Von Valentin Kressler

Anfang Jahr wurde der Druck zu gross. In einer Mitteilung bestätigte die SP Baselland, dass der angeschlagene und zunehmend dünnhäutig reagierende Bildungsdirektor Urs Wüthrich bei den Regierungsratswahlen im Februar 2015 auf eine erneute Kandidatur verzichtet. Umgehend kam das Kandidatenkarussell in Gang. Einige – allen voran Präsidentin Pia Fankhauser – sagten ab. Die meisten hielten sich jedoch bedeckt. Schon bald interessierten sich die Medien nicht mehr für die Wüthrich-Nachfolge.

Dabei hat das Kandidatenkarussell in den vergangenen Wochen richtig Fahrt aufgenommen. Hinter den Kulissen bringen sich die Interessenten in Position und loten parteiintern ihre Chancen aus. Vier mögliche Kandidaten präsentierten sich Ende März bereits vor den Sektionen Binningen und Bottmingen: Christoph Hänggi, Daniel Münger, Regula Nebiker und Mirjam Würth.

Würths Interesse kommt nicht überraschend. Die Landrätin macht keinen Hehl aus ihren Ambitionen. Bereits Anfang 2013, unmittelbar nach der Nomination von Eric Nussbaumer für die Ersatzwahl für Adrian Ballmer (FDP), hatte sie angekündigt, 2015 antreten zu wollen. Der verzweifelt wirkende Auftritt kam nicht nur gut an. Ebenfalls gerechnet werden musste mit Münger. Der Zentralsekretär der Gewerkschaft Syndicom zählte bis zu seinem Ausscheiden aus dem Landrat Ende 2013 zu den auffälligen Parlamentariern. Eine Nomination erschweren wird ihm seine Nähe zur Wirtschaftskammer.

Eher überraschend dagegen ist das Interesse der beiden Parteivizepräsidenten Nebiker und Hänggi. Nebiker, Stadträtin in Liestal und Tochter des früheren SVP-Nationalrats Hans-Rudolf Nebiker, äusserte sich bisher stets zurückhaltend. Jetzt sagt sie: «Dieses Amt interessiert mich. Ich denke, dass ich etwas einbringen kann.» Hänggi, seit 2009 im Landrat, gehört zu den Hinterbänklern im Parlament. Gemäss Beobachtern präsentierte er sich vor den Sektionen Binningen und Bottmingen jedoch am offensivsten. «Ich stehe zur Verfügung, wenn die Delegiertenversammlung sich für mich entscheidet», sagt er.

Präsidentin Fankhauser will sich derzeit nicht zu Namen äussern. «Die Interessenten sollen möglichst frei entscheiden können, ob sie definitiv kandidieren oder sich doch wieder zurückziehen wollen», sagt sie. Fankhauser bestätigt aber, dass die Wüthrich-Nachfolge «Tempo aufgenommen» habe. «Diverse Politiker haben Interesse bekundet an einer Kandidatur – Männer wie Frauen.»

Die Nominationsversammlung wird auf den 28. August vorverschoben. «Wir wollen genügend Zeit haben, um Leute, die man in der Öffentlichkeit noch nicht so gut kennt, bekannt zu machen», sagt Fankhauser. Ursprünglich war die Nomination erst im November vorgesehen. Die Sektionen haben nun bis Ende August Zeit, um Kandidaten vorzuschlagen. Offen ist, ob die SP mit einer Einer- oder Zweierkandidatur antritt. Fankhauser selbst befürwortet eine Doppelkandidatur. Dies sei aber nicht als Angriff gegen eine bestimmte Partei zu verstehen, sondern im Sinne einer Vorwärtsstrategie, sagt sie. «Wir fordern in vielen Bereichen ein anderes Baselbiet und haben mehrere gute Leute, um dieses Ziel zu erreichen.»

Hänggi, Münger, Nebiker und Würth sind nicht die einzigen möglichen Kandidaten. Auch Fraktionspräsidentin Kathrin Schweizer und die Laufner Stadträtin Sabine Asprion überlegen sich nach wie vor eine Kandidatur. Asprion äussert sich nun allerdings zurückhaltender als noch Anfang Jahr.

Einen Favoriten für die Wüthrich-Nachfolge gibt es nicht. Anders ist die Ausgangslage, wenn sich Nationalrat Nussbaumer doch noch zu einer erneuten Kandidatur entschliessen sollte. Nach seiner bitteren Niederlage bei der Ballmer-Ersatzwahl hatte er schon abgesagt. Nun hält er sich wieder alle Optionen offen. «Ich entscheide über eine mögliche Kandidatur, wenn die Zeit es verlangt und wenn alle Gespräche geführt sind», sagt er. Nussbaumer weiss: Wenn er will, ist er gesetzt. Der Nationalrat steht vor einem schwierigen Entscheid: Er muss sich überlegen, ob er nicht lieber im Herbst 2015 für den Ständerat kandidiert, falls Claude Janiak auf eine Wiederwahl verzichten sollte.

Egal mit wem die SP bei den Regierungsratswahlen antritt: Fest steht schon jetzt, dass die Partei den Wahlkampf im Alleingang bestreiten muss. Sicherheitsdirektor Isaac Reber (Grüne) hatte in der «Basler Zeitung» verlauten lassen, er wolle alleine antreten. Fankhauser sagt, dies sei zwischen SP und Grünen so abgesprochen worden und für beide Seiten eine «gute Strategie». Sie verweist darauf, dass SP und Grüne schon bei den Wahlen 2011 keinen gemeinsamen Wahlkampf führten und sowohl Wüthrich als auch Reber gewählt wurden. «Die Wähler wollen wissen, für was die einzelnen Kandidaten einstehen», sagt sie. «Bei einem Alleingang ist dies einfacher zu vermitteln als bei einem Päckli.»

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