Am Donnerstag trat Dr. Daniele Ganser an der Universität Witten/Herdecke bei Dortmund auf. Für zehn Euro konnten sich die Studenten das Referat des ehemaligen Lehrbeauftragten der Universität Basel anhören. Der Titel: «Fakten, Meinungen, Propaganda – Wie mache ich mir selbst ein Bild?».

Der Vortrag wurde zum Politikum. Die lokale SPD und die Grünen schrieben einen offenen Brief. Sie forderten die Universität dazu auf, Ganser auszuladen und sich von ihm und seinen Thesen zu distanzieren. Ganser stuft Verschwörungstheorien zu 9/11 als ernsthaft zu diskutierende Erklärungsansätze ein. Die linken Parteien betonten, dass sie zwar für Meinungsfreiheit seien, aber die «Verschwörungstheoretiker-Szene», in der sich Ganser bewege, für einen passenderen Rahmen für «seine abwegigen Thesen» hielten. Die Parteien zitieren einen Bericht der «Schweiz am Sonntag», in dem der ehemalige Basler Uni-Rektor Antonio Loprieno Gansers Thesen zu 9/11 dieselbe empirische Wahrscheinlichkeit beimisst wie der Theorie, dass Ausserirdische die ägyptischen Pyramiden gebaut haben könnten. Gansers Thesen seien ungefähr so seriös wie die Erich von Dänikens, schlussfolgern die Politiker.

Bei früheren Vorträgen habe Ganser den Rat geäussert, auf Youtube statt in den Abendnachrichten nach Informationen zu suchen. Diese Argumentation entspreche dem Pegida-Spruch «Lügenpresse halt die Fresse!», nur dass Ganser es auf eine vornehmere Art und Weise ausdrücke, heisst es im offenen Brief.

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