Der «Report» von «Telebasel» machte es im Februar 2014 publik: Die «Tageswoche» verteilte die Hälfte ihrer Auflage auf den Flughäfen Basel und Zürich. Oder anders gesagt: Der wundersame Auflagenzuwachs des alternativen Basler Medienprodukts basierte auf einer Gratisverteilung an Flugreisende.

Die Reportage erregte Aufsehen über die Region hinaus. Die Basler Staatsanwaltschaft leitete ein polizeiliches Ermittlungsverfahren ein, um den Verdacht auf Betrug und eventuell auf unlauteren Wettbewerb abzuklären. Neun Monate später kommunizierten die Ermittler die Einstellung des Verfahrens; einerseits mangels Beweisen, andererseits, weil niemand Strafantrag gestellt hat. Weder wurde ein Anzeigenkunde vorstellig noch die AG für Werbemedienforschung (Wemf). Diese für die Auflagenbeglaubigung zuständige Firma sah in der Trickserei keinen direkten Verstoss gegen ihr Reglement, passte dieses mittlerweile dennoch an.

Die «Tageswoche» wurde nach der Einstellungsverfügung gemäss vorliegenden Informationen bei «Telebasel» vorstellig. Sie drohte wegen des «Reports» mit Klagen auf Schadensersatz von entgangenem Gewinn sowie auf Ehrverletzung, wie mehrere Verfahrensbeteiligte bestätigen. Dominik Prétôt, Geschäftsführer bei «Telebasel», bestätigt lediglich, dass es «zu einer Aussprache mit der ‹Tageswoche› kam und die Angelegenheit nunmehr erledigt ist». Den Inhalt wolle man aber nicht kommentieren.

Fakt ist: Seit der Intervention ist der «Report» aus dem Online-Archiv des TV-Senders verschwunden, obwohl dieser keine Fehler enthält. Prétôt erklärt, durch die Einstellung des Verfahrens seien «einzelne Aussagen juristisch etwas unscharf» geworden, «insbesondere weil dabei auch Verantwortungsträger der ‹Tageswoche› involviert waren». Von den Verantwortlichen bei der «Tageswoche» ist Tobias Faust weiterhin Geschäftsführer, der gesamte Verwaltungsrat um Thomas Gelzer hat mittlerweile jedoch demissioniert. Zur Klagedrohung gegenüber «Telebasel» will die «Tageswoche» auf Anfrage nicht Stellung beziehen.

Verschwunden sind die Recherchen von «Telebasel» allerdings nicht wirklich: So hat der Lokalsender in seiner Nachrichtensendung «7vor7» mehrfach über die Auflagen-Affäre berichtet und alle relevanten Fakten der Recherche in einem dreieinhalbminütigen Bericht zusammengefasst. Dieser ist online weiterhin zugänglich.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper