Der Rückblick auf die vergangenen vier Monate lässt den Rheinhafen-Sprecher Simon Oberbeck zum Wort «historisch» hinreissen: «Einen so konstant tiefen Wasserpegel hatten wir in den vergangenen fünfzig Jahren nie.»

Seit diesem Sommer können die Frachtschiffe nur mit verringerter Ladung bis nach Basel fahren. Der massgebende Pegel in Kaub (D) erlaubte diese Woche einen Tiefgang von gerade noch 80 Zentimetern. Voll beladene Schiffe erreichen einen Tiefgang von über zwei Metern. Das stellt die Logistikdienstleister vor ebenso historische Herausforderungen. Sämtliche auf die Rheinfracht spezialisierten Firmen kämpfen mit existenziellen Problemen. Zwar verkehren nicht weniger Schiffe als sonst, aber weil sie nur einen Viertel der Maximallast transportieren können, fahren sie grosse Verluste ein. Mit Ultrabrag hat nun die erste Basler Firma reagiert. Geschäftsleitungsmitglied Christoph Adam bestätigt, dass der gebeutelte Konzern für die gesamte Belegschaft Kurzarbeit eingeführt hat. Monatlich hat Ultrabrag, die stark von ihrer firmeneigenen Containerlinie abhängig ist, der Belegschaft in Basel, Muttenz und Birsfelden sechs Freitage verordnet. 130 Personen sind betroffen. Wann Ultrabrag das Kurzarbeitsregime aufheben könne, sei unklar. Natürlich hänge das vom Wetter ab, sagt Adam, der den Vorteil von Kurzarbeit hervorhebt. «Wenn der Pegel wieder ansteigt, können wir von heute auf morgen wieder den Normalbetrieb einführen.»

Ultrabrag ist bisher die einzige Basler Firma, die zu dieser Sparmassnahme gegriffen hat. Andere Firmen, die einseitig auf den Containerumschlag im Hafen spezialisiert sind, stehen aber kurz davor. Roman Mayer, CEO von Swissterminal, sagt: «Der tiefe Wasserpegel hat nebst dem ohnehin schwierigen Umfeld zu einem Rückgang der Containerumschläge um rund einen Drittel geführt.» Seine Firma habe deswegen den Antrag auf Kurzarbeit gestellt. Die 70 Mitarbeiter seien darüber informiert, dass sie demnächst bis zu 30 Prozent weniger arbeiten werden. Für die damit verbundenen Lohneinbussen hätten sie angesichts der Situation Verständnis, beteuert Mayer. In einer ähnlichen Situation steckt Heinz Amacker, der CEO von Danser Switzerland. Vom «sehr starken ersten halben Jahr der Binnenschifffahrt» habe sein Unternehmen bis heute gezehrt. Auf die Binnenschifffahrt habe zu Jahresanfang vor allem die Schliessung der Schweizer Raffinerie positive Auswirkungen gehabt, weil die Mineralöle vermehrt über den Rhein transportiert wurden. Die Reserven seien mit den jetzigen Umsatzeinbussen von gegen fünfzig Prozent aber «beinahe aufgebraucht», wie Amacker sagt. Sollte es im Januar trocken bleiben, würde die Kurzarbeit auch bei Danser ein Thema.

Die Logistikdienstleister sprechen von der Kurzarbeit als «Ultima Ratio». In der Geschichte von Swissterminal habe man zweimal auf diese Massnahme zurückgreifen müssen, sagt Mayer. Beim Basler Amt für Wirtschaft und Arbeit sind seit 2011 vonseiten der Logistikdienstleister keine Anfragen mehr für Kurzarbeit eingegangen. Damals zogen die Firmen ihr Begehren aber zurück, als der Markt wieder anzog.

Dass Mitarbeiter von Hafenfirmen Kurzarbeitsentschädigung bezögen, bezeichnet Alessandro Tani von der Arbeitslosenversicherung auch als aussergewöhnlich. Beim Grossteil der derzeit 81 Basler Kurzarbeiter handle es sich um Mitarbeiter des Detailhandels, der nach dem Nationalbankentscheid vom Januar ins Straucheln geraten ist. Tani bestätigt, dass auch Mitarbeiter der Logistikbranche Anspruch auf die 80 Prozent Lohnersatz bei Kurzarbeit hätten. Bedingung sei, dass die Arbeitszeit aus «wirtschaftlichen Gründen verkürzt oder deren Arbeit ganz eingestellt» worden sei.

Die Voraussetzungen würden «aufgrund des konjunkturellen und strukturellen Wandels» alle drei Monate überprüft. Die Firma müsse zudem versichern, die Arbeitsplätze langfristig erhalten zu können. Danser-Chef Amacker scheint sich dabei selbst nicht allzu sicher. Seit mehreren Jahren kämpfe man mit dem niedrigen Wasserpegel. Erschwerend komme der harte Franken hinzu. «Wir haben gelernt, dass wir wichtige Faktoren unserer Branche nicht ändern können.»

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper