Es war im Sommer 2011, als Besetzer das alte Kinderspital am Rheinufer und den Voltaplatz temporär in Festbetriebe für Kurzentschlossene verwandelten. Im Frühjahr 2012 diente die ehemalige Grosspeteranlage ein paar Nachtschwärmern als Club. Einen Monat später verabschiedeten sich ein paar Dutzend Vermummte steinewerfend und ein paar hundert Friedliche tanzend vom NT-Areal in Basel Nord als öffentlichem Veranstaltungsort.

Kurz vor der unbewilligten NT-Party hatten sich Tausende junge Menschen aus der ganzen Schweiz in der Berner Innenstadt freigetanzt und forderten ihr «Recht auf Party». Die «Neue Zürcher Zeitung» sprach von einem Happening «zwischen Demonstration wider die Übermacht des Bewilligungswesens und ausgelassenem Sommernachtsfest». Der Kampf für das Recht auf Party sei politisch, resümierte die «Tageswoche». Eine Diskussion über den Anspruch auf das Feiern im öffentlich Raum entstand.

Tatsächlich schaffte es der kurzfristig aufgekommene Wunsch nach mehr Feiern unter freiem Himmel bis in die Verwaltung. Die Stadt Zürich lancierte im April 2012 ein Pilotprojekt mit Jugendbewilligungen, die für Partyorganisatoren vereinfacht ausgestellt werden sollten. Der Ruf nach einer derartigen Jugendbewilligung wurde rasch auch in Basel laut. Die Jungparteien lancierten gemeinsam eine Petition. SP-Grossrätin Salome Hofer reichte eine Motion im Grossen Rat ein, welche an die Regierung überwiesen wurde.

Schliesslich entschied sich die Basler Regierung aber gegen eine spezielle Jugendbewilligung, versprach allerdings, im Rahmen des neuen Gesetzes über die Nutzung des öffentlichen Raumes, genannt Nörg, das Bewilligungsverfahren generell zu vereinfachen und Jugendliche speziell in ihren Anliegen zu unterstützen.

Seit Anfang Jahr ist das Nörg nun in Kraft. Und um die lauten Nachtschwärmer ist es ruhig geworden. Es gibt keine Berichte über illegale oder neue bewilligte Veranstaltungen auf der Allmend. Die Veranstaltungen für Jugendliche und junge Erwachsene, die traditionell stattfinden, seien wie in den vergangenen Jahren bewilligt worden, sagt André Frauchiger, Mediensprecher des Tiefbauamtes. Es seien allerdings kaum neue Gesuche eingegangen.

Noch ist nicht abschliessend definiert, von wem und wie die grossen öffentlichen Plätze in Basel künftig genutzt werden dürfen. Frauchiger sagt: «Denkbar ist möglicherweise die Schaffung von Kontingenten für Jugendveranstaltungen.»

Dass dieser Sommer bisher ohne aussergewöhnlichen Partylärm vonstatten ging, ist auch den damals federführenden Politikern aufgefallen. Von jugendlichen Nutzern, die konkret vom vereinfachten Bewilligungsverfahren Gebrauch gemacht haben, haben weder die beiden SP-Grossrätinnen Salome Hofer und Sarah Wyss noch die Jungparteipräsidenten Carol Baltermia (FDP) und Pascal Messerli (SVP) Kenntnis. Baltermia und Messerli zeigen sich aber erfreut, dass keine illegalen Partys mehr für Schlagzeilen sorgen. Auf diese, sagt Hofer, hätte man mit dem neuen Bewilligungswesen jedoch ohnehin keinen Einfluss nehmen können.

Bezüglich der staatlich abgesegneten Partys glaubt Wyss, dass sich das Nörg eben erst noch etablieren müsse. Dieser Meinung ist auch Dominik Lüthi vom Basler Jungen Rat. Er gehe davon aus, dass die Bewilligungen ansteigen würden, sobald das vereinfachte Verfahren bekannter sei, sagt er. Ausserdem seien die Mitglieder des Rates der Ansicht, dass grössere Projekte eher am mangelnden Freiraum als am Bewilligungsverfahren scheitern würden.

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