsniveau kommt in Bälde.

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