Dem Vorwurf, das Gewerbe auf Stadtgebiet abzuwürgen, will sich Basel-Stadt nicht aussetzen. Dazu ist die Lobby des Gewerbeverbandes zu mächtig, die sich im Grossen Rat mit verschiedenen parlamentarischen Vorstössen schon starkgemacht hat für Gewerbeflächen auf Stadtgebiet. Der Kanton kauft deshalb Land und gibt es im Baurecht ab, so auf dem Lysbüchel, aber auch an der Neudorfstrasse bei der Kehrichtverbrennungsanlage, wo zuvor die Villa Roseau stand.

Das Projekt Neudorfstrasse ist im ersten Anlauf allerdings gescheitert: Es haben sich nicht genügend Gewerbetreibende gefunden, die das 40-Millionen-Franken teure Projekt gemeinsam gestemmt hätten. Dies war der Plan, den der Kanton zusammen mit dem Gewerbeverband ausgeheckt und im vergangenen Herbst kommuniziert hatte. Das beauftragte Büro Dietziger Partner Baumanagement wartete auf Interessenten. Ende März wollte ein zwölfköpfiges Gremium aus Verwaltung und Gewerbe eine Vorauswahl treffen und Ende Mai den Zuschlag erteilen. Geschäftsführer Pierre Dietziger sagt, es hätten sich sehr wohl Gewerbebetriebe gemeldet und würden auch gerne als Mieter einziehen. Doch um sich als Gruppe zu formieren und um die Investitionen zu finanzieren, sei das Projekt zu gross und zu komplex. Das Gewerbehaus Riehen, das man als Vorbild genommen habe, sei eben deutlich kleiner.

Der Kanton hat nun reagiert und einen zweiten Anlauf gestartet. Die Basler Regierung beschloss diese Woche, was sie beschönigend als «zweite Phase» bezeichnete. Um den Gewerblern eine pfannenfertige Lösung präsentieren zu können, wird ein Projektentwickler gesucht. Dieser soll die Bedürfnisse der Gewerbler zu einem konkreten Projekt bündeln und sich damit auf Investorensuche begeben. Der neue Zeitplan sieht vor, dass Ende kommenden Jahres das Gesamtpaket inklusive Bauentscheid vorliegt, sodass im Jahr 2016 die Bagger auffahren können.

Der neue Ansatz ist mit Einbussen für den Kanton verbunden: Verlangte der Kanton im ersten Anlauf jährliche Baurechtszinsen von 250 000 Franken, garantiert für die ersten zehn Jahre, so wurde dieser Betrag um 13 Prozent auf 216 000 Franken reduziert. Rolf Borner, Leiter Portfoliomanagement bei Immobilien Basel, begründet dies mit der neuen Rechtsform: Wären in Plan A die Gewerbler direkt als Baurechtsnehmer aufgetreten, werden sie in Plan B lediglich noch Mieter sein. Damit auch der Investor etwas verdienen kann und die Gewerbler nicht mehr als die von Gewerbedirektor Gabriel Barell genannten zehn bis zwölf Franken pro Quadratmeter bezahlen müssen, die öffentliche Hand die Mindereinnahmen.

Das grössere Gewerbe-Projekt wird Basel-Stadt jedoch zusammen mit der Stiftung Habitat auf dem Lysbüchel realisieren. Dort wird Coop Ende 2016 ein Areal räumen, das von Habitat als Wohngebiet und vom Kanton als Gewerbegebiet entwickelt wird. Die Handänderung hat bereits stattgefunden, wie dem Grundbuchamt zu entnehmen ist. Allerdings haben nicht wie angekündigt beide Parteien ihren Teil übernommen, sondern Habitat tritt derzeit als Eigentümer des gesamten 46 000 Quadratmeter grossen Stadtgebiets auf. Borner sagt: «Aus praktischen Gründen». Sobald Coop ausziehe, übernehme der Kanton die Gewerbefläche, der Vertrag sei bereits ausgehandelt. Ende Jahr, erklärt Borner, soll dem Gewerbe ein erster Bebauungsplan vorliegen.

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