Im Baselbiet haben in diesem Jahr durchschnittlich vier Personen pro Tag einen Waffenerwerbsschein beantragt. Bis im Juni 2016 stellten die Behörden fast 800 Waffenerwerbsscheine aus. So viele wurden 2012 insgesamt bewilligt. Doch nicht nur im Baselbiet rüsten Privatpersonen auf: Der gleiche Trend zeigt sich in Basel-Stadt. Auch hier nahm die Zahl der ausgestellten Waffenerwerbsscheine in den vergangenen Jahren kontinuierlich zu. 2012 bewilligten die Basler Beamten 355 dieser Lizenzen; im vergangenen Jahr waren es bereits 484. Damit dürfen Private Pistolen, Revolver oder halbautomatische Gewehre kaufen und zu Hause aufbewahren.

Höhere Waffendichte in Basel
Die Anzahl der registrierten Waffenbesitzer steigt. Doch wie viele Waffen tatsächlich in den Haushalten liegen, ist unklar. Das hat verschiedene Gründe. Zieht jemand aus einem anderen Kanton nach Basel-Stadt oder ins Baselbiet, muss die Waffe nicht in den hiesigen Waffenbüros gemeldet werden. Zudem war der Erwerb vor Dezember 2008 nicht meldepflichtig. Wie der Baselbieter Polizeisprecher Meinrad Stöcklin sagt, sei daher «eine seriöse Aussage» nicht möglich. In der Baselbieter Waffendatenbank sind um die 19 200 Exemplare registriert. Rund zwei Drittel sind Pistolen und Revolver; ein Drittel machen Handfeuerwaffen wie Jagd- und Sportgewehre aus. Im Gegensatz zum Baselbiet kann Basel-Stadt keine Auskunft zu den verschiedenen Waffentypen geben. Stützt man sich auf die Zahl der registrierten Waffen, ist die Waffendichte in der Stadt aber weitaus höher als auf dem Land. In Basel sind rund 35 000 Waffen erfasst.

Waffe zur Verteidigung
Auch wer seine Waffe als Sportgerät nutzt, braucht einen Erwerbsschein. Benjamin Haberthür ist Präsident des basel-städtischen Schützenverbands. Er profitiert nicht vom Waffentrend: «Obwohl sich vermehrt Jüngere für den Schiesssport interessieren, sind die Zahlen der Sportschützen in Basel rückläufig. Ein Zusammenhang mit der Zunahme der Waffenerwerbsscheine besteht nicht», sagt Haberthür. Er vermutet, dass eine wachsende Verunsicherung in der Bevölkerung der Grund für den Anstieg sei. Eine zunehmende Angst bei seinen Kunden beobachtet auch Daniel Wyss, Präsident vom Schweizerischen Büchsenmacher- und Waffenfachhändlerverband. Wie er sagt, hätten die Verkaufszahlen seit dem vergangenen Herbst «spürbar zugenommen». Vor allem Revolver, Pistolen und Pump-Actions seien gefragt. «Private kaufen Waffen, um sich im Notfall verteidigen zu können», sagt Wyss. Diese Woche hätte beispielsweise ein Neukunde sein Geschäft aufgesucht, weil es in seinem Quartier mehrere Einbrüche gegeben habe. Daneben sieht Wyss einen Zusammenhang mit den Terroranschlägen in Europa, die viele Menschen auch hierzulande verunsichern würden. Wer allerdings eine Waffe besitzt, darf diese nicht ausserhalb seiner vier Wände geladen mit sich tragen. Dafür braucht es einen Waffentragschein. «Für Privatpersonen ist es nahezu unmöglich, einen solchen Schein zu erhalten», sagt Wyss.

Der Waffenfachhändler stellt fest, dass es sich bei den meisten neuen Kunden um Männer im Alter zwischen 30 und 50 Jahren handelt, die in der Regel selber noch keine Bedrohungssituation erlebt hätten. Anders sei dies jedoch bei Frauen: «Sie kaufen sich in der Regel eine Waffe aufgrund eines körperlichen oder sexuellen Angriffs», sagt Wyss. Der Verbandspräsident betont, dass Waffenfachhändler mit neuen Kunden stets besprechen müssten, ob eine Feuerwaffe tatsächlich das «richtige Mittel gegen ihre Ängste» sei. Wer keine Erfahrung im Umgang mit Waffen habe, dem empfehle er nachdrücklich, einen Kurs zu besuchen.

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