Die Mineralquelle und die Autobahn prägen das Bild von Eptingen, dem Baselbieter Ort am oberen Ende des Diegtertals. Dabei hat die Gemeinde eine Geschichte, deren erste Zeugnisse auf das siebte Jahrhundert zurückgehen. Im Spätmittelalter gehörten die Herren von Eptingen zu den bedeutenden Geschlechtern der Region. Doch das Wahrzeichen aus dieser Epoche ist versteckt und überwachsen.

Die erste Erwähnung eines Herren von Eptingen fand sich in einer Fälschung. In einer fingierten Schenkungsurkunde von 1189 für das Kloster Schöntal wurde Gottfried von Eptingen als Zeuge aufgeführt und als sein Wohnsitz die Burg in Eptingen. Andere urkundliche Quellen gibt es nicht, dafür reichlich bauliche Spuren, wie in der Darstellung von Walther Merz, «Die Burgen des Sisgaus» (1909–19014), nachzulesen ist. Insgesamt fünf Burgen baute das Geschlecht, drei auf dem Gebiet von Eptingen, zwei auf dem Gemeindebann von Diegten. Das grosse Erdbeben von 1356 brachte sie zum Einsturz.

Wild-Eptingen, wie die Burg Witwald zunächst benannt wurde, war der jüngste Bau auf einem vorspringenden Felskopf, der als einziger nach dem Erdbeben wieder aufgebaut wurde. Über die Generationen teilte sich die Familie in verschiedene Zweige. Sie zog komfortablere Wohnlagen dem Ende des Diegtertals vor. So war die Witwald schon im Zerfall, als sie die Ritter Hermann und Ludwig von Eptingen am 13. März 1487 nach einer langwierigen Fehde mit den Solothurnern für 550 Gulden der Stadt Basel verkauften.

Der Verfall nahm seinen weiteren Verlauf, da die expandierende Stadt mit der Neuerwerbung nichts anzufangen wusste. Mit der Zeit hauste nur noch ein Wächter in einem Stallgebäude. Zeitgenössische Stiche aus dem 17. Jahrhundert zeigen nur noch eine Ruine.

Die Familie Sarasin renovierte
1908 erwarb der Basler Rudolf Sarasin die Ruine. Er liess den Schutt wegräumen und legte die Mauerzüge frei, sofern diese noch vorhanden waren. Sein Architekt Max Alioth kartographierte die Anlage und festigte die Mauerstümpfe. Die Familie Sarasin hält bis heute Besitz im Ort, doch die Burganlage überwucherte. Das Betreten erfolgt mittlerweile auf eigenes Risiko, am Eingang stehen Warnschilder.

Dies soll sich nun ändern. Diese Woche wurde die Stiftung Burg Witwald gegründet, die zum Zweck hat, «den ehemaligen Stammsitz der Herren von Eptingen als geschichtlich sehr bedeutende Baute und kulturelles Wahrzeichen der Gemeinde Eptingen zu erhalten». Die Stiftung wird präsidiert von Christoph Reding, der in Eptingen wohnt und stellvertretender Aargauer Kantonsarchäologe ist. Gemeindeverwalter Thomas Marti ist ebenso vertreten wie dessen Bruder, der Baselbieter Kantonsarchäologe Reto Marti.

Die Renovation sanieren
Für 312 000 Franken soll zumindest der Erhalt der noch bestehenden Substanz gesichert werden. Auf Ausgrabungen wird verzichtet. Die Hälfte zahlt der Kanton über den Swisslos-Fonds, 100 000 Franken entrichten gemeinsam die Einwohner- und die Bürgergemeinde, 62 000 Franken steuert der Bund bei. Zuerst wird ausgeholzt, sagt Reto Marti. So könne die dauerfeuchte Ruine austrocknen.

Die grosse Arbeit wird jedoch sein, den in der ersten Sanierung verwendeten Zement zu entfernen. Ersetzt wird er durch einen ursprünglichen Mörtel, der zulässt, dass das einsickernde Wasser wieder abfliessen kann. Da die Fachleute noch mit der Renovation der Ruine Pfeffingen beschäftigt sind, werden die Arbeiten aber erst im Frühjahr 2018 starten können, sagt Kantonsarchäologe Marti.

Damit die Ruine wirklich zum Wahrzeichen der Gemeinde wird, bräuchte es mehr. Heinz Sommer vom örtlichen Naturschutz- und Verschönerungsverein hätte Ideen. Feste könnte man etwa in den Burgruinen abhalten. Die Stiftung könnte auch Schirmherrin aller fünf Standorte werden, an denen die Herren von Eptingen einst wirkten. Nur das Geschlecht selbst kann nicht mehr mitwirken. Die letzte Eptingerin war mit dem Luzerner Patrizier Ludwig von Sonnenberg vermählt und starb 1854.

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