Hotelplan startete diese Woche eine breit angelegte Werbeaktion in der Region, die es in sich hat: «Sie reisen bei uns zu deutschen Preisen und profitieren von Schweizer Beratungsqualität», liest sich auf dem Flyer, der in den Briefkästen landete. Und weiter: «Lokale Ferienspezialisten» würden Basler seit vielen Jahren glücklich machen. Des Weiteren lässt sich Roger Imhof, Hotelplan-Verkaufsleiter in Basel, in einer Medienmitteilung zitieren: «Die Meinung, dass die Preise in Deutschland attraktiver sind, hat sich in den letzten Jahren fest in den Köpfen verankert. Das ist ein Trugschluss!» Hotelplan gebe die Währungsvorteile stets zu tagesaktuellen Kursen weiter, betont Imhof.

Die Offensive von Hotelplan in Basel überrascht nicht. Neben dem Detailhandel leiden auch die Reiseveranstalter zunehmend unter dem günstigen Euro. Hotelplan-Sprecherin Prisca Huguenin bestätigt: «Im Vergleich zum Vorjahr verzeichneten wir in den vergangenen Monaten einen Buchungsrückgang. Dieser liegt im einstelligen Prozentbereich.» Das sei zwar auch eine schweizweite Entwicklung, doch in Grenzregionen würde sich diese akzentuieren. «Basel liegt klar unter dem Durchschnitt.»

Ennet der Grenze knallen derweil die Korken. Das Reisebüro Stiefvater, das in der Einkaufsinsel und im Rheincenter in Weil am Rhein sowie in Lörrach drei Filialen betreibt, wird von reisehungrigen Schweizern seit der Aufhebung der Euro-Untergrenze vor einem Jahr überrannt. Geschäftsleiter Aron Stiefvater sagt: «2015 war das stärkste Jahr in der 44-jährigen Firmengeschichte.»

Stiefvater profitierte vom schwachen Euro und von der Verlängerung der Tramlinie 8 direkt vor die Haustüre der Reisebüros in Weil am Rhein. Im 2015 buchten rund 2600 Schweizer ihre Ferien beim deutschen Spezialisten, was einem Anstieg von mehr als 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Im Durchschnitt begrüsse Stiefvater per Mail, Telefon oder persönlich jeden Tag mehr als zehn neue Kunden aus der Schweiz, so der Geschäftsleiter. Er ist in einer komfortablen Situation: Im vergangenen Jahr hat er zwölf weitere Mitarbeiter eingestellt, «aufgrund der immensen Nachfrage». Derzeit arbeiten beim Familienunternehmen 46 Personen. Er erhalte auch Bewerbungen aus der Schweiz, sagt Stiefvater.

Profitiert das Reisebüro Stiefvater von einer falschen Wahrnehmung der Schweizer oder ist Hotelplan tatsächlich gleich günstig wie die deutsche Konkurrenz? Die «Schweiz am Sonntag» machte den Test und wählte bei beiden Veranstaltern das identische Angebot aus: Eine Woche Gran Canaria vom 16. bis 23. April, inklusive Flug, Drei-Sterne-Hotel, ohne Verpflegung. Im Falle des Hotels «Maspalomas Lago» kostet das Arrangement bei Stiefvater umgerechnet 560, bei Hotelplan 615 Franken – ein minimer Preisunterschied. Eine Woche im «Anamar Suites» ist bei Stiefvater allerdings mehr als 150 Franken oder 20 Prozent günstiger. Huguenin sagt dazu: «Diese Beispiele sind Momentaufnahmen. Die Preise werden heutzutage zum Teil stündlich angepasst.» Oftmals seien in Basel gebuchte Reisen günstiger – «je nach Tag, Destination und Fluggesellschaft», so die Sprecherin. Wenn ein Kunde mit einem besseren Angebot in eine Hotelplan-Filiale komme, biete der Reiseveranstalter auch die Preise der Konkurrenz an: «Auf Wunsch können Kunden sogar in Euro bezahlen.»

Auch wenn Hotelplan unter dem Buchungstourismus leidet – Filialschliessungen seien derzeit nicht geplant, so Huguenin. Insgesamt sieben Filialen befinden sich in der Region. «Wir überprüfen den Geschäftsgang aber laufend», sagt Huguenin. Unterdessen denkt Stiefvater darüber nach, weitere Leute einzustellen.

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