Das Partylokal Fame am Basler Claraplatz floriert. Das war vor drei Jahren anders. Das Publikum blieb aus, die Kasse war leer. Dies erzählt Oliver Keller, hauptamtlich Betreiber des Rhypark im St. Johann, nebenamtlich Geschäftsführer des Fame. Zusammen mit seinem Vorgänger Joël Gysin habe er renoviert und ein neues Konzept eingeführt. Gysin verabschiedete sich daraufhin und betreibt seither die Bar Rouge im Messeturm, Keller übernahm das Fame.

Wem das Lokal eigentlich gehört, war den Schweizer Vorzeige-Geschäftsführern egal, solange man sie geschäften liess und genügend Bargeld in der Kasse lag. Klar war nur, dass ihnen das Fame nicht gehört. Ob der wirtschaftlich Berechtigte jedoch Ilhan Eyikat hiess, mit dem formell ein Treuhandvertrag abgeschlossen wurde, ob dieser bloss stellvertretend für seinen Bruder Garip Eyikat stand oder ob der Boss der Eyikat-Brüder Cemil Okan Sakar war, wie erzählt wird, interessierte nicht.

Eine sprudelnde Quelle reichte den Beteiligten nicht. Als sich eine nächste Gelegenheit zum Geldabschöpfen bot, griffen sie zu. Eine solche schien der Handel mit zweitklassigen Druckerpatronen zu sein. Ausgehend von einer kleinen Firma des Kroaten Simoni Luz, die sich gross Swiss Print Group nannte, entstanden in der Region sechs pseudo-unabhängige Gesellschaften, die allesamt mit aggressivem Telefonmarketing minderwertige Ware zu überhöhten Preisen verhökerten. Dies erzählt jedenfalls ein ehemaliger Verkäufer. Die Gruppe steht mittlerweile in Liquidation.

Oliver Keller stieg bei einer dieser Retortenfirmen, der Europrinting, ein, «blauäugig», wie er sagt. Von aussen habe alles toll ausgesehen. Seine Fame-Kompagnons wollten teilhaben und gründeten nach gleichem Strickmuster, aber unabhängig von der Swiss Print Group in Allschwil die Swiss Office Solution (SOS). Die Pracht dauerte jedoch nicht lange.

Vor rund einem Jahr drehte der Wind. Okan Sakar, der für die «Schweiz am Sonntag» nicht zu erreichen ist, wurde in der Türkei aus dem Gefängnis entlassen, in dem er eine Haftstrafe wegen Drogendelikten absass. Nun werden die Erzählungen widersprüchlich: Das Umfeld von Oliver Keller behauptet, Garip Eyikat habe begonnen, seinen auf grossem Fuss lebenden Bruder Ilhan zu entmachten. Der Treuhandvertrag, den Keller bisher mit Ilhan hatte, sei auf Garip überschrieben worden. Von Ilhan Eyikat liegt ein Auszug aus dem Betreibungsregister vor, der zeigt, dass Betreibungsbegehren in sechsstelliger Höhe inklusive Lohnpfändungen bestehen.

In der gleichen Zeit sei Sakar wieder im Fame aufgetaucht und habe von Keller die Übergabe des Lokals verlangt. Keller sagt, er mache, was der Boss sagt, und er sei davon ausgegangen, dass Sakar der Boss sei. Deshalb habe er ihm Ende Juli jene Hälfte der GmbH überschrieben, die er von Gysin erhalten habe. Die andere Hälfte habe er immer noch treuhänderisch für die Eyikats.

Ilhan Eyikat und sein Umfeld erzählen eine andere Geschichte. Ilhan Eyikat sagt, sein Bruder spiele gar keine Rolle, das Fame habe immer ihm gehört. Bloss als Rückversicherung sei für die Hälfte des Fame ein Treuhandvertrag auf den Namen seines Bruders ausgestellt worden. Da sei plötzlich Okan Sakar aufgetaucht und habe das Fame illegalerweise an sich gerissen.

In Einem decken sich die Erzählungen: Jeweils die andere Partei habe mit massiven Drohungen und Überfällen versucht, die Macht oder die Insignien der Macht an sich zu reissen: die Schlüssel, die Kreditkarten und die Autos des des Partylokals. Ein solcher Überfall soll am 20. August 2014 beim Rhypark an der Mühlhauserstrasse stattgefunden haben, ein zweiter einige Tage später in Allschwil bei der SOS, ein dritter in der Tiefgarage bei Oliver Keller.

Und noch in einem Punkt sind sich die Parteien einig: Die Staatsanwaltschaften Baselland und Basel-Stadt wie die Polizei kümmerten sich nicht um die Übergriffe, dabei sei das kriminelle Verhalten der Gegenpartei doch offensichtlich. Die Polizei wurde jedoch nicht gleich im Anschluss der mutmasslichen Übergriffe eingeschaltet.

Am 18. September wurde Okan Sakar in Muttenz niedergeschossen; sieben Schüsse feuerte der Täter aus nächster Nähe in die Beine des Opfers, was unschwer als Abrechnung zu erkennen ist. Erst jetzt packten die Parteien aus und deponierten gleich stapelweise Anzeigen bei der Polizei in Baselland und Basel-Stadt.

Zwei Monate nach dem Überfall wollte Sakar plötzlich namentlich wissen, wer hinter dem schwarzen Helm auf ihn gefeuert habe. Ein enger Getreuer von Ilhan Eyikat, der es gewesen sein soll, wanderte daraufhin in Untersuchungshaft. Da sich der Verdacht nicht erhärtete, wurde der Mann wieder freigelassen. Für Eyikat ist die Sache klar: Der Beschuldigte hatte für ihn beim Fame gearbeitet und sollte so aus dem Gefecht genommen werden.

Die Staatsanwaltschaften halten sich bedeckt: Für das Gerangel um die Hoheit über das Fame sei Basel-Stadt zuständig, für die Schiesserei sowie die mutmasslichen Gewalttaten Baselland. Involvierte Anwälte bezweifeln, ob die getrennten Ermittlungen zum Erfolg führen. Die Baselbieter Ermittler erklären, eine Koordination mit Basel-Stadt sei bisher nicht notwendig gewesen.

Oliver Keller hat sich im Konflikt auf die Seite von Sakar gestellt, in der Meinung, dieser sei der Fame-Boss. Doch eigentlich möchte er beim Fame aussteigen und sich auf den Rhypark konzentrieren. Einfach wird es nicht, denn den idealen Zeitpunkt dafür hat er verpasst.

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