Der Interdiscount XXL «Märthof» in Basel ist dem Mutterkonzern Coop eine ganze Spur zu gross geworden. Auf dem Immobilienportal Homegate findet sich ein Inserat, wonach am Marktplatz «3251 Quadratmeter Flächen zur gewerblichen Nutzung» zur Vermietung ausgeschrieben sind. Coop als Eigentümerin der Liegenschaft schreibt: «Die Mietflächen befinden sich im ersten bis dritten Obergeschoss mit Sicht auf die historische Altstadt und sind für Kunden durch Fahrtreppen und Aufzüge erschlossen.»

Auf Anfrage will Coop das Inserat nicht kommentieren. Sprecher Urs Meier sagt: «Zu strategischen Fragen äussern wir uns nicht öffentlich. Wir informieren zu gegebener Zeit.» Ein Insider sagt dazu: «Das Geschäft am Marktplatz galt schon länger als überdimensioniert.» Wenn man bedenke, dass gerade grosse und sperrige Artikel wie Flachbildfernseher zunehmend nicht mehr im Shop gekauft, sondern im Internet bestellt und nach Hause geliefert werden, sei dies «ein logischer und überfälliger Schritt».

Insgesamt handelt es sich beim «Märthof» um 4000 Quadratmeter Verkaufsfläche – damit bleiben nach erfolgter Vermietung noch 1000 Quadratmeter. Der Insider geht davon aus, dass der Interdiscount im Parterre und Untergeschoss weiterhin präsent sein wird, allerdings mit stark verkleinertem Sortiment, «also mit Produkten für den täglichen Bedarf wie Batterien, Spiele aller Art oder Wasserkocher».

Eröffnet wurde der Interdiscount im 2004, ein Jahr nachdem der Media Markt im Bahnhof einzog. Zuvor befand sich im Gebäude am Marktplatz seit 1978 ein Coop-Warenhaus, das von den Baslern schlicht «Märthof» genannt wurde. Nach einem Strategiewechsel führte Coop das Sortiment des «Märthofs», der auf den Wohn- und Haushaltssektor spezialisiert war, und jenes des Modehauses Pfauen im 2002 an der Freien Strasse zusammen. Es kam zur Aufgabe des Warenhauses am Marktplatz – auch, weil der Detailhändler durch den Aufkauf der EPA an der Falknerstrasse sich nun in unmittelbarer Nähe selbst konkurrenzierte.

Der «Märthof» befindet sich an einer der besten Lagen der Innenstadt. Das Gebäude wurde 1894 nach dem Abriss der alten Wirtschaft «Zur Brodlaube» erstellt. Anfang der 1970er-Jahre sollte der «Märthof» durch einen Neubau ersetzt werden, gegen das sich Denkmalschützer und Bevölkerung erfolgreich wehrten: 1976 lehnte das Basler Stimmvolk das als «hässliche Kaufhauskiste» verschriene Projekt ab.

Vor der Eröffnung des XXL-Shops im 2004 wurden zwei kleinere Interdiscount-Geschäfte in der Innenstadt geschlossen. Zu Entlassungen kam es damals nicht, weil die betreffenden Angestellten am Marktplatz weiterbeschäftigt wurden. Die Frage, ob es bei der aktuell anstehenden Schrumpfkur zu Entlassungen kommen wird, liess Coop ebenfalls unbeantwortet. Aktuell beschäftigt der Interdiscount «Märthof» rund vierzig Personen.

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