VON BORIS FELDMANN

Vor 26 Jahren verpasste Philipp Hildebrand, heute Präsident der Schweizer Nationalbank, knapp die Qualifikation zu den Olympischen Spielen im Schwimmen. Nun geht er ein zweites Mal baden: Seine Euro-Positionen sind tief unter Wasser. Seit Donnerstag ist man sich in Händlerkreisen bewusst, dass die Nationalbank nicht mehr um jeden Preis den Euro stützen wird. Wirtschaftsministerin Doris Leuthard bezifferte den Buchverlust auf den Devisen am Swiss Economic Forum in Interlaken auf 5 Milliarden Franken. Das ist happig, doch gemäss unseren Informationen ist diese Zahl schon wieder überholt: Per Freitagabend betrug der Buchverlust der SNB seit Jahresbeginn 6.2 Milliarden! Denn der Euro-Kurs sank auf ein Allzeittief unter 1.40 Franken.

Neues Kopfzerbrechen bereiten Hildebrand auch die UBS-Ramschpapiere in den Büchern der Nationalbank: Die Ausfallrate der CMBS (Red. Gewerbeimmobilien) in Amerika ist im Mai 2010 explodiert – auf gigantische 8.2%. Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, wird sich der Jahresverlust der SNB bis Ende 2010 bei über 5 Milliarden Franken einpendeln, einzig der Verkauf der Goldreserven kann Schlimmeres verhindern.

Meine mathematischen Modellberechnungen zeigen ein klares Ergebnis: Der Multireverse Convertible (Valor: 11351963) auf ABB,Credit Suisse und Holcim mit einem maximalen Coupons von 18% und supertiefer Barriere von 55% ist sensationell. Dieser Coupons wird mit einem kleinen Zaubertrick «ermöglicht», den ich selbst in meinen Fonds seit Jahren anwende. Der Emittent EFG Financial Products (Red. Rating: A2 laut Moodys) hat das selbst gewählte Recht, alle drei Monate das Produkt vorzeitig mit aufgelaufenen Zinsen zu 100% zurückzuzahlen, sofern die Barriere nicht getroffen wird. In der Schule gab es früher für herausragende Leistungen im Stile einer Entdeckung von Albert Einstein eine Doppelsechs, hier verleihen wir erstmals ein doppeltes «must buy». Die Fixierung der Aktienkurse dieser Kanone findet am 10. Juni 2010 statt: ein ideales Einstiegsniveau.

Weniger attraktiv ist hingegen die Kombination der Vontobel-Gruppe: Hier werden Nestlé,Credit Suisse und Holcim ins Rennen geschickt: 55% Barriere mit einem massiv tieferen Coupons von 12.1% aufs Jahr, aber ohne vorzeitige Kündigungsmöglichkeit des Emittenten.

Pech hat die Geschäftsführerin eines preisgekrönten Start-ups der ETH-Venturelabs, als ihr diese Woche der Kredithahn von einer sehr grossen Kantonalbank zugedreht wurde, welche als «die nahe Bank» auftritt. Die ehemalige Schweizer Olympionikin und Beste in ihrer Alterskategorie am Ironman in Hawaii wurde von ihrem Kreditsachbearbeiter aufgeschreckt, «weil der Betriebskredit nicht voll ausgeschöpft wurde, wird die Kreditzusage vorzeitig vor Vertragsende zurückgezogen.» Der weibliche CEO mit MBA-Abschluss und Doppeldoktorat versteht die Welt nicht mehr, ihre Strategie war es, mit den zur Verfügung gestellten Betriebsmitteln «haushälterisch umzugehen». Der Firma geht es blendend und liebend gerne verzichtet sie auf den Betriebskredit: Die persönliche Verletzung ist zu gross. Internationale Pharmagiganten stehen nun Schlange, um mit der schlagkräftigen Truppe ins Geschäft zu kommen.

Eine brennend heisse Spekulation im wahrsten Sinne des Wortes ist das Oel-Bonus-Zertifikat (ISIN: DE000SG1LYS8) der Société Générale: Eine annualisierte Rendite von knapp 25% ist fällig, falls der Ölpreis bis im Dezember 2010 zwischen 45 Dollar (Abstand zur unteren Barriere: 40.93%) und 115 Dollar liegt (Abstand zur oberen Barriere: 37.83%). Wird die Barriere «getüpft», ist ein Verlust von 40% auf dem gegenwärtigen Kurs zu gegenwärtigen (Buy für spekulativen Investor).

Als wohl einzige kotierte Immobilienaktien an der Schweizer Börse kommt die Firma Mobimo ohne Bewertungszuschlag daher und als Sahnehäubchen gibt eine Dividendenzahlung von 5%. Die steile Performance inklusive Dividende brachte eine Rendite von 24% aufs Jahr, jetzt ist es Zeit, den Abgang durch die Hintertüre zu machen (Verkauf).

Zugreifen lohnt sich beim amerikanischen Trio (Valor: 11328436) der Vontobel-Bank:Apple,Barrick Gold und Caterpillar werfen satte 14.65% ab, mit einer komfortablen Barriere von 55%. Zeichnungsschluss ist hier der 11. Juni 2010 (Kauf).

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!
Haben Sie fragen an den Geldberater?

Sämtliche Leserfragen werden beantwortet. Schreiben Sie Geldberater Boris Feldmann ein E-Mail an:
geld@sonntagonline.ch.

Wer die Börsentipps aus dieser Kolumne umsetzt, tut dies auf eigenes Risiko. Der «Sonntag» übernimmt keine Verantwortung. Unser Experte hat sich verpflichtet, in keinem der besprochenen Titel aktiv zu sein.