Beinahe verwirklichte Roger Bernet (52) seine Pläne. Mit seiner 2005 gegründeten Aqua-Spa-Resorts AG eröffnete er jedes Jahr ein neues Bad: in Bern, Schönbühl, Zürich, Rigi-Kaltbad und Locarno. Bernet lieferte die Ideen, die Credit-Suisse-Anlagestiftung die Gelder. Nur das letzte Projekt scheiterte. Wegen juristischer Probleme musste Bernet, der einst für die Migros Wellnessanlagen entwickelt hatte, sein in Lostorf SO geplantes Thermalbad 2011 aufgeben.

Die Zeit des Wachstums war vorbei. Bernet wurde vom Entwickler zum Verwalter. Diese Rolle gefiel ihm nicht. Sie entspricht nicht seinem Talent. Deshalb übergab er die Geschäftsführung seiner Bäderkette vor einem Jahr einem Nachfolger.

Nun arbeitet Bernet an seinem persönlichen Projekt. Der Aargauer will seinen Wohnsitz von Schafisheim nach Pratteln verlegen. Pratteln, das klingt, als ob er in einen der vielen Wohnblöcke der Agglogemeinde ziehen würde. Das würde nicht zum Exzentriker passen. Er hat sein Traumprojekt gefunden. Jahrelang war es auf dem Immobilienmarkt ausgeschrieben. In einer Annonce wurde es als Schloss angepriesen. Das stimmt nicht ganz. Es handelt sich um einen Gutshof aus dem Spätmittelalter: Neu Schauenburg, ein sieben Hektaren grosses Anwesen am Waldrand mit Sicht bis zum Schwarzwald.

Das Gebäudeensemble hat eine bewegte Geschichte hinter sich. In der Anfangszeit um 1500 wurde es als Kloster genutzt, zweihundert Jahre später als Heilbad und danach als Sommerresidenz für reiche Basler. In den letzten Jahren stand es mehrheitlich leer. Nur ein Bauernpaar lebte auf dem riesigen Hof. Im Herbst geht es in Pension und zieht weg.

Bernet will nun die jahrhundertealte Geschichte wieder aufleben lassen. In den drei Gebäuden plant er sieben Wohnungen für elf Erwachsene und sieben Kinder. Eine generationenübergreifende Lebensgemeinschaft schwebt ihm vor, die sich gegenseitig unterstützt, wie früher im Kloster. Eine der Wohnungen ist für ihn und seine Frau bestimmt, andere für Freunde, weitere werde er auf dem Immobilienmarkt ausschreiben. «Es wird kein Renditeobjekt. Mit der Zeit soll es aber selbsttragend werden», sagt Bernet. Besonders fasziniert ist er natürlich von der Vergangenheit als Kurort. Die alten Badeanlagen mit Dampfbad und Sauna will er wieder reaktivieren. Die Wellnessanlage werde allerdings maximal sechs Personen Platz bieten und nur auf Voranmeldung zugänglich sein. Das Bad in Neu Schauenburg wird kein zweites Aquabasilea. Auch preislich spricht Bernet eine andere Kundschaft an. Für zwei Personen rechnet er mit einem Eintrittspreis von 100 bis 120 Franken.

Weiter plant Bernet einen Hofladen, Parkplätze und verschiedene Gärten; einen Gemüse-, einen Kräuter-, einen Beeren-, einen Wasser-, einen Moor- und einen Skulpturengarten.

Der Durchgang durch den Hof ist heute streng verboten. So steht es zumindest auf einem verwitterten Schild vor einem rostigen Tor geschrieben. Bernet will das Areal mit dem Umbau öffnen. Der Wanderweg soll wieder durch Neu Schauenburg hindurch führen. «Wir investieren in ein privates Projekt, das danach halb öffentlich ist», wirbt er.

Der Bäderkönig ist auf das Wohlwollen im Baselbiet angewiesen. Denn noch sind die Umbaupläne nicht bewilligt. Bis morgen Montag können Einsprachen eingereicht werden. Erst, wenn die Pläne bewilligt sind, tritt der Kaufvertrag in Kraft. Bernet rechnet mit Investitionen von sieben Millionen Franken für Kauf plus Umbau. Die Denkmalpflege habe ihre Zustimmung signalisiert. Sie redet ein Wörtchen mit, da Neu Schauenburg im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (Isos) des Bundesamts für Kultur eingetragen ist.

Der Verkäufer Thomas Willenegger ist zuversichtlich, dass der Deal zustande kommt. «Der Umbau trägt der historischen Substanz sehr gut Rechnung», sagt er. Der Zürcher lebte mit seinen Eltern dreissig Jahre lang auf Neu Schauenburg. Deshalb fühle er sich mit dem Gutshof eng verbunden. Zeit und Geld hätten beim Verkauf keine Rolle gespielt. Seit Jahren sucht er einen Käufer. Ein Interessent liess ein Vorprojekt für ein Hotel mit Restaurant und Seminarraum ausarbeiten. Das kam für Willenegger jedoch nicht infrage, weil der historische Wert durch die baulichen Eingriffe und die Idylle durch das Verkehrsaufkommen zerstört worden wären.

Bernet will seinen Gutshof im Schnellzugstempo umbauen. Nach den Sommerferien sollen die Arbeiten beginnen, im August will er einziehen und im Frühling soll alles fertig sein. Und dann wird weitergearbeitet. Als Gutsherr von Neu Schauenburg wird Bernet nicht nur die Natur geniessen. Im Büro seines prächtigen Anwesens in Pratteln wird er seine alten Pläne hervorholen. Sie lassen ihm keine Ruhe. Er ist überzeugt, dass es irgendwann doch noch klappen wird mit seinem letzten Projekt, dem Thermalbad in Lostorf.

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