Der luzernische Edelstahlkocher Schmolz+Bickenbach (Börsensymbol: STLN SW): gerät an der Schweizer Börse in den Abwärtsstrudel –33,33% seit Jahresbeginn, und seine Talfahrt ist noch lange nicht zu Ende. Der Titel ist auf diesem Kursniveau im internationalen Branchenvergleich weiterhin überbewertet. Die nächste Haltestelle liegt 10% Prozent tiefer als bei der aktuellen Börsennotierung von 77 Rappen.

Spannend ist der Volumensprung am Donnerstag dieser Berichtswoche: Im Vergleich zum Mittwoch erhöhte sich das Transaktionsvolumen um mehr als das Sechsfache, natürlich ohne dass eine börsenrelevante Meldung erfolgt wäre. Am Freitag um 6:25:06 Uhr morgens versandte die AWP (Wirtschaftsagentur) die Eilmeldung: «UBS senkt Kursziel auf 0.80 (0.95) CHF.»

Nun wird diese Woche nochmals ein Abschwung dazukommen: Die Optionshändler in den 57 ausstehenden Call Warrants (Analyse auf www.swissquote.com) werden zusätzliche Titel in grossem Stil auf den Markt werfen. Sie müssen massiv weniger Aktien hinterlegen, um ihren Verpflichtungen aus einer möglichen Ausübung ihrer Optionsscheine nachzukommen. Je tiefer der Titel fällt, desto kleiner ist die Chance, dass der Call-Warrant ausgeübt wird, da die Aktie unter dem Ausübungspreis liegt. (Hände weg, die nächste Kursmarke liegt bei 69 Rappen)

> Die deutsche Finanzmarktaufsicht BaFin hat am Donnerstag mit einem Paukenschlag die vermeintlichen Besserwisser aus ihrer Siegestrunkenheit gerüttelt. Objekt der Untersuchung: die in der Schweiz ansässige Syngenta. Ich muss Ihnen vorgängig ein Redaktionsgeheimnis verraten: Seit mehr als zwei Wochen diskutieren wir, ob ich es wagen sollte, die überaus verdächtigen Optionstransaktionen auf schweizerischem Terrain bekannt zu machen.

Nun, seit das Ausland in diese Wunde gestochen hat und aufgrund unserer moralischen Verpflichtung offenbaren wir das Wunder von Basel. Laut der «New York Times» vom 27. August 2015 wurde am 18. August 2015 ein revidiertes erhöhtes Angebot der Monsanto nach Basel geschickt. Dies im Hinblick auf eine Komplettübernahme des Basler Saatgutgiganten Syngenta. Anderen Quellen zufolge schon am 17. August 2015. Die Aktie stand am 17. August 2015 (immer Schlusskurs in der Betrachtung) bei 393.20 Franken. Die damals wertlosen Put-Optionen mit Ausübungspreis 350 Franken (Put: Verkaufsoptionen) auf den September-2015-Termin wurden wie wild gekauft. Am 20. August 2015 waren es 76 Kontrakte, am 21. August wurden schon 191 wertlose Kontrakte gekauft – und dann kam über das Wochenende die Erleuchtung: Es wurden 741 Kontrakte erstanden. Wobei hier der Aktienkurs eine Talfahrt angetreten hat und bei 357.60 Franken lag. Dies war auch eine Folge des Kurssturzes des Swiss Market Index. Und zum Abrunden wurden am 25. August nochmals gegen den Trend, weil die Aktie um mehr als 4% an diesem Tag angestiegen war, nochmals wertlose 105 Put-Kontrakte erstanden.

Nun kam es zum Börsenwunder: Am 26. August 2015 erfolgt die Meldung, der Syngenta-Verwaltungsrat habe das revidierte Monsanto-Angebot einstimmig abgelehnt. Und – logische Konsequenz – über Nacht stiegen die damals wertlosen Put-Optionen (null innerer Wert) um mehr als 800% Prozent an.

Wenn Sie jetzt meinen, es handle sich hier um einen Einzelfall, dann muss ich Sie Ihrer Illusionen berauben. Bei der 370er-Put-Option mit September- 2015-Ausübungstermin kommt es schon am 5. August 2015 zu merkwürdigen Transaktionen. Damals stand die Aktie bei 410.20 Franken, und die wertlose Option wurde mit 1200 Kontrakten gekauft. Doch richtigen Schwung gab es erst nochmals nach dem 19. August 2015 (!) in dieser Option. Die damals wertlose Option hatte man zu 6.32 Franken erworben – am 26. August 2015 war sie 61.24 Franken wert.

Ich könnte Ihnen weitere Beispiele beim 30-Milliarden-Franken-Koloss präsentieren. Fazit: Es handelt sich hier um gross angelegte Besserwisser-Transaktionen. Ein kleiner Typ: Auch in den USA wurden die besserwisserischen Put-Optionen gekauft.

Unser Experte hat sich verpflichtet, in keinem der besprochenen Titel aktiv zu sein. Wer die Börsentipps aus dieser Kolumne umsetzt, tut dies auf eigenes Risiko. Die «Schweiz am Sonntag» übernimmt keine Verantwortung.
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