Credit-Suisse-Chef Brady W. Dougan wurde einmal mehr unterschätzt. Seine Schlagkraft und seine Brillanz zeigen sich im Jahresergebnis 2014, das diese Woche bekannt gegeben wurde und alle positiv überrascht hat – fast alle. Schaut man sich nämlich an, welche Optionen in der Phase vor der Bekanntgabe der CS-Zahlen gehandelt wurden, wird klar: Es hat Besserwisser gegeben. Sind sie innerhalb der Credit Suisse zu vermuten? Wohl kaum, denn die dortigen Schutzmassnahmen sind extrem aufwändig ausgelegt. Es gibt eine «Zero tolerance»- Politik, was ich sehr gut finde.

Also, versuchen wir nachzuvollziehen, was geschah. Wir nehmen den Credit-Suisse-Call mit Ausübungspreis 21 Franken für den Februar 2015. Aufgrund der sehr kurzen Restlaufzeit verspricht sie den maximalen Gewinn, denn auf dieser Option gibt es das grösste Besserwisser-Potenzial. Wichtig ist nun die Abfolge, wobei Sie den 12. Februar 2015 im Auge behalten müssen, den Tag der Bekanntgabe des sensationellen CreditSuisse-Jahresergebnisses.

Am 3. Februar 2015 geht es los: Auf die damals wertlose Option wurden Einheiten bezogen, welche zu 72 300 CS-Aktien à 21 Franken berechtigten – wertlos daher, weil die Aktien an diesem Tag einen Schlussstand von 20.06 Franken hatten. Die Abteilung Besserwisser spekulierte auf einen Schlussstand von 21.19 Franken am 20. Februar 2015 (letzter Tag, an dem die Option läuft), welcher sich aus der Prämie von damals 19 Rappen und dem Ausübungspreis von 21 Franken zusammensetzt. Am 5. Februar 2015, also 7 Tage vor der Bekanntgabe der CS-Zahlen, wurden die Besserwisser noch viel mutiger: 260 000 Bezugseinheiten wurden eingekauft, dieses Mal zu 21 Rappen – und der Credit-Suisse-Kurs kam bei 20.20 Franken zu liegen, also wiederum wertlos, null innerer Wert).

Einen Tag vor der Bekanntgabe des Ergebnisses gab es kein Halten mehr: 347 500 Bezugseinheiten zu 9 Rappen wurden eingekauft. Der Kauf ist als umso spannender zu betrachten, als die Aktie auf 19.80 Franken fiel und die Option aus einer mathematischen Optik noch weniger Wert hatte als vorher. Wichtig ist auch, hinzuzufügen, dass die Chance eines Gewinns sich nochmals aufgrund der verkürzten Laufzeit bis zum Optionenverfall massiv reduziert hat. Und, Wunder, o Wunder!, Brady W. Dougan zeigte es am 12. Februar allen – die Aktie der Credit Suisse übersprang locker die Marke von 21 Franken. Damit war die Option auf einmal im Gewinn. Von null auf 100%.

Am Freitag um 11 Uhr stand die Aktie bei 22.10 Franken. Für den damals wertlosen 21-Franken-Call wurden in der speziellen Periode (3. Februar 2015 bis 11. Februar 2015) 733 700 Bezugseinheiten gekauft. Das Call-Put-Verhältnis hat einen noch nie da gewesenen, einen sozusagen intergalaktischen Besserwisser-Rekord erreicht. Beim 20-Franken-Call auf den Februar 2015 haben wir, speziell am 11. Februar 2015, also einen Tag vor dem Super Day, eine Häufung von Call-Optionen vorgefunden: Das Volumen der wertlosen Option hat sich gegenüber dem Vortag, dem 10. Februar 2015, um das 468-fache erhöht.

Zum guten Schluss jetzt etwas für Ihr Kässeli: einen gedeckten Call mit Ausübungspreis 22 Franken auf den September-2015-Termin. Hier gibt es auf legalem Weg einen schönen Batzen, Brady W. Dougans Intelligenz sei Dank. Er sitzt fester denn je im Sattel.

Eines ist klar: Die professionelle Umsetzung der Angsthasenstrategie – sprich Halten der Aktien und gleichzeitiges Einkassieren der Dividende und Angsthasenprämie aus dem Callverkauf – kann locker 8% pro Jahr einbringen. Jetzt verstehen Sie wohl, warum die grossen Investoren aus dem Nahen Osten bis jetzt stillgehalten haben. Denn in einer Welt, wo die Zinsen auf Staatsobligationen bei null liegen, ist ein derartiges Konstrukt eine mehr als lukrative Angelegenheit.

Unser Experte hat sich verpflichtet, in keinem der besprochenen Titel aktiv zu sein. Wer die Börsentipps aus dieser Kolumne umsetzt, tut dies auf eigenes Risiko. Die «Schweiz am Sonntag» übernimmt keine Verantwortung.
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