Von Valentin Kressler

Der Roche-Turm wächst von Tag zu Tag in die Höhe und verändert das Basler Stadtbild schon jetzt markant, obwohl er noch lange nicht fertig gebaut ist. Politische Diskussionen über das Hochhaus gab es keine. Ganz anders beim Grossbasler Rheinuferweg zwischen Wettsteinbrücke und Mittlerer Brücke, der das Stadtbild weit weniger tangieren würde. Ein eigens gegründeter Verein «Unser Stadtbild» läuft Sturm gegen die Initiative des früheren Grossratspräsidenten Daniel Goepfert (SP), über die am 18. Mai abgestimmt wird. Sogar eine aufwendig produzierte Zeitung wurde an die Haushalte verteilt. Insgesamt wirft der Verein rund 70 000 Franken für die Abstimmung auf.

An vorderster Front engagiert sich Vereinspräsident Christian Eich (42), der seit 2011 auch der Freiwilligen Basler Denkmalpflege vorsteht. Es ist dies der erste gewichtige öffentliche Auftritt des Wirtschaftsanwalts, der sonst Diskretion gross schreibt. Weshalb aber setzen sich Eich und die Freiwillige Denkmalpflege so vehement gegen den Rheinuferweg ein? Vor zwei Jahren bereits gab die Freiwillige Denkmalpflege das Buch «Konfliktzone Münsterhügel» heraus, um gegen Goepferts Initiative Stimmung zu machen. Sie ist ein privater Verein, der 1913 gegründet wurde und heute rund 450 Mitglieder zählt. Gemäss den Statuten bezweckt sie insbesondere die «Erhaltung schützenswerter Bauten im Gebiet des Kantons Basel-Stadt».

«Der Rheinuferweg tangiert unser Kerngeschäft», sagt Eich. Beim Münsterhügel gehe es zudem «um die Seele der Stadt Basel», sagt er. «Wenn die Abschaffung der AHV zur Diskussion stehen würde, würden die Gewerkschaften auch auf die Barrikaden gehen und einen Abstimmungskampf entsprechend grosszügig unterstützen.»

Die Freiwillige Denkmalpflege stand bisher im Schatten des Heimatschutzes, der ebenfalls dem Verein «Unser Stadtbild» angehört. Im Gegensatz zum Heimatschutz, der unter seinem langjährigen Obmann Robert Schiess forsch und polemisch auftritt, agiert die Freiwillige Denkmalpflege in der Regel zurückhaltend und sachlich – und wird damit kaum wahrgenommen. In den vergangenen zwölf Monaten reichte der Verein nur eine einzige Einsprache ein.

«Wir agieren bewusst so zurückhaltend. Das entspricht unserem Stil», sagt Eich. Den Heimatschutz will er nicht kritisieren. «Wir haben grundsätzlich ein gutes Verhältnis und sind in vielen Fragen gleicher Meinung.» Indirekt übt er dennoch Kritik, wenn er sagt, eine Stadt müsse sich auch weiterentwickeln können und die Freiwillige Denkmalpflege wolle sich auf die wirklich wesentlichen Geschäfte konzentrieren. «Wir sind nicht gegen jeden Hafenkäse.»

Die Abstimmung über den Claraturm Ende 2013 illustriert die unterschiedliche Ausrichtung der beiden Organisationen. Zusammen haben sie bis vor Bundesgericht für die Unterschutzstellung der Warteck-Häuser gekämpft. Während der Heimatschutz nach der Niederlage in Lausanne das Referendum unterstützte, beschloss die Freiwillige Denkmalpflege, sich aus dem Abstimmungskampf herauszuhalten. «Das war nicht mehr unsere Aufgabe. Beim Claraturm ging es nicht mehr in erster Linie um eine denkmalschützerische, sondern um eine städteplanerische Frage», sagt Eich. Andere Mitglieder der Freiwilligen Denkmalpflege wählen deutlichere Worte und bezeichnen die Fundamentalopposition des Heimatschutzes als «bizarr» und Schiess als «Stahlhelm».

Unterschiedlich agieren die beiden Organisationen auch beim Neubau des Klinikums 2 des Universitätsspitals. Klammheimlich hat die Freiwillige Denkmalpflege dieser Tage eine Einsprache gegen die Planauflage eingereicht, wie Eich bestätigt, da die Baudenkmäler Predigerkirche, Klinikum 1 sowie Markgräfler- und Holsteinerhof beeinträchtigt würden. Schiess dagegen hatte bereits im Juni 2013 mit markigen Worten verlauten lassen, er wolle das Projekt der Zürcher Architekten Giuliani und Hönger mit allen Mitteln verhindern.

Gar keine Rolle im öffentlichen Diskurs spielt die neu von Martin Boos präsidierte Stiftung für das Basler Stadtbild. Die dritte private Organisation, die sich dem Schutz des Stadtbilds verschrieben hat, gehört zwar auch dem Verein «Unser Stadtbild» an. Die 1977 gegründete Stiftung ist seit Jahren aber nicht mehr in Erscheinung getreten. Im Stiftungsrat sitzt auch Thomas Lutz, stellvertretender Leiter der staatlichen Denkmalpflege, die sich vor der Abstimmung zum Rheinuferweg offiziell nicht äussern will. Lutz sagt, er trete in der Stiftung in den Ausstand, wenn hängige Geschäfte betroffen seien. Er überlege sich zudem, die Stiftung zu verlassen.

Trotz des riesigen Engagements der Stadtbildschützer ist Eich beim Grossbasler Rheinuferweg wenig zuversichtlich. «Per heute gehe ich davon aus, dass die Initiative angenommen wird», sagt er. «Es wird aber relativ knapp. Wir holen auf und können das Blatt noch wenden, deshalb kämpfen wir.»

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