Seit Februar 2013 verdiente die Oliveda Switzerland AG mit Sitz in Basel 5,3 Millionen Franken mit dem Verkauf von Olivenhainen in Spanien. Das Geld stammt von rund 300 Investoren, die von einem Angebot mit «doppelt dringlicher Sicherheit» profitieren wollten: Sie kauften von Oliveda für knapp 10 000 Euro einen Olivenhain, den sie postwendend wieder an die Firma verpachteten. Aus dem Ernteertrag wolle Oliveda Kosmetikprodukte zum Verkauf herstellen. Die «vertraglich garantierte Miete» beläuft sich auf fast 1000 Franken pro Jahr. Nach zehn Jahren können die Käufer den Olivenhain der Oliveda zurückverkaufen. Es ergibt sich ein Gewinn von rund 100 Prozent. Zumindest versprach dies Oliveda.

So ein Angebot sei «too good to be true», sagt Tobias Lux, Mediensprecher der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma. Diese wurde vor einem Jahr auf Oliveda aufmerksam, nahm sie unter Aufsicht und entzog dem Allein-Verwaltungsrat Thomas Lommel die Zeichnungsberechtigung, wie die «Schweiz am Sonntag» berichtete. Der Verdacht: Oliveda erbringe Finanzdienstleistungen, für die sie eine Bankenbewilligung besitzen müsste.

Nun hat sich der Verdacht der Finma erhärtet. Oliveda Switzerland AG habe ein Schneeballsystem betrieben, so Lux. Neue Investitionsgelder seien jeweils dafür verwendet worden, die Pachtzinsen früherer Anleger zu bezahlen. Der Rest der Gelder sei in die Produktion der gefragten Kosmetik-Produkte geflossen, welche mit Barbara Becker, der Ex-Frau des ehemaligen Tennis-Profis beworben und unter anderem über die Müller-Drogeriemärkte vertrieben werden. Mit diesem System habe Oliveda das Bankengesetz verletzt. Da die Oliveda Switzerland AG zudem insolvent gewesen sei, habe die Finma auf Ende April 2015 den Konkurs verhängt. Wie hoch der Schaden für die Anleger am Ende des Konkursverfahrens sein wird, darüber spekuliert die Finma nicht.

Oliveda-Gründer und -Geschäftsführer Thomas Lommel will sich nicht zur Konkurseröffnung äussern. Er spricht lediglich von «unglaublichen Behauptungen». Unkommentiert lässt er auch die Frage nach seinem weiteren Engagement nach dem Konkurs in der Schweiz.

Im September 2014, als Oliveda Switzerland bereits unter Aufsicht der Finma stand, wurde die «Oliveda GmbH» in Berlin im Handelsregister eingetragen. Vordergründig konzentriert sich diese Gesellschaft ausschliesslich auf die Produktion von Kosmetika, und auch der Name Thomas Lommel wird nicht mehr mit Investitionen in Olivenhaine in Verbindung gebracht. Über verschiedene Makler bietet Lommel aber weiterhin fast identische Investments an.

Interessiert man sich beim deutschen Handelsmakler Arnulf Allert für sein Olivenhain-Investment, bekommt man Vertragsformulare für Kauf und Pacht von der Oliveda GmbH in Berlin und von der Olive Tree Invest S.L. mit Sitz in Palma de Mallorca zugeschickt. Beides sind Töchter der Oliveda Holding AG, gegen die in Basel ebenfalls der Konkurs eingeleitet wurde.

Arnulf Allert tritt bei diesen Geschäften als Senior Partner der SRI concepts GmbH auf. Diese hat ihren Sitz in Lörrach. Allert sagt, mit dem neuen Oliveda-Angebot nicht wie früher nur die Olivenhaine, sondern das ganze Grundstück lasse sich übertragen. Das sei juristisch einwandfrei. Ein weiterer Vorteil: In Spanien müsse der Kauf nicht notariell beurkundet werden, wodurch Investoren Geld sparen könnten.

Finma-Sprecher Tobias Lux warnt eindringlich vor Geschäftsangeboten mit derartig hohen Renditeversprechen. Gäbe es hierbei keinen Haken, hätten die Anbieter längst Grossinvestoren an Bord geholt.

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