Die weisse Knetmasse fühlt sich seltsam schwerelos und weich an. «Damit kannst du sogar in der warmen Stube einen Schneemann bauen. Der schmilzt dir nicht weg», sagt Benedikt Vonder Mühll zu dem Mädchen, das die Finger in die Masse gegraben hat. Das Bastelset wurde vom Basler Nicolas d’Aujourd’hui kreiert, und so ist es mit allen Geschenken, die in den Regalen des Café-Ladens «Radius 39» am Wielandplatz zu finden sind: Die Produkte kommen aus regionalen Kleinbetrieben, die maximal 39 Kilometer entfernt sind.

Seit zwei Jahren ist der Laden geöffnet, und Vonder Mühll sagt, dass das Konzept «nicht nur im Quartier» auf Anklang stosse: «Es findet ein Umdenken statt. Die Leute kaufen zwar gerne online die Geschenke, aber wir sehen anhand unserer Verkaufszahlen, dass auch regionale Produkte wieder beliebt sind.» Die Kunden schätzten deren Authentizität. Etwa jene der handgemachten Seifen aus Hornussen (39 Kilometer von Basel entfernt), wo sich die letzte Seifenfabrik der Schweiz befindet. Auch beliebt seien Gin aus dem Schwarzwald, Kerzen aus Basler Bienenwachs oder Keramikgeschirr der Baslerin Maria Sabrina, sagt Vonder Mühll.

Produkte, die wiederum online eingekauft werden, müssen allerdings nicht per se von weit her kommen. Tulay Kula verkauft ihren handgefertigten Schmuck unter anderem im Webshop ihres Labels Yoshiki – und dieser brumme, sagt die Basler Designerin: «Es gehen deutlich mehr Bestellungen ein als im 2014. Das ist fast schon krass.» Sie habe das Gefühl, dass die Leute bewusster einkaufen würden. «Sie suchen das Spezielle.» Unter ihren Kunden würden sich zur Weihnachtszeit hauptsächlich Männer finden, die ein Geschenk für ihre Frau oder Freundin bestellen.

Dass regionale produkte bei den Weihnachtsshoppern gut ankommen, wurde auch im Globus registriert. Geschäftsführer Roger Rittscher berichtet, dass der Kirschlikör «Basler Dybli» schon nach kurzer Zeit ein Bestseller sei. «Wir haben ihn ganz spontan erst diese Woche ins Sortiment genommen». Auch der iPad-Halter «Yohann» des Basler Labels Sillber verkaufe sich gut. Ob im Gegenzug Produkte internationaler Hersteller eingebüsst haben, kann Rittscher nicht sagen. «Wir merken aber, dass Spielzeug aus Plastik – auch, aber nicht nur aus China – dieses Jahr nicht so gefragt ist.»

Neben dem «Basler Dybli» feiert eine weitere lokale Spezialität ein Comeback: Der «Hypokras», ein gesüsster Gewürzwein, der traditionell kalt getrunken wird und warm wie Glühwein schmeckt. Er gehört in diesen Tagen zu den meistverkauften Produkten im Chrüterhüsli in der Gerbergasse. Inhaber Didier Rebetez sagt: «Die Leute suchen nach Hausspezialitäten.» Allerdings sei in diesem Jahr der schwache Euro spürbar. «Und das, obwohl unsere Produkte in Deutschland nicht erhältlich sind.»

Um die Einkaufskarawane ins Nachbarland aufzuhalten, lassen sich lokale Institutionen diverse Aktionen einfallen. Das Kulturbüro Basel ist in dieser Sache ein Pionier: Als vor vier Jahren die Euro-Franken-Parität erstmals fast erreicht wurde, verkaufte es zur Weihnachtszeit Geschenkpapier, das von lokalen Künstlern gestaltet wurde. Angie Ruefer, Leiterin des Kulturbüros, sagt, dass der Verkauf von Jahr zu Jahr besser laufe: «Die Leute nehmen teilweise gleich haufenweise Bögen mit.» Das Kulturbüro habe die Aktion lanciert, um die Akzeptanz gegenüber regionalen Produkten zu fördern – «und das muss nicht teuer sein». Fünf Bögen kosten fünf Franken; der Erlös kommt dem Kulturbüro zugute, das wiederum Kulturschaffende unterstützt. Neu in diesem Jahr gibt es auch ein Malbuch für Kinder zu kaufen, mit Illustrationen von Basler Künstlern und Grafikern. Beim Kauf eines Buchs erhält eines der derzeit rund hundert sich in der Durchgangsstation Basel-Stadt befindenden Flüchtlingskinder ein solches Malbuch geschenkt. Ruefer sagt: «Das ist Schenken mit einem guten Gefühl. So sollte es sein, gerade an Weihnachten.»

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