Der Reihe nach gehen Scientology-Spender in feierlicher Manier unter hochgestreckten Degen durch. Sie werden hochgehalten von Mitgliedern der Sea Org, einem paramilitärisch anmutenden Orden der Scientologen. Sie erweisen denjenigen Gönnern die Ehre, die der Kirche hunderttausende Franken ablieferten. In den letzten fünf Jahren führte Scientology regelmässig solche Spenden-Events durch und sammelte Geld, wie es auf Videos der Sekte zu sehen ist. So finanzieren sie die «Ideale Organisation» (Ideal Org), die in Basel demnächst eröffnet wird.

Einer der grosszügigsten Spender ist Rudolf Flösser, der in Basel eine Treuhandfirma betreibt. Er habe gespendet, weil er durch Scientology «viele spirituelle Gewinne» erfahren habe, lässt er über den Sprecher der Basler Scientologen ausrichten. Wie viel Geld er bezahlte, möchte Flösser nicht sagen. Die Schätzungen gehen weit auseinander und reichen von einer bis fünf Millionen. Er darf sich nun «New Gold Civilization Builder» nennen und erhält an Scientology-Veranstaltungen tosenden Applaus.

Die Bezeichnung habe keine spezielle Bedeutung, sagt Patrick Schnidrig, Präsident der Basler Scientologen. Er kaufte sich mit seiner Frau ebenfalls den «New Civilization Builder»-Titel. Allerdings ohne den Goldstatus. Dafür bezahlte Schnidrig nach eigenen Angaben einen «sechsstelligen Betrag». Schnidrig und Flösser sind bloss zwei von fast 900 Spendern. 39 sind geordnet nach ihrem unterschiedlichen Status in einem internen Scientology-Schreiben aufgelistet. Über die Gesamtkosten des Tempels schweigt sich Scientology aus. Der Scientology-Aussteiger Wilfried Handel schätzt die Spenden für die Basler Ideal Org auf 24 Millionen Franken. Als Schätzgrösse nennt er ein Dokument aus Wien, in dem die Kosten für den jeweiligen Status aufgeführt sind. Auch wenn die 24 Millionen zu hoch gegriffen sind: Scientology investiert viel Geld in den Tempel. «Eine solche Kirche hat auch eine repräsentative Funktion», sagt Schnidrig. Sie müsse «etwas hergeben».

Die Scientologen laden mit einem Flyer die Nachbarschaft zu einem Besuch im neuen Tempel ein, sobald dieser fertiggestellt ist. Daraus hätten sich «interessante Gespräche» ergeben, sagt Jürg Stettler, Sprecher der Scientology Schweiz. Heftige Proteste, wie sie der Anwohner Thomas Erlemann im Internet äussert, tut Stettler als «Kritik einer Einzelmaske» ab. Erlemann habe gar eine Kamera am Gebäude beschädigt, sagt Stettler. Scientology habe ihn deshalb angezeigt.

Marcel Rünzi ist als leitender Vorstand des Neutralen Quartiervereins Kannenfeld und Präsident der örtlichen Pfarrei St. Anton. Er stellt fest: «Scientology wird keineswegs mit offenen Armen empfangen.» Er habe gegenüber Scientology und ihren Methoden durchaus Bedenken. Der CVP-Einwohnerrat befürchtet, dass Scientology offen im Quartier missioniert. Auch auf ihn seien die Scientologen zugegangen und wollten mit ihm sprechen. Doch er habe abgelehnt, sagt Rünzi: «Ich habe kein Interesse an dieser Organisation und halte wenig von ihr.» Man könne ihr nicht verbieten, die Kirche zu eröffnen, da die Gewerbefreiheit gelte. Aber Rünzi will verhindern, dass sich Mitglieder der Sekte in Quartierorganisationen «einnisten». Man werde deshalb «wachsam sein und die Aktivitäten der Scientologen genau beobachten».

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