Die Basler Regierung verfolgt das Projekt, auf der Klybeckinsel zwei Fussballfelder zu bauen – auf Kosten der Wagenplatz-Leute, die dort eine halbmobile Barackensiedlung als alternativen Wohn- und Kulturort betreiben. Die «Schweiz am Sonntag» berichtete darüber.

Den Entscheid soll die Regierung am kommenden Dienstag fällen. Doch das Datum, der 1. April, verleitete selbst die betroffenen Wagenplatz-Bewohner zum Glauben, die Zeitung verbreite einen verfrühten Scherzartikel. Zu unwahrscheinlich schien ihnen, dass es die Regierung mit ihrer Idee ernst meine.

Die bisher kundgetanen Meinungen sind derzeit weitgehend ablehnend. Die Linkspartei Basta mit Klybeckaktivistin Heidi Mück sieht die «Wagenburg schon wieder bedroht». Quartierorganisationen, die eine Petition eingereicht haben, um über eine Passerelle einen direkten Zugang zum Rhein zu erhalten, möchten auf Anfrage weiterhin an einen 1.-April-Scherz glauben. Gegenüber der «Basler Zeitung» drohte Quartierpräsident Georges Böhler sogar mit einer Einsprache.

Dass der Wagenplatz weite Unterstützung geniesst, erschliesst sich auch aus der im Internet publizierten Liste der Supporter, darunter zahlreicher Grossräte von links bis rechts. Aufgeführt ist unter anderen die grünliberale Grossrätin und Regierungsratskandidatin Martina Bernasconi.

Allerdings meint Bernasconi gegenüber der «Schweiz am Sonntag», sie könne sich nicht erklären, wie sie auf diese Liste gekommen sei. Sie habe zwar sehr wohl Sympathien für die Wagenplatz-Bewegung, doch sie halte das Projekt für Fussballplätze für sehr bedenkenswert. Dies sei eine spannende Sache. Sie habe eine hohe Toleranz für den Wagenplatz, «bis eine gute Idee vorliegt».

Grossrat Lukas Engelberger, Kandidat der CVP für den Regierungssitz, begrüsst die Fussballfeld-Idee ebenfalls. Bedingung sei allerdings, dass die Plätze dem Quartier und dem Breitensport zugute kämen. Bedingungslose Unterstützung findet die Regierung beim dritten Kandidaten, SVP-Grossrat Eduard Rutschmann. Dieser sagt: «Sport ist alleweil besser als ein solcher Wagenplatz.»

Widerspruch erhält Rutschmann von seinem Parteikollegen und Grossrat Alexander Gröflin, der sich ebenfalls auf der Liste der Supporter findet. Beim Wagenplatz handle es sich nicht um eine Dauerlösung, doch soll er bleiben können, bis eine «ernsthafte Nutzung» erfolge. Im Plan eines Fussballplatzes erkennt Gröflin die Strategielosigkeit des Kantons. Er votiert dafür, dass statt weiterer Zwischennutzungen das Areal möglichst rasch für eine Bebauung mit Wohnungen und für das Gewerbe freigegeben werde.

Die Verwaltung hüllt sich in Schweigen. Indizien weisen darauf hin, dass die Fussball-Idee im Erziehungsdepartement geboren wurde. Allerdings nicht im dazugehörigen Sportamt, dessen Leiter, Alt-SP-Grossrat Peter Howald, sich auf Tauchstation begeben hat. Ob mit oder ohne Fussballplatz: Zu einer Begrünung des Ortes soll es nun ohnehin kommen. Die Wagenplatz-Aktivisten haben für heute Sonntag zu einer Demonstration aufgerufen – mit anschliessender Bepflanzung der Hafenbrache.

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