Von Valentin Kressler

Beim FC Basel befindet sich nicht nur die erste Mannschaft unter ihrem neuen Trainer Paulo Sousa in einem Veränderungsprozess mit unabsehbarem Ausgang. Auch das gastronomische Angebot im St. Jakob-Park ist im Umbruch. Mitte Dezember wird das «Uno» geschlossen, das Restaurant muss einer VIP-Lounge weichen. Dies berichtete die «bz Basel» vergangene Woche und sorgte damit für Unruhe im Umfeld des FCB.

Es wird dies voraussichtlich nicht die einzige Änderung für die Matchbesucher bleiben. Grössere Auswirkungen haben dürfte, dass der FCB mehreren Catering-Betreibern im St. Jakob-Park gekündigt hat. Dies bestätigt Mediensprecherin Andrea Roth gegenüber der «Schweiz am Sonntag». Während der FCB-Spiele haben rund 30 Verpflegungsstände geöffnet. Zu den Betreibern gehören neben der Berchtold Catering AG, die seit Mitte Jahr offiziell für die gesamte Gastronomie im Stadion zuständig ist, auch der FC Concordia Basel sowie die Firmen Foodliner, Pizza Blitz und Miba Manser.

Treibende Kraft hinter den Veränderungen ist der Deutsche Frank Wassermann, der zuvor für das Catering in der Allianz-Arena in München verantwortlich war. Wassermann ist seit Anfang September Präsident und Delegierter des Verwaltungsrats der Berchtold Catering AG. Doch der FCB behält auch bei der Gastronomie die Fäden in der Hand. Während Präsident Bernhard Heusler aus dem Verwaltungsrat der Berchtold Catering AG ausgeschieden ist, gehört Finanzchef Stephan Werthmüller dem Gremium weiterhin an.

Wie es mit dem Catering-Betrieb im St. Jakob-Park weitergeht, ist offen. Gespräche zwischen der Berchtold Catering AG und den Standbetreibern über die Zukunft sind angelaufen. Auch mit dem FC Concordia, obwohl der langjährige Betreiber gemäss Präsidiums-Mitglied Thomas Steinemann von den Kündigungen nicht betroffen ist. Steine-mann äussert sich vorsichtig – und kompromissbereit. «Wir sind offen für Veränderungen», sagt er, «Wichtig ist, dass der Kunde im Vordergrund steht.» Hinter vorgehaltener Hand sind aus den Reihen der Betreiber aber auch kritische Stimmen zu hören. Der FCB übertreibe, wenn er nun auch noch beim gastronomischen Angebot Champions-League-Niveau erreichen wolle, heisst es. Oder: Der FCB wolle bei der Gastronomie möglichst viel Profit herausschlagen. Befürchtet wird ein «Einheitssortiment», wie das in anderen Fussball-Stadien bereits der Fall ist. FCB-Sprecherin Roth beschwichtigt. Die Kündigungen würden nicht bedeuten, «dass die Stände im Rahmen des neuen Konzepts künftig nicht von den gleichen Institutionen betrieben werden können», sagt sie.

Während die Umwälzungen im St. Jakob-Park für Aussenstehende überraschend kommen, wurden sie von Beobachtern erwartet. Anfang Jahr hatte der FCB die Basel United AG, die bisherige Stadionbetreiberin, geschluckt. Nur ein halbes Jahr später gab er mit viel Vorschusslorbeeren die Verpflichtung von Wassermann bekannt («einer der kompetentesten Caterer im Sportbereich») und stellte ein neues Catering-Konzept in Aussicht. Per Anfang Juli 2014 werde die gesamte Gastronomie im Stadion «neu ausgerichtet», hiess es damals in einer Mitteilung etwas verklausuliert. Dabei würden auch die Verhältnisse zu den Standbetreibern im Stadion «eine Neuregelung erfahren».

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