Wird der Zivilrechtsprofessor Thomas Sutter-Somm neuer Rektor der Universität Basel? Solche Ambitionen wurden ihm zu Recht nachgesagt. Er habe sich schon überlegt, ob ihn das Amt reize, sagt Sutter-Somm auf Anfrage. Doch im Frühjahr habe er sich dagegen entschieden.

Dafür ist Sutter-Somm nun entscheidend für die Frage, wer nach Antonio Loprieno (59) neuer Rektor wird. Er präsidiert seit 2007 und noch bis 2019 die Regenz, das inneruniversitäre Parlament, das den Rektor wählen wird. Und in dieser Funktion präsidiert Sutter-Somm auch die zwölfköpfige Findungskommission, die das Wahlgeschäft vorbereitet.

Mit ihm hat Loprieno denn auch seinen Rücktritt abgestimmt und vorbereitet: Am Sonntagabend verschickte Loprieno seine Rücktrittsankündigung per August 2015 an alle Mitarbeitenden und Studierenden. Am Montag informierte er offiziell Medien und Öffentlichkeit. Getimt waren die Informationen im Hinblick auf den Mittwoch, da auf diesen Tag seit langem eine Regenzsitzung angesetzt war. Sutter-Somm hatte sie so vorbereitet, dass bereits die Mitglieder der Wahlkommission ernannt und das Stellenprofil des neuen Rektors definiert werden konnten. Seit Donnerstag ist die Stelle ausgeschrieben. Schneller geht nicht.

Bis zum 16. November haben Kandidaten nur gerade Zeit, ihre Bewerbungen einzureichen. Wer noch Fragen hat, soll sich an Sutter-Somm wenden. Gesucht ist gemäss Stellenanzeige ein Professor oder eine Professorin aus dem In- oder Ausland mit «profunder Erfahrung im Universitätsmanagement». Im Bestreben den Frauenanteil in akademischen Führungspositionen zu erhöhen, sei die Universität an Bewerbungen von Frauen besonders interessiert.

Das Verfahren sei völlig offen, sagt Sutter-Somm. Doch Überraschungskandidaten von aussen werden es angesichts der kurzen Bewerbungszeit schwer haben, und so stehen trotz ihres Alters zwei Männer aus dem inneren Zirkel in der ersten Startreihe: die Vizerektoren Edwin Constable (57) sowie Maarten Hoenen (59).

Der Brite Constable, seit 2011 Vizerektor Forschung, hat die besseren Chancen. Der Chemiker zählt zu Loprienos enger Gefolgschaft. Auffällig oft hat Constable denn auch in den vergangenen Monaten die Universität medial in der Öffentlichkeit vertreten.

Der Holländer Hoenen, Vizerektor für Lehre und Entwicklung, gilt als besonders ehrgeizig. Der Philosoph stammt jedoch aus derselben Fakultät wie Loprieno und wirkt vor allem erst seit einem Jahr in Basel. Damit fehlt es ihm wohl an der nötigen Hausmacht. Vizerektorin Hedwig Kaiser hat sich selbst aus dem Rennen genommen; sie ist wie Verwaltungsdirektor Christoph Tschumi der Findungskommission beigetreten.

Als Loprieno im Jahr 2005 erstmals gewählt wurde, war er ebenfalls der inoffizielle Kandidat seines Vorgängers Ulrich Gäbler. Er setzte sich in einer Kampfwahl gegen den Juristen Paul Richli durch. Die neue Findungskommission möchte der Regenz im kommenden Mai möglichst eine Einerkandidatur vorschlagen. Man vertraut dabei auf die eigene Kompetenz: Ein Assessment für den neuen Rektor der Uni Basel wird es nicht geben, sagt Sutter-Somm.

Der Regenz-Präsident profitiert davon, dass Loprieno durch seinen vorzeitigen Rücktritt ein enges zeitliches Korsett geschaffen und den Spielraum für professorale Intrigen und den Aufbau von Kampfkandidaturen kleingehalten hat. Ein Zufall dürfte dies nicht sein. Denn Loprieno versteht es, universitäre Abläufe zu seinen Gunsten zu nutzen. So sorgte er 2012 dafür, dass ihn die Regenz in einem sogenannten «Ermunterungsbeschluss» vorzeitig für die Amtsperiode von 2014 bis 2017 bestätigte. Er unterlief damit erfolgreich den Versuch von unzufriedenen Geisteswissenschaftlern, auf den ordentlichen Wahltermin einen Gegenkandidaten aufzubauen.

Auf seine Rektorenzeit wird Loprieno mit Stolz zurückblicken können. Die Basler Hochschule konnte er ausbauen und eigene Schwerpunkte setzen. Er profitierte von der guten wirtschaftlichen Konjunktur und von günstigen politischen Verhältnissen. Baselland war neu gleichberechtigter Trägerkanton der Universität geworden und wollte sich – auch auf die Gefahr der finanziellen Überforderung – nicht lumpen lassen. Ein Nachfolger wird es ungleich schwerer haben: Statt einen weiteren Ausbau zu gestalten, wird er ohne grosse Mittelaufstockungen den Verdrängungskampf zwischen den Instituten, Departementen und Fakultäten auszuhalten haben. Dass sich Loprieno dies nach zehn Jahren nicht antun will, ist nachvollziehbar.

Die Universität Basel hat sich unter Loprienos Führung einer forcierten Internationalisierung verschrieben. Der vollständige Umbau zur internationalen Hochschule ist ihm jedoch nicht geglückt. Vor allem am Universitätsrat, dem strategischen Führungsgremium, scheint diese Entwicklung bisher spurlos vorbeigegangen zu sein. Seit zehn Jahren präsidiert alt Regierungsrat Ueli Vischer das Gremium, das sich ausschliesslich aus regionalen Grössen, inklusive den Bildungsdirektoren von Baselland und Basel-Stadt, zusammensetzt. Und daran wird sich auch nicht so rasch etwas ändern.

Fragen nach seiner Zukunft lässt Loprieno derzeit offen. Doch die Spuren hat er gelegt. So ist eines seiner letzten Herzensprojekte die Schaffung eines Studienganges in Academic Management oder wie eine moderne Universität zu führen ist. Falls der Unirat oder sein Nachfolger entsprechende Nachhilfe benötigen – Antonio Loprieno wird um einen Rat nicht verlegen sein.

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