Wie Polizisten Hanf anbauten

Diese Hanf-Indooranlage hob die Polizei 2014 in Itingen aus. Foto: zvg

Diese Hanf-Indooranlage hob die Polizei 2014 in Itingen aus. Foto: zvg

Baselbieter Polizistenpaar sammelte Waffen und versteckte Drogengeld am Arbeitsplatz.

Das Polizistenpaar führte in der 800-Seelen-Gemeinde Böckten ein unauffälliges Leben. Die wichtigsten Stationen sind in den «Gmeini Nochrichte» festgehalten: 2005 Zuzug aus der Stadt Basel ins frisch erstellte Einfamilienhaus und 2008 Heirat. Beide sind 44 Jahre alt. Er arbeitete als Wachtmeister für die Polizei Basel-Landschaft und verdiente über 100 000 Franken. Sie stand als einfache Polizistin im Dienst von Basel-Stadt.

Die beiden Polizisten wussten aus ihrem Berufsalltag, wie man diskret vorgeht. Um sich mit ihren Handys gegenseitig Nachrichten und Bilder zu schicken, verwendeten sie eine spezielle Verschlüsselungssoftware. Nötig wurden die Vorkehrungen ab Sommer 2013. Diese Station ihres Lebens ist nicht in den «Gemeini Nochrichte» dokumentiert, sondern in der Anklageschrift von Daniel Stehlin, dem stellvertretenden Leiter der Baselbieter Staatsanwaltschaft: Bau einer Hanf-Indooranlage im Keller des Einfamilienhauses. In fünf Anbauphasen produzierten sie mindestens 331 Cannabispflanzen, mit denen sie 27 Kilogramm Marihuana herstellten. Der Umsatz betrug gemäss Staatsanwaltschaft mindestens 85 000 Franken.

Das Fachwissen über den industriellen Anbau von Cannabis steuerte ein Bekannter aus Birsfelden bei, der auch die Vermarktung der Ware übernahm. Im Growshop Hydro-Dreams in Lausen stellte dieser den Kontakt zur Kundschaft her. Das Polizistenpaar erhielt 80 Prozent des Gewinns.

Als die Baselbieter Polizei im Februar 2015 die Indoor-Anlage aushob, stiess sie allerdings nicht nur auf Drogen. Der Wachtmeister lagerte in seinem Haus eine Waffensammlung. Für eine Pistole, ein Nachtzielgerät sowie für 260 Patronen besass er keine Berechtigung. Bei den Patronen, die er teilweise im Haus seiner Eltern aufbewahrte, handelt es sich um Deformationsgeschosse. Diese verursachen besonders gravierende Verletzungen. Der Polizist hat sich auch wegen Verstössen gegen das Waffengesetz zu verantworten.

Bei der Festnahme der Polizistin machten die Berufskollegen eine weitere Entdeckung. Am Arbeitsplatz in Basel lagerte die Frau Bargeld aus dem Drogenhandel. Insgesamt versteckte das Paar in Basel und Böckten knapp 50 000 Franken. Die Staatsanwaltschaft beantragt, die beiden zu bedingten Freiheitsstrafen mit einer Probezeit von zwei Jahren zu verurteilen. Sie soll 16, er 22 Monate erhalten.

Normalerweise gilt vor der Gerichtsverhandlung die Unschuldsvermutung. Nicht so in diesem Fall. Die beiden Polizisten und ihr Komplize haben sich mit den Anträgen des Staatsanwalts einverstanden erklärt. Sie profitieren dadurch von einem abgekürzten Verfahren. Das Strafgericht wird an der halbtägigen Verhandlung am 14. September nur noch klären, ob die Voraussetzungen dazu erfüllt sind. Ihre Beweggründe müssen die Polizisten jedoch nicht erklären. Auch eine Beweisaufnahme findet nicht statt.

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