Polizeidirektor Baschi Dürr (FDP) sagte es diese Woche in der «Neuen Zürcher Zeitung»: «Die Anzahl der eingesetzten Polizisten bei FCB-Heimspielen geht tendenziell zurück.» Dürr zitiert damit aus der ebenfalls diese Woche publizierten Antwort der Basler Regierung auf eine schriftliche Anfrage von Grossrat Samuel Wyss (SVP), in der es ebenfalls heisst: «Der Kostendeckungsgrad der Kantonspolizei nimmt zu.»

Dürrs Aussage ist allerdings nur gültig unter einem Blickwinkel, der alles ausgrenzt, was das schöne Bild trübt. Denn die Übersicht der vergangenen zehn Jahre zeigt vor allem, dass die Sicherheitskosten massiv und stetig gewachsen sind: von 1,7 Millionen Franken im Jahr 2003 auf 5,7 Millionen im vergangenen Jahr. Das ist eine Zunahme um 335 Prozent. Die Kosten für das Polizeiaufgebot pro Spiel stiegen in den vergangenen zehn Jahren von knapp 80 000 Franken auf rund 190 000 Franken.

Wo Dürr richtig liegt: Die Kosten eines Super-League-Spiels haben sich in den vergangenen Jahren auf einem Level zwischen 150 000 und 160 000 Franken pro Spiel stabilisiert. Der Erfolg des FCB führt aber dazu, dass immer mehr internationale Spiele in Basel ausgetragen werden. Und diese lassen die Sicherheitsausgaben in die Höhe schnellen.

Die ausführliche Datenlage, die der Kanton in der Beantwortung des Vorstosses von Wyss vorlegt, ist zudem nicht vollständig. Denn es fehlen die Aufwendungen, die von der Baselbieter Polizei geleistet werden. Zwischen 2003 und 2010 hatten die Baselbieter direkt eine Vereinbarung mit dem FC Basel und erhielten pro Stadionbesucher zwischen 33 und 40 Rappen. Damit sollte der Aufwand für die Verkehrsregelung abgegolten werden. Dann war Schluss mit einer transparenten Transferleistung.

2010 handelte das Basler Justiz- und Sicherheitsdepartement mit dem FC Basel einen neuen und umfassenden Deal aus. Demnach erhöhte der FCB seinen Beitrag an den Stadtkanton pro Besucher von 1.20 auf 1.80 Franken. Im Gegenzug verzichtete Baselland auf ein eigenes Inkasso. Die Abgeltung von Baselbieter Leistungen wurde zur internen Sache zwischen den beiden Kantonen.

Nico Buschauer, Sprecher der Baselbieter Polizei, erklärt, in einer Vereinbarung sei definiert, wie viele Mittel die Polizei Basel-Landschaft jeweils an den Heimspielen stellt. Abgegolten würden diese jedoch nicht, sagt Buschauer: «Diese Mittel werden im Grundsatz ohne Entschädigung zur Verfügung gestellt und gelten als unser Anteil an den Leistungen, die Basel-Stadt im Zusammenhang mit Fussballspielen erbringen muss.» Welchen Wert die geleisteten Mannstunden haben, kommuniziert die Polizei nicht. Anders behandelt werden Spiele der höchsten Risikostufen. Wenn Basel-Stadt zur Unterstützung Ordnungskräfte aus dem Polizeikonkordat anfordert, dann werden auch die Baselbieter Ordnungsdienst-Züge gemäss dem Ansatz des Polizeikonkordats Nordwestschweiz entschädigt. Basel-Stadt muss dafür jährlich zwischen 300 000 und 400 000 Franken aufwenden.

Der FCB stellt sich auf den Standpunkt, mit 1.80 Franken für jeden Besucher, der das Drehkreuz des Stadions passiert, einen angemessenen Beitrag an die Unkosten der öffentlichen Hand zu leisten. Nur: Lag dieser Kostendeckungsbeitrag im Jahr 2003 noch bei 34 Prozent, so dümpelt er seit der Neuordnung der Abgeltung zwischen 12 und 15 Prozent. Wenn Dürr eine Zunahme der Kostendeckung verspricht, so bezieht sich dies auf die nationale Meisterschaft. Bei diesen Spielen trägt der Fussballclub knapp 20 Prozent der entstehenden Sicherheitskosten. Die internationalen Spiele machen dem Polizeidirektor einen Strich durch die Rechnung.

Mit dem Pauschalbeitrag des FCB pro Besucher werden zudem nicht nur die Sicherheitskosten abgegolten. Aus diesem Topf werden auch der SBB-Shutt-le (4000 Franken pro Spiel), die Sanität (mindestens 1500 Franken) und selbst die Mehrwertsteuer bezahlt. Die Abgaben des Clubs an den Kanton haben sich lediglich von 760 000 Franken (Jahr 2003) auf 1,2 Millionen Franken im absoluten Spitzenjahr 2013 erhöht.

In keinem Verhältnis stehen die Zahlungen zu den Gewinnen, die der Fussballclub in diesen Jahren erzielen konnte. Nach einem tiefen Loch im Jahr 2009 von knapp sieben Millionen Franken, stiegen sie an auf 14,9 Millionen Franken im Jahr 2012 und auf 11,8 Millionen Franken im vergangenen Jahr. Der internationale Erfolg füllt die Kasse des FCB, leert aber jene des Staates für die Sicherheitskosten.

Ein Beitritt von Basel-Stadt und Baselland zum Hooligan-Konkordat, wie es eine diese Woche gestartete Initiative fordert, hätte keine direkten Folgen auf die Sicherheitskosten. Die Diskussion in Deutschland, wo diese Woche die Bundesliga-Saison startet, zeigt, dass die Fussballclubs aus anderen Gründen unter Druck kommen. Das Bundesland Nordrhein-Westfalen etwa hat aus Spargründen angekündigt, versuchsweise auf das Grossaufgebot von Polizisten zu verzichten. Es stellt lediglich noch schnelle Eingreiftrupps bereit, die in Notfällen intervenieren können.

Würde Dürr nach gleicher Methode verfahren, könnte er nicht nur einen «tendenziellen» Rückgang von Polizisten an FCB-Heimspielen konstruieren, sondern auch eine signifikante Einsparung verkünden.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper