Am 8. März stimmt Basel-Stadt über die Initiative «Wohnen für alle» ab. Die Initianten fordern, unterstützt von der politischen Linke, eine Stiftung des Kantons, die bezahlbaren Wohn-, Gewerbe- und Kulturraum schafft. Das Startkapital von 50 Millionen soll der Kanton aufbringen. Die Initiative orientiert sich an einem Zürcher Modell. Vor 25 Jahren gründete die Stadt Zürich nach einer Volksinitiative die «Stiftung zur Erhaltung von preisgünstigen Wohn- und Gewerberäumen» (PWG). Die PWG besitzt heute rund 130 Liegenschaften mit 1400 Wohnungen und 260 Gewerberäumen im Gesamtwert von 550 Millionen Franken. Sie ist damit die grösste von insgesamt vier solcher Stiftungen, welche die Stadt Zürich mittlerweile geschaffen hat. Zuletzt befürwortete das Stimmvolk im März 2013 mit über 75 Prozent die «Stiftung für bezahlbare und ökologische Wohnungen». Diese staatlichen Stiftungen berechnen Mieten, die rund dreissig Prozent unter dem üblichen Marktpreis liegen.

In Zürich ist die PWG unbestritten. Auch aus bürgerlichen Kreisen ist fast nur Positives zu hören. So sagt beispielsweise Urs Fehr, Zürcher SVP-Gemeinderat: «Die PWG macht einen guten Job und ist nicht mehr wegzudenken.» Auf die Frage, ob er den Baslern die Zustimmung zur Initiative «Wohnen für alle» empfehlen würde, sagt er: «Auf jeden Fall.» Allerdings räumt er ein, die Situation in Basel zu wenig zu kennen. Doch die Städte sind durchaus vergleichbar. Die Leerstandsquote bei Wohnungen beträgt beiderorts 0,2 Prozent. Der Anteil von gemeinnützigem Eigentum ist in Zürich mit rund 25 Prozent sogar deutlich höher und soll bis 2050 gemäss Verfassungsauftrag auf über dreissig Prozent gesteigert werden.

In Basel beträgt der Anteil heute zehn Prozent. Umso mehr «überrascht» ist der langjährige Zürcher CVP-Gemeinderat Daniel Meier, «dass es in Basel eine Stiftung wie die PWG nicht schon lange gibt». Er ist überzeugt: Die Zürcher CVP würde wie die SVP einer solchen Stiftung deutlich zustimmen. Skepsis gibt es in Zürich bloss aus der FDP. So sagt deren Gemeinderat Michael Baumer: «Eine solche Stiftung kann den Effekt haben, dass der Markt angeheizt wird, weil sie andere Genossenschaften und Private konkurrenziert.» Er räumt aber ein, dass die PWG in Zürich breit akzeptiert sei und eine Abschaffung nicht zur Debatte stehe. «Aber eine solche Stiftung darf nicht zu gross werden», warnt Baumer.

Hansueli Züllig, Zürcher SVP-Kantonsrat, sagt, es könne vorkommen, dass sich die PWG für Häuser interessiere, für die auch Private mitbieten würden. Doch in der Regel sprächen sich die verschiedenen Player ab. Züllig ist im Stiftungsrat der PWG sowie bei der privaten «Stiftung Bauen und Wohnen».

Eine gute Zusammenarbeit bestätigt auch Thomas Schlepfer, der Sekretär des Finanzdepartements, das die rund hundert Zürcher Baugenossenschaften, Stiftungen und Vereinen koordiniert: «Wer den Vortritt hat und wer verzichtet, wird sachlich und unkompliziert geklärt. Eine preistreibende Wirkung der PWG kann so nicht entstehen.»

Die Bürgerlichen in Basel sehen das anders als ihre Zürcher Parteikollegen. CVP, FDP, LDP und SVP traten diese Woche vor die Medien und lehnten die Initiative «Wohnen für alle» geschlossen ab. Die Situation in Basel sei anders als in Zürich, sagt LDP-Grossrat Conradin Cramer auf Anfrage. In Basel gebe es noch mehr preisgünstige Wohnungen als in Zürich. Mit Zahlen belegen kann er die Behauptung allerdings nicht.

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