Die Freie Strasse ist im Umbruch. Kein Jahr vergeht, in dem nicht ein Laden an Basels Einkaufsmeile schliesst und ein anderer wenig später am selben Ort öffnet. In der Realität kommt es allerdings immer öfter vor, dass Ladenlokale lange Zeit leer stehen – auch dann, wenn sie bereits vermietet sind. So etwa im Falle der Saftbar Joe & the Juice. Im vergangenen Sommer wollte die Kette ihre erste Filiale an der Freien Strasse eröffnen. Doch bis heute zieren die Schaufenster der Hausnummer 93 nur das Logo der Kette. Im Oktober 2016 gab eine Sprecherin auf Anfrage bekannt, dass die Baubewilligung noch ausstehe und man deshalb noch nicht mit den Umbauarbeiten habe beginnen können. Inzwischen ist die Bewilligung da – umgebaut wird trotzdem nicht. Aus welchen Gründen, ist nicht bekannt: Die zuständigen Personen weilen in den Ferien.

Mathias F. Böhm, Geschäftsführer von Pro Innerstadt Basel, ist diese Entwicklung ein Dorn im Auge. Leerstehende Flächen würden der Attraktivität einer Einkaufsstadt schaden, sagt er. «Es ist eine unbefriedigende Situation. Wir suchen in solchen Fällen, das Gespräch mit Mietern und Vermietern. Auch mit Joe & the Juice stehen wir im Austausch, wissen aber nicht Bescheid über Details.»

Ein weiteres Beispiel: Das Ladenlokal an der Freien Strasse 38 Ecke Pfluggässlein. Eine Top-Adresse. Und trotzdem steht das Lokal seit fast vier Jahren leer. Nun tut sich etwas: Seit wenigen Tagen wird im Innern des Gebäudes mit dem schönen Fensterbogen umgebaut, gehämmert und gebohrt. Im Sommer wird Zara Home hier die erste Filiale in Basel eröffnen, die dritte schweizweit nach Zürich und Bern. Zara Home ist die Heimtextilmarke des spanischen Modehandels-Giganten Inditex. Die Kollektionen bestehen aus Bett- und Tischwäsche, Badezimmer-Ausstattung, Möbel, Tischdekoration, Besteck und vielen weiteren Artikeln fürs Zuhause. Die Zara-Mutter Inditex hat dies gegenüber der «Schweiz am Sonntag» bis heute zwar nicht bestätigt, eine entsprechende Anfrage blieb unbeantwortet. Doch zwei voneinander unabhängige Brancheninsider bekräftigen die Recherche. Und auf dem Portal jobs.ch sucht Inditex derzeit nach «Mitarbeitern im Verkauf für unsere neue Zara-Home-Filiale in Basel».

Bershka als Nächstes
Für Inditex ist der Einzug mit Zara Home an die Freie Strasse ein Glücksfall, befindet sich doch im Haus nebenan die Modefiliale von Zara, und schräg gegenüber verkauft Massimo Dutti, eine weitere Tochter, Kleider. Das Basler Reich von Inditex wird grösser und grösser. «Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein weiterer Ableger dazukommt», sagt ein Branchenkenner. So eröffnete 2016 nach Zürich in Bern erstmals eine Filiale von Bershka, der jungen Linie von Inditex. Wenn der Fahrplan wie bei Zara Home verläuft, wird Basel der nächste Standort sein. Eine Gelegenheit dazu könnte sich schneller bieten als gedacht. Vor wenigen Wochen gab der Buchhändler Orell Füssli bekannt, aus der verwinkelten Ladenfläche des ehemaligen Jäggi an der Freien Strasse 32 auszuziehen und im November eine kompaktere Filiale ein paar Häuser weiter zu eröffnen. Dass die ganze Fläche von einem einzigen Mieter übernommen wird, ist eher unwahrscheinlich. Böhm von Pro Innerstadt sagt: «Ich gehe davon aus, dass die Fläche geteilt wird. Als Ganzes ist sie schwer vermittelbar.»

Die Verkaufsfläche des ehemaligen Jäggi verteilt sich über drei Liegenschaften mit voneinander unabhängigen Eigentümern: Das Gebäude an der Freien Strasse gehört der Zürcher Hardturm AG, die Fläche an der Falknerstrasse 7 zwei Privaten und die Räumlichkeit mit Rolltreppe an der Falknerstrasse 11 dem Basler Treuhandunternehmen Tangent AG. Interessant: Die Fläche an der Falknerstrasse 11 grenzt direkt an die Zara-Filiale an der Freien Strasse 36. Es sei in der Branche bekannt, dass Zara gerne mehr Platz für Verkauf und Lager hätte, sagt ein Insider. «Wenn sich Inditex nun an der Falknerstrasse 11 einmietet, müsste man nur eine Mauer durchbrechen, und man hätte eine riesige Ladenfläche.» Eine andere Möglichkeit wäre, dass Bershka einzieht.

Urs Meier, Geschäftsführer der Tangent AG, wollte sich zur Frage, ob Inditex Interesse am Objekt angemeldet hat, nicht äussern. Auch nicht darüber, ob es Sinn macht, zusammen mit der Hardturm AG und den beiden Privaten zu versuchen, die gesamte Fläche des ehemaligen Jäggi zu vermieten. Meier macht es wie Inditex selbst; er lässt sich nicht in die Karten blicken. Doch je länger die Spanier in Basel sind, desto deutlicher wird: Sie sind gekommen, um zu bleiben. Und um sich auszubreiten.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper.